Paris ohne „Lulu“

Samstag und Sonntag ist die (ausverkaufte) Accor-Arena in Paris-Bercy Schauplatz des ersten Grand Slam-Turnieres im neuen Jahr – aber eine aus dem ÖJV-Team wird fehlen: Lubjana „Lulu“ Piovesana, die Olympia-Fünfte von Paris 2024, ist verletzt und muss pausieren. Drei der sechs rot-weiß-roten Teilnehmer kommen aus Wien: Bernd Fasching (bis 81 Kilo), Movli Borchashvilli (über 100 kg / beide Galaxy Tigers) und Stephan Hegyi (über 100 Kilo / SC Hakoah).

Paris, die Stadt der Liebe. Paris, das „Wimbledon des Judo“. Hier findet alljährlich das – mit dem Kano-Cup (Grand Slam in Tokio) – bedeutendste Event auf der IJF-World Tour statt. Das einstige „Tornoi de Paris“, das bis in die Achtziger Jahre im Stade Pierre de Coubertin über die Tatami ging und dann im „Omnisport de Bercy“ Heimat gefunden hat. An beiden Tagen gefüllt mit je 15.000 Zuschauern – der Samstag ist schon komplett ausverkauft, für Sonntag gibt es noch (wenige) Restkarten. Und 90 Prozent der Zuschauer sind aktive Judoka. In einem Land, in dem Judo keine Randsportart ist wie bei uns, es fast eine Million Judoka gibt …

Judo inmitten großer anderer Events – eine Woche nach dem Grand Slam tritt Eros Ramazzotti in jenem Tempel auf, in dem der Österreicher Werner Schlager vor nun schon 23 Jahren sensationell Tischtennis-Weltmeister geworden war. Doch bei Olympia 2024 gab´s kein Judo in Bercy – das IOC wollte eine Woche Basketball und die andere Turnen und verbannte Judo in die eigens gebaute Champ de Mars-Arena nahe dem Eiffelturm, in der nur 8.000 Zuschauer Platz hatten, und die wieder abmontiert wurde.

Zuletzt hatte Paris für ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch nicht in den Kalender gepasst, aber heuer sind sechs Athleten aus „Autriche“ wieder dabei. Nur sechs, weil „Lulu“ im Training einen Riss des Syndesmosebandes im linken Sprunggelenk erlitt und mindestens drei Wochen ausfällt. Piovesana hofft, bis zum Grand Prix in Linz (6. bis 8. Närz) wieder fit zu sein. So wird unser Team von der zweifachen Olympia-Medaillengewinnerin Michela Polleres (bis 70 Kilo / JC Wimpassing) angeführt. Die Zweite von Tokio 2021 und Dritte der Spiele 2024 ist nur noch Nummer 14 der Welt und in ihrer Kategorie in Paris an Nummer 9 (also ungesetzt) gereiht. Zuletzt war „Michi“ 2020 in Paris, wo sie in Runde zwei Ex-Weltmeisterin Saki Niizoe (JPN) unterlag. Nach ihrer 18 Monate dauernden Wettkampfpause ist es erst das zweite Comeback-Turnier (nach Tokio) für die 28-jährige Niederösterreicherin. Neben Polleres und den drei Wienern sind noch Samuel Gaßner (73 kg / UJZ Mühlviertel) und Thomas Scharfetter (bis 90 kg / Sanjindo Bischofshofen) beim Kult-Turnier und anschließendem zweitätigen Trainingslager dabei.

Wie stark Paris international besetzt ist, zeigt die Nennliste. Sieben der 14 aktuellen Weltranglisten-Ersten sind dabei, darunter insgesamt sieben französische Judoka, die bei den letzten Spielen (2024, 2021) jeweils mit einem Finalsieg über Japan Olympia-Gold geholt hatten. Dazu wurden mit Alice Bellandi (ITA / bis 78 kg), Hidayat Heydarov (AZE / bis 73 kg) und Zelym Kotsoiev (AZE / bis 100 kg) drei Einzel-Olympiasieger von Paris 2024 genannt. Aber der, den eigentlich ALLE sehen wollten, glänzt wieder einmal durch Abwesenheit. Teddy Riner, der Superstar, der Hero, der Außerirdische. Er wird nichts zur Medaillenbilanz der „Tricolores“ beitragen können, wird aber sicher in der Halle sein. Im Vorjahr waren Frankreich und Japan mit je drei Goldenen die erfolgreichsten Nationen, heuer sind unglaubliche 512 Judoka aus 81 Ländern für das „Tornoi de Paris“ genannt …

Foto: Zelym KOTSOIEV ist einer von drei Einzel-Olympiasiegern, die am Wochenende in Paris kämpfen – @IJF / Tamara Kulumbegashvili

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