Historische Stätte in gähnender Leere

Als wir in der letzten August-Woche des Jahres 2019 diese ehrwürdige Stätte betraten und die Kämpfe der Judo-Weltmeisterschaften als Generalprobe für die Olympischen Spiele 2020 verfolgten, dachte wohl niemand, dass einerseits das größte Sportfest der Welt um ein Jahr verschoben und dann ohne Zuschauer stattfinden würde – aber die COVID-Pandemie hat den geplanten Ablauf verhindert. Jetzt, knapp zwei Jahre später, erscheint diese historische Stätte in unmittelbarer Nähe des Kaiserpalastes in gähnender Leere.

Das (oder auch der) Nippon Budokan wurde anlässlich der Olympischen Spiele 1964 im Stadtteil Chiyoda erbaut. Im mit dem Wiener Prater vergleichbaren Kitanomaru-Park, einer „grünen Lunge“ mitten in der japanischen Hauptstadt. Der Budokan, von Architekt Mamoru Yamada entworfen, ist ein Bau aus drei achteckigen Hallen, von denen die größte einer Halle des Höryü-ji-Tempels in Nara (Höryü-ji = Tempel der Lehre Buddhas) nachgebaut wurde und 14.000 Zuschauen Platz bietet. Die Halle war und ist nicht nur Schauplatz großer Judo- und anderer Budosport- und Sumo-Events, sondern auch in anderer Hinsicht eine historische Stätte. Jedes Jahr am 15. August findet hier eine nationale Zeremonie zum Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkriegs statt. Unzählige Konzerte berühmter Musiker (z.B. ABBA, Beatles, Bob Dylan, Bryan Adams, Deep Purple, Eric Clapton, KISS, Paul McCartney, Prince, Scorpions und Rolling Stones), fanden hier statt. Nach Olympia 1964 aber gab es nur eine von drei Judo-Weltmeisterschaften in dieser Kultstätte, eben jene vor zwei Jahren. 1995, wo Patrick Reiter Bronze für Österreich holte, waren die Matten in Chiba (Messehalle Makuhari) ausgelegt, 2010 mit Bronze für Sabrina Filzmoser war die Yoyogi-Halle im gleichnamigen Park im Bezirk Shibuya WM-Schauplatz.

Was den Judo-Bewerben in Tokio fehlt, sind die Zuschauer. 2019 waren auch etliche Judo-Fans aus Österreich nach Tokio gereist und sahen einen fünften Platz von Michaela Polleres (bis 70 Kilo) als bestes ÖJV-Ergebnis. Die Halle war täglich gut besetzt, an den Top-Tagen der Japaner auch ausverkauft. Rundum gab´s Standeln, um sich kulinarisch zu stärken – und wer wollte, konnte in Richtung des nahen Kaiserpalastes gehen. Und immer, wenn der „Tenno“ kam oder ging, kreisten Helikopter über den Park. Tokio 2019 war ein Erlebnis, auch für die Fans. Tokio 2021 ist anders – und wird als die Corona-Spiele auch in Erinnerung bleiben …

Foto oben: Österreichische Judo-Fans in einer Pause bei der WM 2019, rechts der Welser Trainer Manfred DULLINGER. - Foto unten: JLVW-Pressereferent Josef LANGER bei der WM 2019 vor dem Haupteingang des Nippon Budokan. - @Langer

Ähnliche Beiträge

  • Neue Seite

    Nach nun 15 Jahren wurde es Zeit, unsere Homepage den neuen Gegebenheiten anzupassen. Als damals unsere Verbandsseite erstellt wurde, galt das CMS auf welchem es beruhte als modern. Heute kann es den modernen Anforderungen nicht mehr entsprechen. Aus diesem Grunde haben wir uns entschlossen, die Seite neu zu gestalten. Das Layout wurde aufgefrischt und das…

  • Endlich wieder Paris!

    Zuletzt hatte das erste Grand Slam-Turnier des Jahres in Paris nicht in den Wettkampfplan des ÖJV gepasst, heuer wird aber ein siebenköpfiges Team aus Rot-Weiß-Rot am 7. und 8. Februar im berühmten Omnisport de Bercy auf die Tatami steigen – darunter sind drei Wiener Judoka. Man ist geneigt zu sagen: Endlich wieder Paris! Die drei…

  • Wiens Judojahr im Rückblick

    Am Ende eines Jahres wird allerorten Bilanz gezogen. War es ein gutes Jahr? Hätte es besser sein können? Was das Judo-Jahr 2023 aus Wiener Sicht gebracht hat, versuchen wir im nachstehenden Rückblick aufzuarbeiten. Es gab Höhen und Tiefen, Jubiläen und Änderungen – am Ende bleibt nur zu sagen: „S´is wias is“. Klar hätte es mehr…

  • 50 Jahre WM Wien

    Vor exakt 50 Jahren, am 23. Oktober 1975, wurde in der Wiener Stadthalle die neunte Judo-WM (der Männer) eröffnet. Es war eine großartige Weltmeisterschaft vor jeweils 6.000 Zuschauern an den drei Wettkampftagen – mit einer Platzierung für Österreich: der leider schon verstorbene Hans Pollak (JC Manner Wien) wurde in der Klasse bis 93 Kilo Siebenter….

  • Schon wieder! Laurin sagt ab

    Nein, nicht schon wieder! Laurin Böhler (LZ Hohenems), der beim European Open in Ljubljana am Sonntag nach der Semifinal-Niederlage gegen den späteren Sieger bis 100 Kilo, den Wiener Adam Borchashvilli, humpelnd von der Matte schlich, musste für den Grand Slam ab Freitag in Baku absagen – Außenband-Teilabriss im linken Knie! Da auch Junioren-Weltmeisterin Elena Dengg…