EM-Gold letzte Chance

Vor drei Jahren, bei den Olympischen Spielen in Tokio, stiegen zwei Judoka aus Wien auf die Matten im ehrwürdigen Budokan. Heuer in Paris könnten die Judobewerbe ohne Wiener Beteiligung über die Tatamis gehen. Denn Stephan Hegyi (SC Hakoah / über 100 kg) ist nach wie vor verletzt und wird erst im Juni vorsichtig ins Training einsteigen, und Magdalena Krssakova (JC Sirvan / bis 63 kg) muss bei der EM ab Donnerstag in Zagreb wohl ein Coup gelingen, um im Olympia-Ranking noch in den Status „qualified“ zu kommen. „Dafür wird bei der EM wohl Gold nötig sein“, sagt ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch – und das weiß Magda selbst. Bei den Europa-Titelkämpfen werden neben Krssakova mit Laura Kallinger (Judoring Wien / bis 57 kg), Bernd Fasching (nur im Mixed / bis 90 Kilo) und Movli Borchashvilli (beide M&R Galaxy Judo Tigers / über 100 Kilo) drei weitere Wiener um Medaillen kämpfen.

Derzeit ist in der Klasse bis 63 Kilo Lubjana Piovesana (ULZ Hohenems) als 13. im Ranking für Paris qualifiziert. Muss die eingebürgerte Ex-Britin noch um ihre erste Olympia-Teilnahme für Österreich zittern? Im Moment nicht, denn Krssakova ist als 30. zu weit zurück. Das kann sich aber ändern, sollte „Lubu“ bei der EM früh ausscheiden (was wir, sportlich gesehen, nicht hoffen) und die Wienerin – wie schon 2020 in Prag als Vize-Europameisterin – aufs Podest springen. Bronze oder Silber wäre aber wohl selbst da nicht genug, nur Gold ist ihre letzte Chance! „Wenn ich an meine Form von Antalya anschließen kann, dann darf ich noch hoffen“. sagt die 30-Jährige, die beim letzten Grand Slam-Turnier vor der EM nach starker Leistung „nur“ Fünfte geworden war. Headcoach Snir-Bönisch: „Magda hat in Antalya hervorragendes Judo gezeigt, hätte sich wirklich eine Medaille verdient.“

Nach der EM wird abgerechnet. „Es gibt klare Richtlinien, alle haben eine Athleten-Vereinbarung unterschrieben“, sagt Snir-Bönisch. „Nach der EM werden wir unser Olympiateam nominieren.“ In dem stehen derzeit neben Piovesana die Welser Brüder Shamil und Wachid Borchashvili, die aber beide in der Klasse bis 81 Kilo qualifiziert sind (aber nur einer pro Kategorie darf zu Olympia), sowie Michaela Polleres (bis 70 Kilo) und Aaron Fara (beide JC Wimpassing / bis 100 Kilo), die aber beide die EM auslassen und erst zur WM ab 19. Mai nach Abu Dhabi reisen. Polleres fehlt in Zagreb, weil sie auch schon für die Spiele qualifiziert ist, das Knie von Fara soll geschont werden. „Wir haben aber auch so ein starkes Team bei der EM“, ist Snir-Bönisch sicher, „aber für uns ist diese EM kein Höhepunkt.“ Dennoch wird es eine starke Europameisterschaft – es sind 435 Judoka aus 47 Nationen gemeldet, darunter sind fünf Olympiasieger, sieben Weltranglisten-Erste, 17 Welt- und 25 Europameister:innen, und 51 im Top-Ten-Ranking. „Wir wollen den Fluch der letzten Jahre besiegen“, hofft auch ÖJV-Präsident Martin Poiger auf zumindest eine Medaille. Denn das letzte Edelmetall gab es 2021 durch Bernadette Graf (Bronze), die letzte EM-Goldene liegt schon 13 Jahre zurück. Sabrina Filzmoser hatte sie 2011 in Istanbul (bis 57 kg) geholt und diese Medaille ihrer drei Wochen davor verstorbenen Freundin Claudia Heill gewidmet.

Los geht´s mit der EM in Zagreb am Donnerstag, mit Kallinger (bis 57 kg). Krssakova kämpft am Freitag (bis 63 kg) und Borchashvilli am Samstag (über 100 kg). Am Sonntag folgt noch der Mixed-Bewerb mit Fasching bis 90 Kilo. Wir stellen die Wiener in einem am Dienstag erscheinenden Artikel dann separat näher vor. Übrigens: Der ORF wird die Finalblocks ab Donnerstag jeweils um 17 Uhr live in „Sport+“ übertragen und in diesem Kanal auch die WM-Medaillenkämpfe zeigen. Olympia ist dann in ORF 1 zu sehen. Bravo!

Weitere News

ÖM U16/U21: Am Wochenende finden in Krems (wie schon 2023) die Österreichischen Meisterschaften statt, am Samstag die Unter 16 und am Sonntag die Unter 21. Wien hat im Vorjahr je zwei Titel geholt. Bei den jüngeren Yann Ornik (SU Karuna Wien / bis 50 kg) und Lukas Angerer (M&R Galaxy Judo Tigers / über 81 kg), bei den älteren Bernd Fasching (Galaxy / bis 81 kg) bzw. Leonie Bayr (Vienna Samurai / bis 70 kg). An beiden Tagen überträgt Streamster TV – www.streamster.tv – jeweils ab 9.20 Uhr LIVE.

Live-Ergebnisse

Roland Poiger in Paris! Österreich bester Kampfrichter wurde für die Paralympischen Spiele in Paris, die nach den eigentlichen Spielen stattfinden, als Referee nominiert. Es sind somit, nach Tokio 2021, seine zweiten Spiele. Wir gratulieren dem Burgenländer sehr herzlich zu dieser Nominierung und Wertschätzung seiner Leistungen als Kampfrichter!

Foto: ÖJV-Headcoach Yvonne SNIR-BÖNISCH und Magda KRSSAKOVA - Judo für den Fotografen - @joe

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