Wiens Judojahr im Rückblick

Am Ende eines Jahres wird allerorten Bilanz gezogen. War es ein gutes Jahr? Hätte es besser sein können? Was das Judo-Jahr 2023 aus Wiener Sicht gebracht hat, versuchen wir im nachstehenden Rückblick aufzuarbeiten. Es gab Höhen und Tiefen, Jubiläen und Änderungen – am Ende bleibt nur zu sagen: „S´is wias is“. Klar hätte es mehr Erfolge geben können, aber auch weniger Verletzungen. Und es hätte auch schlimmer kommen können. Jetzt gilt es, ins neue Jahr zu schauen und das Beste für Wiens Judo hoffen …

2023 begann mit einer Hiobsbotschaft. Stephan Hegyi, der ohnedies schon mit zwei Kreuzbandrissen davor ein Pechvogel war, zog sich Anfang März vor dem Grand Slam-Turnier in Taschkent einen Achillessehnenriss zu. Der 25-jährige Schwergewichtler des SC Hakoah hat seither kein Turnier bestritten und fiel im IJF-World Ranking mit nur 400 Punkten auf den 81. Platz zurück. Eine Olympia-Qualifikation für Paris scheint für den Olympia-Teilnehmer von Tokio derzeit außer Reichweite. Wir wünschen Stephan, der sich schon im Aufbautraining befindet, dass er 2024 so gut wie nur möglich auf die Matte zurückkehrt und vielleicht doch noch das große Ziel Olympia schafft …

Neben Hegyi hat auch Magda Krssakova die Teilnahme in Frankreichs Metropole im Visier. Die ehemalige Vize-Europameisterin des JC Sirvan (bis 63 Kilo) bekam aber Konkurrenz im eigenen Lager. Die eingebürgerte Britin Lubjana Piovesana (LZ Vorarlberg) ist im Ranking vor Magda, aber nur eine der beiden darf, wenn überhaupt, nach Paris. „Lulu“, wie die Freundin von Laurin Böhler genannt wird, ist 22. mit derzeit 2.490 Punkten, Krssakova hält bei 1.828 und ist auf Rang 33 zu finden. Da ist im Duell der beiden noch vieles möglich. Für die lange verletzt gewesene 29-jährige Wienerin mag es ein Ansporn sein, dass sie im Juni, nach 427 Tagen, mit Bronze beim Grand Prix in Duschanbe endlich wieder den Sprung aufs Podest geschafft hat.

Die international herausragenden Momente des Jahres waren der (zum zweiten Mal erkämpfte) dritte WM-Platz in Doha und der erste Grand Slam-Sieg (in Taschkent) der Olympia-Zweiten Michaela Polleres (JC Wimpassing / bis 70 kg), die ebenso wie ihr Klubkollege Aaron Fara (bis 100 kg) Österreichs Judo-Sportler des Jahres wurden. Fara nicht nur dank seines ersten Grand Slam-Sieges in Antalya, sondern wohl auch für sein spektakuläres Judo. Eigentlich wollte er schon aufhören, jetzt ist er mit 3.230 Punkten im IJF-Ranking 14. und für Olympia so gut wie qualifiziert. Und der Welser Olympia-Dritte Shamil Borchashvili (bis 81 Kilo) feierte den Sieg beim Heim-Grand Prix in Linz. Der erstmals im Rahmen der World Tour stattfand und große Anerkennung aus dem Ausland erhielt. Auch wenn es neben diesen Erfolgen noch zwei Siege bei European Open, einmal Gold bei den EYOF-Spielen (Helene Schrattenholzer aus Klosterneuburg), sechs Siege bei Unter-21-Europacups, sowie je zweimal Gold bei Unter-18-Europacups sowie bei WM und EM der Veteranen gab – bei der EM der Allgemeinen Klasse in Montpellier blieb Österreich – wie schon 2022 – leider ohne Medaille.

In der Bundesliga dominierten einmal mehr die M&R Galaxy Tigers, die auch bei der Staatsmeisterschaft im Oktober in Eferding zwei von vier Wiener Titeln holten – beim Final Four in Gmunden schlugen sie im Finale abermals Rekordmeister UJZ Mühlviertel und feierten ihren Jubiläums-Titel, den zehnten. 81-Kilo-Staatsmeister Bernd Fasching wurde dabei zum „Mister Bundesliga“ (12 Kämpfe, 12 Siege) gekürt. Der 20-Jährige, auf den Coach Thomas Haasmann viel hält, hat im Nachwuchsbereich heuer auch einen Unter-21-Europacuop (in Birmingham) gewonnen und war bei der Unter-23-EM als Fünfter im Pech – im Kampf um Bronze erkannte das Kampfgericht nicht, dass sein Gegner kopfvoran auf der Matte aufkam – und dafür die Disqualifikation verdient hätte.

Apropos Haasmann: Nachdem im Jänner Horst Felzl nach nur einem Jahr aus persönlichen Gründen als Präsident des Judo-LV Wien zurückgetreten war und Haasmann interimistisch übernommen hatte, wurde im Dezember bei einer außerordentlichen Generalversammlung der bisherige Sportdirektor Erwin Schön zum neuen Verbandschef gewählt. Mit einem neuen Team geht er in die Zukunft – der Verband und auch wir vom Redaktionsteam wünschen allen Judoka und allen Freunden des Judosports einen guten Rutsch ins Neue Jahr und vor allem Gesundheit!

Foto: Die Wienerin Magda KRSSAKOVA feierte 2023 nach 427 Tagen wieder einen Podestplatz auf der World Tour - Dritte beim Grand Prix in Duschanbe - @Judo Austria / Oliver Sellner

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