Emotionales Treffen der 80er-Judostars

Vier Weltmeisterinnen auf einem Bildschirm! Das Webinar der IJF zu „40 Jahre erste Damen-WM 1980“ wurde am Samstag zum emotionalen Treffen. Mittendrin und nicht nur dabei: Dr. Edith Simon, die Goldene von New York bis 66 Kilo. „Ich freue mich, dass sich 40 Jahre nach meinem WM-Titel so viele andere mit mir freuen“, war die zentrale Aussage der 59-jährigen Wienerin, die aber in diesem Online-Meeting noch etwas verriet: „Ich kann zwar nach meiner schweren Knieverletzung nicht mehr richtig Judo machen, aber ich bin begeistert, dass zumindest Uchi-Komi und ein bisschen Ne-waza immer noch so Spaß machen.“ Es war für alle ein aufregendes Meeting, sogar die eine oder andere Träne verfloss. Sonntag gibt es ab 11 Uhr auf You Tube den zweiten Teil des IJF-Webinars.

Es war am Samstag nicht nur eine Feier zum 40-jährigen WM-Jubiläum. Es war auch eine Hommage an jene Frau, die Damen-Judo salonfähig gemacht und für die Aufnahme ins olympische Programm gekämpft hat – Rena „Rusty“ Kanogoki. Eine US-Amerikanerin jüdischer Abstammung, 1935 geboren und später mit Ryohei Kanogoki, der auch an diesem Online-Meeting teilnahm, verheiratet. Die Geschichte von Rusty wäre eine eigene Story wert. Nur soviel: 1959 trat sie zu einer Meisterschaft an. Bei den Männern, da es für Frauen keine Bewerbe gab. Sie schnitt die Haare kurz, kämpfte gegen die Burschen und gewann. Vor der Siegerehrung bemerkte die Turnierleitung den „Gender-Schwindel“ und verwehrte ihr die Medaille. Diese erhielt sie 2009 dann doch. Im selben Jahr gab man ihr eine der höchsten Auszeichnungen der USA, ehe sie im November 2009 verstarb. Aber Tochter Jean Kanogoki, selbst Judoka, setzte das Lebenswerk ihrer Mutter fort – und erhielt beim Webinar von allen Seiten Lob für ihre „Mum“. Alle waren sich einig: Dass Damen-Judo heute olympisch ist, ist Rustys Verdienst.

Neben unserer Edith waren mit Jane Bridge (GBR/bis 48 kg), Anita Staps (NED/bis 61 kg) und der italienischen Schwergewichtlerin Margherita de Cal weitere drei Weltmeisterinnen im Webinar dabei. Und sahen nach einer Grußbotschaft von IJF-Präsident Marius Vizer („ich bin froh, dass wir jetzt bei Olympischen Spielen eine 50:50-Teilnahme von Männern und Frauen haben.“ Und: „Alle, die damals in New York an dieser ersten Weltmeisterschaft für Frauen teilgenommen haben, sind Pioniere des Judo!“ Interessantes trat zutage: Etwa, dass Rusty einmal bei de Cal in Venedig zu Besuch war. „Dann kam ich erstmals nach New York. Ich hab mir nur gedacht, wow – so eine Stadt. Ganz anders als mein Venedig.“ Die Britin Bridge wiederum dachte, sie könne Frank Sinatra treffen, den ihr Vater sosehr verehrte. Und Dawn Netherwood, die im Finale Simon unterlag, erzählte: „Ich lebe jetzt in Frankreich, habe dort ein Fitness-Center und nehme noch an Senioren-Wettkämpfen teil. „Weil ich meinem Umfeld und mir beweisen will, dass ich noch gut bin. Ich bin ein Champion.“

Die Agilität Netherwoods begeistert auch Edith Simon. „Ich könnte das nicht mehr mit meinem Knie.“ Aber die Frau Doktor aus Wien verriet in dem Meeting auch etwas, was wir bisher nicht wussten. „Ich bin viel in Kontakt mit Herta Reiter. Und als ich sie mal im Mühlviertel besuchte, verführte sie mich zum Training. Ich hab ihr gesagt, ich kann rechts nimmer werfen. Dann hab ich es links probiert und Herta mit einem Harai-goshi auf die Matte geknallt. Da haben alle geschaut.“ Für Edith ist so ein Veteranen-Training „gut, wenn es spielerisch ist. Man kann auch mit Uchi-komi, praktisch als Gymnastik, und ein bissl Bodenarbeit viel Spaß am Judo haben.“ Übrigens wurde Simon gefragt, warum Österreich bei dieser WM mit dreimal Gold so erfolgreich war. „Weil uns die beiden Trainer, Ernst Raser und Sigi Kloibhofer, akribisch auf die WM vorbereitet hatten. Wir mussten uns um nichts anderes kümmern, einfach nur aufs Judo.“

