„Saubermacher“ putzte alle

Mit einmal Gold durch Adam Borchashvilli (bis 100 Kilo) sowie zweimal Bronze durch Vache Adamyan (bis 60 kg) und Stephan Hegyi (über 100 Kilo) starteten Österreichs Judo-Asse erfolgreich ins internationale Geschehen des neuen Jahres. Und es geht Schlag auf Schlag weiter – schon am kommenden Wochenende Grand Slam in Baku, in knapp drei Wochen der Upper Austria Grand Prix in Linz. Bei dem der „Saubermacher“ wieder anschreiben will …

Mit einer Medaille habe er schon gerechnet, aber nicht unbedingt mit Gold, resümierte der Wiener Adam Borchashvilli von den Allianz Kukla Galaxy Tigers. Der „Saubermacher“ – im Berufsleben Chef seiner eigenen Reinigungsfirma „AFS GmbH“ (AFS steht für Adam Facility Service) – hat in Laibach alle seine fünf Gegner sozusagen „geputzt“. Auch den in der Klasse bis 100 Kilo topgesetzten Laurin Böhler, dem Adam im Semifinale Schmerzen bereitete. Der Vorarlberger humpelte nach seinem gegen Adam verlorenen Semifinale von der Matte, doch die neuerliche Knieverletzung dürfte, dem Vernehmen nach, nicht schlimm sein. So aber konnte Borchashvilli gegen den ihm noch unbekannten Tschechen Martin Bezdek seine Chance auf den ersten Turniersieg wahren. „Er ist körperlich sehr stark“, befand Adam nach dem Finaltriumph. „Aber ich war auf ihn sehr gut eingestellt.“ Und so tönte am Ende die österreichische Bundeshymne durch die Halle in Laibach …

Welche Ziele hat einer, der als 28-Jähriger seinen ersten internationalen Titel holt – Olympia? Borchashvilli lacht: „Daran denke ich nicht. Ich mache Judo, weil es mir Spaß macht, weil auch meine Brüder Magamed und Movli Judoka sind“, sagt der Firmenchef, der sich freilich wochentags und tagsüber um seinen Job kümmern muss. Und essen kann, was er will. Denn er hat erst 94, 95 Kilo, hat im Vorjahr entschieden, in die 100er-Klasse zu wechseln. „Da will ich jetzt Österreichs Nummer 1 werden.“ Sein Sieg in der slowenischen Hauptstadt ist ein guter Grundstein für den Mann, der seit seinem sechsten Lebensjahr bei den Galaxy Tigers Judo macht. Deshalb war Adams Sieg auch für seinen Trainer Thomas Haasmann emotionell. „Ich habe mich selten über einen Triumph so gefreut wie über den von Adam“, sagt der Olympiastarter von 1984. Der auch sagt: „Ich wusste, dass ihm der Knopf aufgehen würde. Es war bei Adam bisher nur eine Kopfsache!“ Auch Verletzungen hat Borchashvilli hinter sich. „Vor fünf Jahren sind in meinem rechten Knie alle Bänder gerissen. Aber jetzt passt wieder alles.“

Über Verletzungen kann auch Stephan Hegyi einiges berichten – umso schöner, dass in Laibach „Teil zwei“ seines Comebacks im Schwergewicht gelungen ist. Wie schon im Herbst 2024 in Rom Dritter, das macht den 26-jährigen Wiener für die nächsten Turniere zuversichtlich. „Ich denke, ich bin auf einem guten Weg zurück an die internationale Spitze.“ Der zweifache EM-Medaillengewinner, der einst im IJF-Ranking an den Top Ten anklopfte, ist mittlerweile weit jenseits der Top 100 – und soll behende auf dem Weg zurück begleitet werden. „Vielleicht haben wir ihn nach seiner ersten schweren Verletzung zu früh gefordert“, räumt Chefcoach Yvonne Snir-Bönisch ein. „Jetzt werden wir sicher nichts überhasten und ihn, so gut es geht, bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles vorbereiten.“ Hoffentlich ohne weitere Verletzung …

Schon ab Freitag geht es mit dem Grand Slam in Baku weiter – Hegyi ist dabei, Adam nicht. „Aber in Linz will ich anschreiben“, sagt Borchashvilli. Übrigens: Neben dem Wiener haben bis jetzt schon weitere sechs Sieger von Laibach für den Upper Austria Grand Prix genannt. Die drei Ukrainer Nazar Viskov (bis 66 kg), Said-Magamed Khalidov (bis 73 kg) und Anastasia Antipina (bis 63 kgI. Dazu Toni Miletic (BIH / bis 90 kg), Binta Ndiaye (SUI / bis 57 kg) und die Italienerin Erica Simonetti (über 78 kg). Sie alle werden in der Raiffeisen-Arena auf starke Konkurrenz treffen. Absoluter Superstar in Linz (7. bis 9. März) wird Lukas Krpalek, der zweifache Olympiasieger und Weltmeister aus Tschechien, sein. Mit dem Spanier Francisco Garrigos (bis 60 kg) kommt der Olympia-Dritte von Paris und Weltmeister 2023, und Georgien bringt zwei Top-Athleten: Tato Grigalashvili (bis 81 kg), der erste dreifache Judo-Weltmeister seines Landes und Olympia-Zweite von Paris kommt ebenso nach Linz wie Guram Tushishvili (über 100 Kilo), „nur“ einmal Weltmeister und Olympia-Zweiter 2021 in Tokio. Dabei haben etliche starke Nationen (wie z.B. Frankreich) ihre Judoka noch nicht namentlich genannt. Tickets für Linz gibt es auf: www.judoaustria.at/grandprix/

Foto oben: Adam BORCHASHVILLI (rechts) im Laibach-Finale gegen Martin BEZDEK - Foto unten: Zweites Turnier, zweites Podest für den genesenen Stephan HEGYI (Zweiter von rechts) - @/EJU / Gabi Juan (2)

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