Polleres holt erstes WM-Bronze seit 2010

Der Bann ist gebrochen! Erstmals seit elf Jahren, seit der Bronzemedaille von Sabrina Filzmoser 2010 in Tokio, holt Österreich wieder WM-Edelmetall. Ausgerechnet durch jene Judo-Dame, die in den letzten vier Turnieren, von der EM 2020 bis zur EM 2021, in ihrem ersten Kampf ausgeschieden war – Michaela Polleres holte am fünften Tag der Judo-WM in Budapest Bronze in der Klasse bis 70 Kilo! Die 23-jährige Niederösterreicherin vom JC Wimpassing schaffte dieses Kunststück mit einem Ippon-Sieg über die Irin Megan Fletcher.

Polleres präsentierte sich am Donnerstag in überaus starker Form. Zuerst, nach dem Freilos, gegen Maria Bernabeu (ESP) nach 2:08 Minuten mit einem schönen O-uchi-gari (Beinwurf) mit Ippon gewonnen, dann die Koreanerin Seongyeon Kim sogar schon nach 56 Sekunden besiegt! Nach einem schnellen Waza-ari gelang Polleres ein Konterwurf – Ippon. Damit erreichte sie das Viertelfinale, in dem sie auf die müde Australierin Aoife Coughlan (benötigte im Kampf davor 12:50 Minuten für den Sieg) traf. Und die Niederösterreicherin zeigte von Beginn an, wer Chef auf der Matte ist. Nach 2:49 Minuten würgte sie die Australierin ab und stand damit im Semifinale. Erst dort wurde sie von der Kroatin Barbara Matic gestoppt. Beide Judoka hatten immer wieder Ansätze versucht, aber erfolglos. Im Golden Score, nach insgesamt 7:37 Minuten, gelang dann der Kroatin ein Körperwurf – Ippon. Im Bronzekampf war Polleres von Beginn an die aktivere Kämpferin, ließ Fletcher nicht zum Griff kommen, warf Waza-ari und hielt die Irin dann noch zehn Sekunden fest. Somit 34 Sekunden vor Ende der regulären Kampfzeit Waza-ari awasete Ippon! Das war – nach dem verlorenen Bronze-Kampf bei der WM 2019 – die erste WM-Medaille für „Michi“. Wir gratulieren dir herzlich! Aber auch dem Trainerteam rund um ÖJV-Headcoach Yvonne Bönisch und dem Wimpassinger Heimtrainer Adi Zeltner.

Der Jubel rund um Polleres war freilich groß. ÖJV-Präsident Martin Poiger war einer der ersten Gratulanten, auch das ganze Team bejubelte die Medaille von Michaela. „Ich bin so so erleichtert“, jubelte Polleres noch vor der Siegerehrung. .Das begann schon mit der Auslosung. Ich habe mich von Beginn an stark gefühlt und freue mich, dass es nach dem verlorenen kleinen Finale vor zwei Jahren heute geklappt hat. Das ist ein Karriere-Highlight!“ Headcoach Bönisch meinte: „Es ist Zeit, dass diese medaillenlose Zeit seit 2010 ein Ende hat.“ Die Deutsche dankte auch dem kompletten Trainerstab. Und „Sabsi“ Filzmoser, die heute von der IJF zur Vorsitzenden der Athletinnen-Kommission gewählt wurde und so einen Sitz in der IJF-Executive hat, lachte: „Ich bin froh, dass ich jetzt nicht mehr die letzte ÖJV-Medaillengewinnerin bei einer WM bin.“ Übrigens: Jene Gegnerin, die Polleres in den letzten vier Turnieren Auftakt-Niederlagen zugefügt hatte, die Slowenin Anka Pogacnik, schied in der ersten Runde aus.

Polleres musste sich letztlich nur der späteren Sensations-Weltmeisterin geschlagen geben. Denn Matic holte für Kroatien den ersten Judo-WM-Titel durch einen Finalsieg über die Japanerin Yoko Ono (Waza-ari), die im Semifinale die Co-Favoritin Sanne van Dijke (NED) bezwungen hatte. Die Titelverteidigerin und Führende in der Weltrangliste, Marie Eve Gahie (FRA) war schon sensationell in ihrem ersten Kampf ausgeschieden. Die zweite große Enttäuschung für die Französin nach der Entscheidung des französischen Verbandes, nicht sie nach Tokio mitzunehmen, sondern ihre Rivalin Margaux Pinot für Olympia zu nominieren. Bei den Männern bis 90 Kilo gewann der topgesetzte Spanier Nikolosz Sherazadishvili gegen Davlat Bobonov (UZB) im Golden Score mit Ippon und holte seinen zweiten WM-Titel.

Auch wenn die am dritten Tag in Folge ohne Gold blieben, führen die Japaner (3/3/1) die Medaillenwertung weiter an, jetzt vor Spanien (1/1/2) und Georgien (1/10). Dank Bronze von Polleres scheint Österreich unter den 118 Nationen auf Rang 22 auf.

Am Freitag sind zwei ÖJV-Athleten am Start. Während bei den Männern bis 100 Kilo Aaron Fara (Wimpassing) um seine letzte Olympia-Chance kämpft und dafür wohl nicht nur seinen Erstrunden-Gegner Simeon Catharina (NED) schlagen muss, ist bei den Frauen bis 78 Kilo die EM-Dritte Bernadette Graf Österreichs nächste Medaillenhoffnung. Die Tirolerin bekommt es zum Auftakt mit der Bosnierin Barbara Cikic zu tun. Den Finalblock in ORF Sport+ mit Peter Brunner als Kommentator und Hilde Drexler als seine Expertin gibt´s auch am Freitag ab 17 Uhr. Hoffentlich wieder mit rot-weiß-roter Beteiligung!

Ergebnisse nach dem 5. Tag

Frauen bis 70 kg
1.MATIC BarbaraCRO
2.ONO YokoJPN
3.POLLERES MichaelaAUT
3.VAN DIJKE SanneNED
5.BUTKEREIT MiriamGER
5.FLETCHER MeganIRL
7.COUGHLAN AoifeAUS
7.PORTELA MariaBRA
MÄNNER bis 90 kg
1.SHERAZADISHVILI NikolozESP
2.BOBONOV davlatUZB
3.NYMAN MarcusSWE
3.TOTH KrisztianHUN
5.GANTULGA AltanbaganaMGL
5.NAGASAWA kentaJPN
7.BOZBAYEV IslamKAZ
7.FEUILLET RemiMRI

Alle Ergebnisse aus Budapest findet ihr hier.

Foto oben: Michaela POLLERES mit der Medaille und ÖJV-Headcoach Yvonne BÖNISCH - @Judo Austria/Oliver Sellner. - Foto unten: Sabrina FILZMOSER (Zweite von rechts) wurde zur Vorsitzenden der Athleten-Kommission gewählt und hat jetzt einen Sitz in der IJF-Exekutive. - @IJF Media.

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