Die „Mission Olympia“

Er ist erst 21. Aber schon sehr erfolgreich! Und er könnte einer werden, der uns in spätestens etwa dreieinhalb Jahren Freude bereiten könnte, bei Olympia nämlich – Bernd Fasching, der Bronze-Gewinner bis 81 Kilo beim Grand Prix in Linz. Für seinen Heimtrainer bei den Allianz Kukla Galaxy Tigers, Thomas Haasmann, eine besondere „Mission Olympia“. 1984 war er selbst Olympia-Teilnehmer in L.A. und will, „dass sich der Bernd für die Spiele qualifiziert und besser abschneidet als ich“. 44 Jahre nach seinem eigenen Auftritt …

1984 stieg Haasmann als 23-Jähriger in der Klasse bis 78 Kilo in Los Angeles auf die olympische Judomatte. Ein Sieg gegen einen Belgier, dann die Niederlage gegen einen Schweden („den habe ich davor immer geschlagen“) und das Aus. Hätte Thomas diesen Zweitrundenkampf gewonnen, „wäre ich zumindest in die Trostrunde gekommen und sicher zumindest Fünfter geworden. Das wäre leichter gewesen als Staatsmeister zu werden.“ Jetzt könnte es sehr leicht sein, dass Haasmann wieder in „seine“ Olympiastadt zurückkehrt. „Bernd hat alle Anlagen, aber er muss sich noch in vielen Bereichen verbessern. Vor allem im Griffkampf, in der Ne waza und auch taktisch.“ Dafür fährt oder fliegt „Haasi“ seinen Schützlingen (fast) überall hin nach.

2024 bei der WM in Abu Dhabi tauchte plötzlich Thomas Haasmann auf. Da Fasching, ursprünglich nur für den Mixed-Bewerb vorgesehen, nach der WM-Absage von Shamil Borchashvili fix ins Team rutschte und auch im Einzel bis 81 Kilo antrat, setzte sich der mittlerweile 63-Jährige mit Geschäftsfreunden in eine Etihad-Maschine und war in der Halle präsent. Da er aber keine Akkreditierung als Coach bekam, schrie er von irgendeiner Balustrade Anweisungen, möglichst nahe an der Matte, wo Bernd gerade kämpfte. Fasching wurde WM-Siebenter. Auch dank der Hilfe seines Trainers? „Es tut gut, wenn dein Coach alles mitmacht“, sagt Fasching. „Auf der Matte höre ich unsere Cheftrainerin Yvonne Snir-Bönisch, aber oft auch Thomas. Es ist sowieso schwierig, das im Kampf noch umzusetzen, was einem von allen möglichen Seiten zugerufen wird.“

Bernd am Tag nach Bronze in Linz. Locker, gelassen, glücklich. Weil seine Freunde sowie seine Eltern Dominik und Verena auch in der „TipsArena“ waren, Daumen gedrückt, und mit ihm dann gefeiert haben. Mit dem spektakulären Sieg im Kampf um den Podestplatz gegen den Japaner Joji Togo, gegen den er vor einem Jahr noch schlecht ausgesehen hatte, hat er nicht nur seine erste Medaille auf der World Tour geschafft, sondern sich auch fix für die EM (ab 23. April in Podgorica) und die WM (ab 13. Juni in Budapest) qualifiziert. Eine Schrecksekunde gab´s dennoch im Finale: „Zuerst haben sie Waza-ari gegeben, dann haben sie es annulliert. Da denkst du im ersten Moment sch … – aber dann ging die Hand zum Ippon hoch. Einfach mur geil!“

Apropos Hand: Der rechte Ellbogen, an dem er sich im Herbst beim Grand Prix in Zagreb einen Bänderriss zuzog, ist völlig verheilt, stellt kein Problem mehr da. Damit gibt es auch grünes Licht für das nächste Turnier in zwei Wochen in Tifllis (Grand Slam). Und sein Trainer erzählt: „Bernd hat so viel Kraft, unglaublich! Er hängt sich 75 Kilo um die Hüfte und macht dann Klimmzüge. Und als der Ellbogen verletzt war, probierte er es sogar mit nur einer Hand.“ Kraftlackel Bernd …

Noch ist es weit bis zu den Spielen 2028. Dann ist Fasching, der 2023 alle Liga-Kämpfe gewonnen hatte und deshalb zum „Mister Bundesliga“ gekürt worden war, 25 Jahre alt. „Ideal für Olympia“, weiß Haasmann. Was der Trainer aber noch nicht weiß, spricht sein Schützling aus: „Ich will, wenn ich mich für Olympia qualifiziere, besser abschneiden als Thomas, um meine Medaillenchance kämpfen.“ Das wird aber, angesichts seiner schon latenten Probleme beim Gewicht machen, wohl nicht mehr oder nur schwerlich in der 81-Kilo-Klasse möglich sein …

Foto oben: Nach Bronze stand Bernd FASCHING in Interviews Rede und Antwort - @Judo Austria / Oliver Sellner - Foto unten: So jubelte Bernds Heimtrainer Thomas HAASMANN über Bronze, links Kondi-Trainer Sepp Resnik, vorne die Eltern Verena und Dominik FASCHING - @JLVW / privat zVg

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