Olympia ohne Wiener?

Bei den letzten Olympischen Spielen, 2021 in Tokio, waren mit Magda Krssakova (JC Sirvan / bis 63 kg) und Stephan Hegyi (SC Hakoah / über 100 kg) zwei Wiener Judoka auf der Matte des ehrwürdigen Nippon Budokan, bei den Spielen 2024 in Paris dürften es, wie es derzeit aussieht, keine sein. Denn Stephan ist nach wie vor verletzt und bei seiner kanadischen Frau auf Reha, und Magda ist spätestens am Wochenende in Baku gegen ihre interne „Rivalin“ Lubjana Piovesana (LZ Hohenems), die ihr erstes Grand Slam-Gold holte, ins Hintertreffen geraten. Erst bei zwei Spielen seit der Jahrtausendwende (2000 und 2016) waren keine Judoka aus Wien in Österreichs Olympiateam, Paris könnten die dritten sein …

2004 (Silber) und 2008 (Rang 5) war es die unvergessene Claudia Heill, 2012 in London Hilde Drexler, 2021 eben Krssakova und Hegyi – nur 2016 in Rio schaffte es zuletzt kein Wiener Judoka ins ÖOC-Aufgebot. Da pro Gewichtsklasse und Land nur ein Athlet auf die olympische Judomatte darf, gibt es (nicht nur in Österreich) erbitterte Duelle um die Olympia-Teilnahme. Zum Beispiel in Japan, wo in der 66-Kilo-Klasse mit Hifumi Abe und Joshiro Maruyama zwei Weltmeister um diesen einen begehrten Platz kämpfen. Vor den Spielen in Tokio hatte es sogar einen direkten Ausscheidungskampf gegeben, den Abe im Golden Score nach insgesamt 20 Minuten (!) für sich entschieden hat. Oder bei den Frauen bis 52 Kilo, wo es in Kanada das Duell Christa Deguchi gegen Jessica Klimkait gibt. Sogar in Österreich gibt es derzeit zwei Olympia-Qualifizierte in einer Gewichtsklasse: Shamil und Wachid Borchashvili in der Kategorie bis 81 Kilo – einer der beiden Welser Brüder muss also zu Hause bleiben …

Aber zurück zu „Lulu“: Vor dem Grand Slam in Baku lag Piovesana in der (bereits bereinigten) Olympia-Rangliste der Klasse bis 63 Kilo auf Rang 18 und gilt als „qualified“, Krssakova findet man auf der 30 („not qualified“). Mit ihrem ersten Grand Slam-Sieg, in dem die Wahl-Vorarlbergerin im Finale mit der Kanadierin Catherine Beauchemin-Pinard jene Nummer 1 der Welt schlug, gegen die in der Vorrunde die Wienerin verloren hatte, bekommt Piovesana 1.000 Punkte im Ranking dazu, hält jetzt dann bei 3.271 Punkten und wird sich um gut fünf Plätze im Ranking verbessern. Krssakova hingegen hat weniger als die Hälfte und wird um die Nummer 30 bleiben. Die Kluft zwischen den beiden wird größer. Dennoch liegt es im Interesse des Verbandes, dass auch Magda noch einen Quotenplatz erreicht. ÖJV-Sportdirektor Markus Moser erklärt: „Nur qualifizierte SportlerInnen können zu den Olympischen Spielen fahren. Sollte Lulu qualifiziert sein – wie aktuell – und nicht antreten können, dann kann ihr Platz innerhalb der Nation nur dann weitergegeben werden, wenn auch Magda qualifiziert ist.“ Daher gilt für Krssakova: Weiter kämpfen um die Olympia-Quote!

Für „Lulu“ war der erste Sieg bei einem Grand Slam „der bisher schönste Tag meiner Judo-Karriere! Es war ein fast perfekter Tag.“ Im Finale gegen die Nummer eins der Welt, die sie im vierten Duell erstmals schlagen konnte, habe sie auch gefährliche Momente überstehen müssen. „Einmal hat sie mich im Bodenkampf im Würger gehabt und mir die Nase zugedrückt. Ich bekam keine Luft, wollte schon abklopfen. Zum Glück habe ich es nicht getan und konnte mich befreien.“ Der Wendepunkt im Endkampf, in dem Beauchemin-Pinard zunächst besser war, sei das zurückgenommene Waza-ari gewesen. „Da habe ich gemerkt – ich kann es ja! Und dann dachte ich – eigentlich habe ich mir Gold verdient.“ Was Lubjana noch freut: „Ich komme jetzt als Grand Slam-Siegerin zum Upper Austria Grand Prix nach Linz.“ Dort (8. bis 10. März, Tips-Arena) wird auch Magda wieder um einen Spitzenplatz kämpfen, denn: „Auch wenn Baku für mich nicht gut verlaufen ist – noch habe ich die Chance auf einen Quotenplatz, und die will ich nützen, solange es möglich ist.“ Na, dann drücken wir dir alle Daumen, liebe Magda!

Übrigens: Am letzten Tag des Grand Slam-Turniers in Baku ging je ein Klassensieg an Aserbaidschan, die Niederlande, Frankreich, Georgien und einen AIN-Vertreter („neutrale“ Nation). Die Gastgeber gewannen die Medaillenwertung (3/2/3) vor Frankreich (1/3/0) und Kanada (1/1/1). Österreich ist in der Nationenwertung mit einmal Gold, zweimal Rang 5 und zweimal Platz 7 am Ende Achter unter 62 teilnehmenden Nationen mit 404 Judoka. Stark!

Foto: "Mein schönster Tag" - Lubjana PIOVESANA mit ihrerm ersten Grand Slam-Gold - @Judo Austria

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