Sayonara – Teil 12

Der „Austria Corner“ im Food Court neben dem Budokan, wo sich in der Pause zwischen Vorrunden und Finalblock die Fans treffen – wie hier der Welser Manfred DULLINGER (rechts)

Was wäre der Sport, egal welcher, ohne seine Fans? Auch im Judo gibt es sie, und in Japan sehr viele sogar. Aber auch die Österreicher, die überall hin mitreisen – im Teil 12 unserer Serie „Sayonara“ beleuchten wir heute einmal die Seite der Judo-Fanatiker.

DIE BESTEN FANS – Dass die Japaner nicht gern und nicht gut englisch sprechen, ist bekannt. Und wenn sie dann einmal etwas sagen, versteht man sie kaum. Das asiatische Nuscheln macht klare Sätze kaum möglich. Im Judo tun wir Europäer uns leichter – wir sprechen die Sprache der Japaner! Die Kampftechniken sind auf japanisch, die Kommandos und Wertungen sind auf japanisch, und wir verbeugen uns, wie es sich in Japan gehört. Und auch wenn man sie nicht versteht, die Japaner, die Anfeuerung bei den Kämpfen braucht dieses Verständnis gar nicht. Fähnchen schwenken, schreien (Haaaiiii und so), jubeln, das ist international. Wenn eine Japanerin oder ein Japaner aus den Katakomben in den Innenraum des Budokan kommt, dann geht – je nach Beliebtheitsgrad des Judoka – ein Raunen bis zum Jubel durch das Publikum. Dann wird die oder der Ihrige lauthals und ohne Gnade angefeuert, auch wenn es nur ein lautes „Aaaahhhh“ ist. Und die Halle bebt – nein, nicht wegen eines der wöchentlichen Erdbeben hier (hoffentlich), sondern weil die Fans Stimmung machen. Nur eines kennen (und können) die Japaner nicht: die hierzulande gängige Welle namens „La Ola“.

Aber es sind nicht nur Japaner, die ihre Judoka anfeuern. Man sieht viele Franzosen, Deutsche, Briten – und auch immer wieder einige mehrere österreichische Judo-Fans. Es sind die stets „Verdächtigen“, die keine Mühen und Kosten scheuen, bei einem derartigen Ereignis dabei zu sein. „Besser jetzt als nächstes Jahr bei Olympia. Da ist es noch viel teurer“, sagt einer. Apropos teuer: Im Restaurant eines Fünf-Sterne-Hotels fand sich auf der Speisekarte folgendes: Kobe-Steak, 300 Gramm – 60.000 Yen. Ja, das stimmt! Das sind fast 600 Euro! „Kobe“ ist nämlich das teuerste Ruindfleisch der Welt, die Tiere werden viel länger gezüchtet als Rinder hierzulande, hat einen ganz eigenen Fettgehalt und ist deshalb auch ganz besonders köstlich. Na gut, in diesem Restaurant fanden wir keinen unserer Fans – die haben sich zwischen den Vorrunden und dem Finalblock (blöderweise sind da immer mehr als zwei Stunden Pause) im „Austria-Corner“ beim Food Court neben der Halle getroffen. Und da man nur in gewissen Raucherzonen rauchen darf, selbst im Freien, sind dort auch die Glimmstengel-Verzehrer zu finden.

Da lobe ich mir die Heimat – wo die Steaks auch ohne den Namen „Kobe“ gut schmecken und einen Bruchteil dessen kosten, was man in Japan dafür zahlen muss; und man darf – wenn man will – noch wenigstens im Freien ungeniert rauchen. Auch dann, wenn man als Japaner kaum englisch spricht …

…. meint euer Joe Langer – Sayonara!

MORGEN: Sabrina – Oldie, but Goldie?

Ähnliche Beiträge

  • Sayonara – Teil 14

    Olympia-Zweiter, zwei WM-Medaillen, zweimal Europameister, insgesamt sieben EM-Medaillen – Ludwig „Lupo“ Paischer war Österreichs Top-Judoka der letzten 15 Jahre. Jetzt lebt er in Japan, arbeitet im Sportmarketing-Bereich – und traf bei der WM in Tokio viele Freunde aus der Heimat. Teil 14 unserer Serie „Sayonara“ befasst sich mit dem nun 37-jährigen Salzburger. LUPO – SEIN…

  • Omas Germknödel auf dem Silber-Tablett

    „Jetzt freue ich mich schon auf die Germknödel von der Oma“, sagte Österreichs frischgebackene Vize-Europameisterin Magdalena Krssakova noch in Prag. Mittlerweile ist die 26-jährige Wienerin schon zu Hause und hat die Delikatesse auf dem Silber-Tablett serviert bekommen. „Die schmecken immer gut“, genoss sie es. Magda war aus österreichischer Sicht der wohl größte Lichtblick der Judo-EM…

  • Vienna Open abgesagt, EM wieder verschoben

    An Tagen wie diesen … – müssen Judo-Events abgesagt oder verschoben werden. So fiel das International Vienna Open Ende September in Wien dem Corona-Virus zum Opfer, die schon zweimal verschobene EM in Prag wurde wieder verlegt. Neuer, geplanter Termin: 19. bis 21. November. Auch bei den österreichischen Meisterschaften im Oktober gibt es Änderungen. Und das…

  • Alle Wege führen nach Rom

    An mehreren Fronten kämpfen am Wochenende Wiener Judoka um internationale Erfolge. Zum einen die Kadetten (Unter 18) beim Europacup in Györ und nach den Veteranen auch die Kata-Athleten in Las Vegas um WM-Medaillen, zum anderen sind die arrivierten Athleten bei den European Open – alle Wege führen nach Rom, heißt es – im Einsatz. Auch…

  • Mitmachen erwünscht

    Wir bewegen Österreich – Österreich hilft Österreich Die Initiative WIR BEWEGEN ÖSTERREICH will österreichweit mehr Bewusstsein für Gesundheit und Solidarität schaffen und den Nationalfeiertag zu einem Gemeinschaftserlebnis mit einem zusätzlichen Charity-Gedanken machen. Ziel ist es, im Rahmen der Initiative auch möglichst viele Spenden für ÖSTERREICH HILFT ÖSTERREICH zu sammeln und damit Familien und Kindern, die…

  • Starauflauf in Antalya

    Das letzte Treffen auf der World Tour vor der EM Ende April in Zagreb und das drittletzte vor der WM im Mai in Abu Dhabi lockt zu Ostern etliche Stars auf die Tatamis von Antalya – in der türkischen Urlauber-Metropole am Mittelmeer werden von Freitag bis zum Ostersonntag 628 Judoka aus 93 Ländern um wichtige…