Teddy als „Osterhase“

Osterurlaub mit der Familie an der türkischen Mittelmeerküste, und so nebenbei, im Vorbeigehen, auch noch einen Grand Slam-Titel in Antalya geholt – Frankreichs Superstar Teddy Riner hat den erwarteten Sieg im Schwergewicht geholt und ist jetzt auf „seine“ Spiele in Paris fokusiert. Seine Kinder freuten sich in der Türkei über den Osterhasen, Papa Teddy über Gold und, vielleicht auch, das Preisgeld. Aber, und so sieht es aus: Auch den erfolgreichsten Judoka aller Zeiten wird man wohl erst bei Olympia wiedersehen …

„Ich habe mich heute nicht sehr wohl gefühlt, deshalb habe ich mich in dem einen oder anderen Kampf auch schwer getan“, gesteht der noch 34-Jährige, der eine Woche nach Ostern (am 7. April) 35 wird. „Ich brauche jetzt eine Woche Erholung, und dann gehe ich die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele an. Hier in Antalya war nur ein Grand Slam-Turnier – Gold in meiner Heimat ist für mich das einzig Wichtige“, sagt der in Guadeloupe geborene Judoka, der vor bald 18 Jahren, 2007 in Rio de Janeiro, als 18-Jähriger seinen ersten WM-Titel holte, zehn weitere folgen ließ und auch noch dreimal Olympiasieger wurde. Allerdings einmal davon im Mixed-Bewerb, und Teddy will unbedingt das dritte Einzel-Gold.

Dafür wird er sich aber steigern müssen. Denn nach seinem Erstrundensieg gegen einen Judoka aus Bahrain hatte der große Meister Probleme, seine Technik anzuwenden. So gewann er meist mit einem Hansokumake des Gegners, der mit drei Shidos und der „roten Karte“ von der Matte musste. Dreimal war das am Ostersonntag der Fall, auch im Semifinale gegen den Deutschen Erik Abramov. Der hatte sogar einmal, man glaubt es kaum, eine Hebelchance am Boden. Wie man Riner ärgern kann, zeigte dann im Finale Tatsuru Saito. Der Japaner konnte Riner mit vier guten Ansätzen aber nicht wirklich in Gefahr bringen, dann gelang dem Superstar mit einem Konter doch noch ein Waza-ari. „War doch gut und genug“, lachte Riner nachher. Er nahm dieses Grand Slam-Turnier nicht wirklich ernst. „Wichtig war, dass meine Familie bei mir war und wir gemeinsam Ostern feiern konnten“. Sein Sohn war es auch, den er nach dem Finale als erstes umarmte. Ein richtiger Teddy als Osterhase …

Interessierter Beobachter des Schwergewichts-Finalkampfes in Antalya war auch IJF-Präsident Marius Vizer. Der froh darüber ist, dass Abu Dhabi noch vor den Olympischen Spielen die Weltmeisterschaft übernommen hat (19. bis 24. Mai). Aber er weiß auch, dass dieser Termin kein idealer ist. Denn nur drei Wochen nach der EM in Zagreb (25. bis 27. April) kommt die WM als letztes Event der Olympia-Qualifikation, und zwei Monate nach Abu Dhabi ist schon Olympia in Paris. Deshalb werden die Stars wohl ihre kontinentalen Meisterschaften, aber vielleicht auch die WM, auslassen. Japans 66-Kilo-Olympiasieger Hifumi Abe hat das nach seinem Triumph am Samstag in Antalya schon anklingen lassen. Und, wie es aussieht, ist auch für Riner die WM „nicht so wichtig“. So wird die nach Olympia wichtigste Judo-Veranstaltung leider abgewertet – und das ist eigentlich sehr schade …

Alle Ergebnisse aus Antalya findet ihr hier.

Foto: IJF-Präsident Marius VIZER ließ es sich nicht nehmen, Frankreichs Superstar Teddy RINER in Antalya die Goldmedaille umzuhängen - aber bei der WM im Mai wird er das wohl nicht können ... - @IJF/Emanuele Di Feliciantonio

Ähnliche Beiträge

  • Kein Platz in Graz

    Nein, es ist (noch) nicht der „Steirische Herbst“ oder eine große Messe in Graz – es ist „nur“ ein Judo-Turnier. Aber es gibt keinen Platz mehr in Graz – denn 617 Judoka aus 34 Nationen, die Samstag und Sonntag im Raiffeisen-Sportpark um die Medaillen beim Unter-21-Europacup kämpfen werden, sind ein absoluter Teilnahmerekord. „Wir hatten noch…

  • Zwei Wiener beim Masters

    Unter den acht ÖJV-Judoka, die ab Donnerstag beim Masters in Qingdao (China) um wichtige Punkte in der Olympia-Qualifikation kämpfen werden, sind mit Magdalena Krssakova (JC Sirvan/bis 63 Kilo) und Stephan Hegyi (SC Hakoah/über 100 Kilo) auch zwei Wiener dabei. Es rumort nicht nur sportlich, sondern auch abseits der Matte. So wurde der Iraner Saeid Mollaei…

  • Double ohne Sister-Act

    Die Rangordnung ist wiederhergestellt! Japan holte am zweiten Tag der Judo-WM in Tokio mit zweimal Gold das (erwartete) Double, aber es wurde kein Sister-Act. Zwar krönte sich Uta Abe bis 52 Kilo mit ihrem zweiten WM-Titel, ihr Bruder Hifumi wurde aber „nur“ Dritter. Bezwungen nur vom späteren Sieger, seinem Landsmann Joshiro Maruyama. Es war ein…

  • Springer in Zagreb Fünfte

    Beim vierten Antreten auf der IJF-World Tour schrieb die Wienerin Jacqueline Springer erstmals an – die Judoka von Vienna Samurai wurde beim Grand Prix in Zagreb Fünfte in der Klasse bis 48 Kilo. Nach zwei Vorrundensiegen unterlag die 24-Jährige im Semifinale der späteren Siegerin Wakana Koga (JPN) und danach auch im Kampf um Bronze der…

  • Hegyi-Comeback mit Gold

    Er ist wieder da! Stephan Hegyi (SC Hakoah) feierte bei der Staatsmeisterschaft in Feldkirchen (K) ein perfektes Comeback. Der dreifache EM-Medaillengewinner, der fast zwei Jahre (exakt 622 Tage) verletzungsbedingt pausieren musste, besiegte im Finale der Klasse über 100 Kilo Movli Borchashvilli (Allianz Kukla Galaxy Tigers), der in den letzten drei Jahren Staatsmeister wurde, mit Ippon…

  • Bayr holt Bronze

    Nur eine Woche nach ihrem siebenten Platz in Prag hat Leonie Bayr (Vienna Samurai) auch beim Junioren-Europacup in Paks angeschrieben – und wie! Die 19-Jährige holte in der Klasse bis 70 Kilo mit Bronze ihr erstes Unter-21-Podest und hat sich damit das Ticket für die Junioren-EM im September in Bratislava gesichert. Auch Leonies Klubkollegin Jael…