Gold für Magdas „Rivalin“

Die Nummer 1 der Welt geschlagen, damit das erste Gold auf der World Tour geholt! Lubjana Piovesana, die 2023 eingebürgerte Ex-Britin, feierte beim Grand Slam in Baku ihren bisher größten Erfolg. Die Wahl-Vorarlbergerin schlug im Finale der Klasse bis 63 Kilo die kanadische Weltranglisten-Erste Catherine Beauchemin-Pinard im Golden Score mit Ippon und wahrte damit ihre Chance auf die Olympia-Qualifikation. Sehr zum Leidwesen ihrer Wiener „Rivalin“ Magda Krssakova (JC Sirvan), die im Achtelfinale ausschied. Nach einem (erwarteten) Ippon-Sieg über die US-Amerikanerin Sara Golden musste sich die 29-jährige Vize-Europameisterin von 2020 eben Beauchemin-Pinard mit Ippon nach 48 Sekunden im Golden Score geschlagen geben. Magda blieb damit die einzige im sechsköpfigen ÖJV-Aufgebot ohne Platzierung, denn Shamil Borchashvili (LZ Multikraft Wels / bis 81 Kilo) und Michaela Polleres (JC Wimpassing / bis 70 kg) wurden Fünfte, Shamils Bruder Wachid Borchashvili (LZ Multikraft Wels / bis 81 kg) und schon am Freitag Katharina Tanzer (SU Noricum Leibnitz / bis 48 kg) jeweils Siebente. Schade für Krssakova, aber wir gratulieren natürlich ihrer Teamkollegin „Lulu“ herzlich zu Gold!

Lubjana Piovesana empfahl sich mit einer sensationellen Leistung in der Klasse bis 63 Kilo für höhere Aufgaben. Zunächst schlug sie die an Nummer 7 gesetzte Ketleyn Quadros (BRA) und danach Zulhumar Dashkinova (TKM) jeweils mit Ippon, im Viertelfinale behielt die gebürtige Britin mit 2:3 Shidos gegen Laura Fazliu (KOS) die Oberhand. Und auch im Semifinale ging es in den Golden Score, in dem Piovesana Joanna van Lieshout (NED) mit Waza-ari bezwang. Im Finale war zunächst die Kanadierin, gegen die Lubjana in drei bisherigen Kämpfen immer verloren hatte, die aktivere. Es ging ohne Wertung in den Golden Score, in dem die Neo-Österreicherin zunächst mit dem Pech haderte, als ein vom georgischen Kampfrichter gegebenes Waza-ari für Ura Nage nach Videobeweis zurückgenommen wurde. Aber mit der nahezu gleichen Technik gelang Piovesana nach 4:19 Minuten in der Verlängerung (also gesamt nach 8:19 Minuten) der entscheidende Ippon. Ein großer Erfolg! Da war wohl auch ihr Freund Laurin Böhler, der in der Vorwoche die European Open in Györ gewonnen hatte, ein imaginärer Motivator …

Erstmals in diesem Jahr stiegen am Samstag in Baku Österreichs Olympia-Medaillengewinner von Tokio auf die Wettkampfmatte – und blieben, etwas enttäuschend, als jeweils Fünfte ohne Podestplatz. Die Tokio-Silberne Michaela Polleres (JC Wimpassing) bezwang zum Auftakt bis 70 Kilo die „neutrale“ Firuza Azamowa (AIN) mit Waza-ari und und im Viertelfinale die vierfache Europameisterin Kim Polling (NED) mit Ippon (Ura Nage), nachdem sie zuvor schon ein Waza-ari verbucht hatte. Im Semifinale musste sie sich aber Ex-Weltmeisterin Barbara Matic (CRO) mit Waza-ari geschlagen geben. Die Niederösterreicherin, die übrigens kürzlich im Olympia-Museum in Lausanne mit fünf anderen Judoka ausgezeichnet wurde, verlor den Kampf um Bronze gegen Sabina Gercsak (HUN).

Shamil Borchashvili (LZ Multikraft Wels), Olympia-Dritter 2021, startete bis 81 Kilo kampflos, dann feierte er einen Waza-ari-Erfolg über Alan Kubetsow (AIN) und im Viertelfinale einen Ippon-Sieg gegen Musa Simsek (TUR). Im Semifinale stoppte ihn Omar Rajabli (AZE) mit zwei Waza-ari. Im „kleinen Finale“ musste er sich dem starken Holländer Frank de Wit mit Ippon für O-uchi-gari geschlagen geben – damit Fünfter wie sein Bruder und Klubkollege Wachid Borchashvili. Wachid startete mit zwei Ippon-Siegen über Adam Kopecky (CZE) und Alfonso Urquiza-Solana (ESP) nach. Im Viertelfinale verlor er aber gegen Zelim Tckaev (AZE) mit Hansokumake (3 Shidos) im Golden Score. In der Trostrunde verhinderte der genannte Holländer de Wit eine bessere Platzierung des Welsers als Rang 7.

