„Wer weiß, wofür es gut war?“

Ein siebenter Platz für den Wiener Ersatz-Judoka Bernd Fasching (bis 81 Kilo), die Fix-Qualifikation von Aaron Fara (bis 100 Kilo) für die Olympischen Spiele – das war´s dann auch schon mit den positiven Aspekten der WM in Abu Dhabi. Ansonsten eher Enttäuschungen! Nimmt man Faschings Bilanz (drei Siege bei zwei Niederlagen) heraus, bleiben bei 16 Kämpfen nur fünf gewonnene. „Aber wer weiß, wofür es gut war?“, tröstete sich ÖJV-Präsident Dr. Martin Poiger im Hinblick auf Paris darüber hinweg, dass nach drei Jahren mit jeweils Bronze die Serie gerissen ist. Bei einer WM hängen halt die Trauben hoch …

Von 2010 in Tokio mit Bronze für Sabrina Filzmoser (bis 57 Kilo) hatte es elf Jahre gedauert, bis es wieder WM-Edelmetall für Österreich gegeben hat: Michaela Polleres (bis 70 kg) schaffte es 2021 in Budapest, die Wimpassingerin legte, wieder mit Bronze, 2023 in Doha nach. Und dazwischen, 2022 in Taschkent, sorgte Shamil Borchashvili (bis 81 Kilo) ein Jahr nach seiner Olympia-Bronzenen in Tokio auch bei der WM in Taschkent als Dritter den Sprung aufs Podest. Der Welser, der vor knapp einem Monat in Zagreb auch erstmals EM-Bronze gewann, hatte auf die WM verzichtet, weil er sich „im Moment nicht in der Verfassung fühle, bei so einem Großevent an den Start zu gehen.“ Was ist los mit Shamil? Er hatte ja nach dem Gewinn seiner Olympiamedaille gehofft, dass in Paris alle drei Brüder an den Start gehen würden. Aber Kimran (bis 66 Kilo) war für die Qualifikation 2024 kein Thema, und Wachid hat – wie Shamil auch – die Fix-Quote. Leider darf pro Kategorie und Land nur ein Judoka auf die olympische Tatami – und angeblich habe der „Familienrat“ im Hause Borchashvili beschlossen, dass Wachid nach Paris geht. Ob eine solche interne Entscheidung überhaupt möglich ist? Man darf gespannt sein, wie der ÖJV darauf reagieren wird …

Die größte Enttäuschung in Abu Dhabi war freilich Michaela Polleres. Ist die Wimpassingerin mit dem Druck nicht fertig geworden? Poiger glaubt, dass es am Ende vielleicht sogar „hilfreich“ war, dass die in Abu Dhabi als Nummer 2 gesetzte 26-Jährige ausgeschieden ist. „Jetzt wird sie in Paris vielleicht nicht den Druck haben. Und sie braucht niemandem etwas beweisen, sie hat ihre olympische Silbermedaille schon.“ Und den Jungen im 12-Athleten-Aufgebot der WM, darunter die Wiener Judoka Laura Kallinger (Judoring / bis 57 Kilo) und Movli Borchashvilli (Allianz Kukla Galaxy Tigers / über 100 kg) darf man auch nichts vorwerfen. Sie haben ihr Bestes gegeben, aber auch Lehrgeld bezahlt. Bleibt, aus Wiener Sicht, Magdalena Krssakova (JC Sirvan / bis 63 Kilo), die zwar kurz vor der WM wieder in Form zu kommen schien, aber dann doch in der zweiten Runde rausflog. Für die 30-Jährige war es freilich eine stressige Zeit im (verlorenen) Quali-Duell mit der eingebürgerte Britin Lubjana Piovesana. Ob sich Magda noch einmal einen Olympia-Zyklus von vier Jahren antun wird, bleibt dahingestellt.

ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch zog eine zweischneidige Bilanz: „„Wir haben – wie viele andere Nationen auch – Abu Dhabi als Zwischenstation zu den Olympischen Spielen in Paris angelegt. Der Fokus liegt auf Ende Juli, Anfang August. Da wollen wir abliefern. Und erst dann wird abgerechnet. Wir werden ein schlagkräftiges Olympia-Team haben. Davon sind wir zutiefst überzeugt. Aaron hat sich nach der Knie-OP bei der WM ordentlich verkauft und zurückgemeldet. Bernd war die große positive Überraschung. Wir hätten uns erhofft, dass einige Selbstvertrauen tanken und Weltranglisten-Punkte sammeln. Aber diese Chance haben wir leider verpasst. Und bei Michi ist es wahrscheinlich gar nicht so schlecht, dass ihre Siegesserie der letzten Monate noch vor Paris gerissen ist. Trotzdem wird sie bei den Spielen – ich denke, als Nummer 3 – gesetzt sein. Der Druck, als Favoritin unbedingt abliefern zu müssen, ist jetzt aber mit Sicherheit nicht mehr ganz so groß. Michaela hat hier Nerven gezeigt, das kann passieren.“ Eben – wer weiß, wofür das Ausscheiden gut war …