Beim zweiten Webinar am Sonntag (29. November) ab 11 Uhr sind zwei weitere Weltmeisterinnen dabei: die Französin Jocelyn Triadou (bis 72 kg) und die Belgierin Ingrid Berghmans, die damals die Open-Klasse gewann. Auf You Tube kann man das Webinar verfolgen, jenes von Samstag und Sonntag findet ihr hier unten eingefügt.

Webinar vom Samstag

1. Teil des Webniars der IJF anlässlich des 40. Jahrestags der 1. Judo-Weltmeisterschaften für Frauen in New York 1980.

Webinar vom Sonntag

2. Teil des Webinars der IJF anlässich des 40. Jahrestags der 1. Judo-Weltmeisterschaften für Frauen in New York 1980.

Ähnliche Beiträge

  • Omas Germknödel auf dem Silber-Tablett

    „Jetzt freue ich mich schon auf die Germknödel von der Oma“, sagte Österreichs frischgebackene Vize-Europameisterin Magdalena Krssakova noch in Prag. Mittlerweile ist die 26-jährige Wienerin schon zu Hause und hat die Delikatesse auf dem Silber-Tablett serviert bekommen. „Die schmecken immer gut“, genoss sie es. Magda war aus österreichischer Sicht der wohl größte Lichtblick der Judo-EM…

  • Teddys Showdown

    Er ist einer der größten Sportstars des Olympia-Gastgebers Frankreich. Er hat dreimal Olympia-Gold gewonnen (zwei im Einzel, einmal mit dem Team), er ist unglaubliche 11-mal Weltmeister, er war ein Jahrzehnt lang ungeschlagen, und jetzt soll er in seinem „Wohnzimmer“ für die ersehnte Goldene sorgen. Teddy Riner, 35 Jahre jung, 2,05 Meter groß und 140 Kilo…

  • Sieben Wiener beim GP

    33 Judoka hat ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch für den Heim-Grand Prix vom 7. bis 9. März in der Linzer TipsArena nominiert, sieben davon kommen aus Wien. Eine, die auf dem besten Weg zur internationalen Spitze war, fehlt aber: Laura Kallinger vom Judoring Wien (bis 57 Kilo) – sie hat sich im Jänner beim Mittersill-Training verletzt und…

  • Mit Shamil in Wien

    Am Wochenende geht die 1. Bundesliga der Männer in die 3. Runde – mit einem Schlager und prominenten Gast in Wien. Serien-Meister „Sportzentrum Galaxy“, jetzt in Niederösterreich angesiedelt, empfängt Samstag ab 18 Uhr in der Kurt Kucera-Halle das ASKÖ Combat Center. Der Aufsteiger aus Oberösterreich kommt mit dem Olympia-Dritten Shamil Borchashvili, der in den ersten…

  • Unser WM-Tipp: Eine Medaille für Österreich

    Heute in einer Woche, am 6. Juni, beginnt in der Budapester Laszlo-Papp-Halle die Judo-WM, die 2021 eigentlich in der Wiener Stadthalle hätte stattfinden sollen. Aus bekannten Gründen wurde sie von der IJF Österreich entzogen – aber auch der vorgesehene Ersatzort Taschkent fiel aus, da sich Usbekistan in der Corona-Krise nicht in der Lage sah, die…

  • Spannung vor der WM

    Ab Donnerstag (06.10.) richten sich alle Blicke der Judo-Welt auf die usbekische Hauptstadt Taschkent, denn es starten die heurigen Weltmeisterschaften. Eine gute Platzierung spielt auch eine wichtige Rolle für die Olympiaqualifikation für 2024. Die Qualifikationsperiode begann am 22. Juni diesen Jahres und erstreckt sich bis 23. Juni 2024. Der ÖJV ist in Taschkent mit 7…