Schon am Freitag hatte Tanzer in der Klasse bis 48 Kilo zunächst Galyna Tynbayeva (KAZ) und Shira Rishony (ISR) jeweils mit Waza-ari geschlagen, ehe sie im Viertelfinale der Belgierin Lois Petit mit Ippon unterlag. Damit war die 28-jährige Steirerin in der Trostrunde, wo es leider keinen Trost gab. Tanzer verlor gegen Khalimajon Kurbonova (UZB) mit Ippon. Dennoch bedeutete dies für die Nummer 35 im IJF Ranking den guten siebenten Platz.

Gastgeber Aserbaidschan führt nach zwei Tagen mit 2 x Gold / 1 x Silber / 2 x Bronze die Medaillenwertung an, gefolgt von Kanada (1/1/1), Usbekistan (1/0/2), Spanien (1/0/1) sowie Österreich mit einer Goldmedaille. Auch Schweden und Kroatien sowie ein „neutraler“ Judoka (AIN) halten bei einmal Gold. Am Sonntag sind keine ÖJV-Athleten mehr auf der Matte.

Alle Ergebnisse aus Baku findet ihr hier.

Foto: Magda KRSSAKOVA (blauer Judogi) gegen Catherine BEAUCHEMIN-PINARD - @IJF / Gabriela Sabau

Ähnliche Beiträge

  • 1.000 km für den Erfolg

    Enthusiasten machen den Unterschied. In vielen Bereichen. Auch im Wiener Judo haben wir einen solchen – denn Henrik Schwam, Trainer der Sportunion Karuna Wien, reist am Freitag zeitig in der Früh mit dem Auto 1.000 Kilometer von Wien nach Sofia, um bei der Unter-18-EM am Samstag seinen Schützling Vardges Ghazaryan zu betreuen. Der junge Schwergewichtler…

  • Neuer „Sister-Act“

    Die Japaner Uta und Hifumi Abe wurden 2018 erstmals am selben Tag Weltmeister und holten 2021 in Tokio gemeinsam ihr erstes olympisches Gold, die Italiener Giovanni und Antonio Esposito gewannen im März den Grand Prix in Linz, und auch beim Grand Slam am Wochenende in Duschanbe standen zwei (tadschikische) Brüder auf dem Podest – sogar…

  • Zwei Podestplätze in Prag

    Bei den European Open in Prag (CZE) gab es am zweiten und letzten Wettkampftag gleich zwei Podestplätze für das ÖJV-Team. Die Bürder Borchashvilli holten einmal Bronze durch Movli in der +100-kg-Klasse und Adam in der Klasse -90 kg Silber (beide Galaxy Judo Tigers). Beginnen wir mit Movli. Er besiegte in Runde 1 Nodar Machutadze (UKR),…

  • Siebenmal Nummer 1

    Das gab es selten! Bei der am Freitag in Budapest beginnenden Weltmeisterschaft werden bei den Männern alle sieben Führende im IJF-Ranking auf die Tatami steigen – mit Sanshiro Murao (bis 90 Kilo) ist aber nur ein Japaner unter ihnen. Die sechs anderen kommen aus fünf weiteren Ländern (AZE/2, FRA, KOR, TJK und IJF). Können die…

  • „Maitre“ Riner kehrt mit Masters-Sieg zurück

    Der Bär ist wieder los! Superstar Teddy Riner (FRA) kehrte erfolgreich auf die Judo-Matte zurück! „Maitre“ Riner gewann beim Masters in Doha die Gewichtsklasse über 100 Kilo mit einem Finalsieg über Vize-Europameister Inal Tasojew (RUS). Leider schied der Wiener Stephan Hegyi (SC Hakoah) in der selben Klasse ebenso in Runde eins aus wie Laurin Böhler…

  • Bronze für Hegyi

    Einen Tag nach Silber für Bernd Fasching (bis 81 Kilo/Galaxy Tigers) gab es Österreichs zweite Medaille beim Grand Prix in Zagreb – und wieder durch einen Wiener. Stephan Hegyi (SC Hakoah) holte in der Klasse über 100 Kilo mit einem Waza-ari-Sieg über Tieman Diaby (FRA) seine erste Bronzemedaille auf der World Tour seit über dreieinhalb…