Im abschließenden Mixed-Bewerb am Freitag verlor Österreich – erwartungsgemäß – gegen Korea mit 1:4 und schied aus. Den einzigen rot-weiß-roten Punkt machte – erraten! – unser Einzel-Überraschungsmann Fasching mit einem Ippon-Sieg gegen Juyeop Han. Korea unterlag in der Folge Usbekistan. Im logischen Finale setzte sich Japan gegen Frankreich mit 4:1 durch. Die Punkte des Olympiasiegers und Weltmeisters holten Takano, Tamaoki, R. Tanaka und Kawabata, den Ehrenpunkt für die Trikolores holte Pinot. Bronze ging an Georgien (4:1 gegen Deutschland) und Italien (4:2 gegen Usbekistan).

Foto: Die Belgierin Willems (blau) stoppte beim "Tänzchen" mit Michaela POLLERES die Medaillenhoffnungen unserer Olympia-Zweiten - @IJF / Emanuele di Feliciantonio

Ähnliche Beiträge

  • Zwei Wiener Titel bei Matten-Rückkehr

    Fast zwei Jahre konnten sich Österreichs Nachwuchs-Judoka nicht mehr wettkampfmäßig messen. Am Samstag kehrten die Unter-18-Jährigen in Oberwart zur österreichischen Meisterschaft in ihrer Altersklasse zurück – und zwei Wiener Judoka holten Titel: Bis 48 Kilo Maya Kochauf von den Galaxy Judo Tigers und bis 57 Kilo Leonie Bayr von den Vienna Samurais. Überragender Verein an…

  • Shamil holt Bronze in Taschkent

    An den ersten beiden Tagen bei der Judo-Weltmeisterschaft in Taschkent war Japan die dominierende Nation. Das änderte sich an den folgenden Tagen. Aber auch Österreich zeigte am Sonntag (09.10.) wieder auf. Shamil Borchashvili holte in der Klasse bis 81 kg Bronze. Japan möchte sicher in jeder Gewichtsklasse eine Goldmedaille nach Hause bringen. Das gelang bisher…

  • Herzog in Paks Fünfter

    Beim Europacup der Junioren am Wochenende in Paks (Ung) erkämpfte Niko Herzog den 5. Platz in der Klasse bis 100 Kilo. Der talentierte Judoka von WAT Stadlau feierte im 20-Starter-Feld dieser Gewichtsklasse drei Siege (gegen Serban/ROM, Kokhan/UKR und Keita/FRA) und musste sich zweimal geschlagen geben (Fizel/SVK und im Kampf um Bronze Bulthuis/NED). Für die beste…

  • Jetzt Lust auf mehr

    „Ich will Gold“, hatte Leonie Bayr im Vorfeld des Unter-21-Europacups in Graz als Ziel ausgegeben. Die 19-jährige Wienerin vom Judoclub Vienna Samurai hat ihr Ziel erreicht. Und jetzt Lust auf mehr: „Ich glaube, ich bin stark genug, Juniorinnen-Europameisterin zu werden“, lacht die Blondine. Aber ihr eigentliches, großes Ziel ist ein anderes: „Ich will spätestens im…

  • |

    Zweiter Platz in Graz

    Am ersten Tag des Internationalen Junioren-Turniers in Graz gab es einen zweiten Platz und Silber für Österreich durch Helene Schrattenholzer (JC Klosterneuburg) in der Klasse bis 78 Kilo. Die 18-Jährige musste sich erst im Finale Vize-Europameisterin Jovana Stjepanovic (SRB/2) im Golden Score geschlagen geben. Die übrigen ÖJV-Judoka schieden aus – aber am Sonntag gibt es…

  • EM Sofia: Tag 2

    Am zweiten Wettkampftag bei den Europameisterschaften in Bulgarien hätte es fast eine Medaille für das ÖJV-Team gegeben. Doch das Kampfglück war nicht auf unserer Seite. So blieben die undankbaren Ränge 5 und 7. Die Wienerin Magdalena Krssakova (JC Sirvan) belegte in der Klasse bis 63 kg den 7. Rang. Sie war nach einem Freilos in…