Piovesana holt Bronze

Österreichs Olympia-Fünfte Lubjana Piovesana holte beim Grand Slam-Turnier in Baku Bronze in der Klasse bis 63 Kilo. Im Kampf ums Stockerl besiegte die Wahl-Vorarlbergerin mit Joanna van Lieshout (NED) die regierende Weltmeisterin. Die beiden Wiener Bernd Fasching und Magamed Borchashvilli (beide bis 81 Kilo) schieden leider aus. Nach fünf Goldenen in fünf Kategorien am Freitag lief es für Japan am Samstag nicht mehr so gut – nur ein von vier möglichen Siegen durch Tatsuki Ishihara in der Klasse bis 73 Kilo.

Piovesana (LZ Hohenems) musste sich nach einem Freilos im Viertelfinale bis 63 Kilo der späteren Siegerin Jessica Klimkait geschlagen geben – der Kanadierin, Weltmeisterin 2021 (allerdings bis 57 kg) genügte ein Yuko für einen Schulterwurf (Seoi otoshi). Nach einem Trostrunden-Sieg über Nauama Silva (BRA / Würgegriff) traf die Ex-Britin im Kampf um Bronze auf die aktuelle Weltmeisterin. Nach der regulären Kampfzeit hatten „Lulu“ und van Lieshout keine Wertung, nach zwei Minuten im Golden Score beide zwei Shidos. Doch Piovesana war aktiver, versuchte mit Seoi-Ansätzen und Selbstfall-Technik (Sumi-gaeshi) zum Erfolg zu kommen.Nach 3:13 Minuten in der Verlängerung bekam die Niederländerin das dritte Shido – damit Bronze für als Nummer 2 gesetzt gewesene Piovesana.

 „Lulu hat taktisch sehr gut gekämpft und den Griffkampf dominiert. Es war ein wertvoller und verdienter Erfolg“, betonte ÖJV-Sportdirektor Markus Moser. Damit steht’s im Head-to-Head 2:1 für Piovesana. Den zwei Baku-Siegen steht eine Halbfinal-Niederlage bei der EM 2024 in Zagreb gegenüber. „Ich bin richtig glücklich mit dieser Medaille, es war mein erster Start seit den Olympischen Spielen und ich war richtig nervös, habe nicht gut in den ersten Kampf hineingefunden. Jetzt mein Sieg über Weltmeisterin Van Lieshout und die Bronze bedeuten mir richtig viel. Das Heimturnier in Linz kann kommen“, strahlte sie.

Leider sind beide Wiener ausgeschieden. Bernd Fasching (Allianz Kukla Galaxy Tigers) gewann bis 81 Kilo zwar gegen Johan Silot (USA / Waza-ari), war aber im Achtelfinale gegen den Tadschiken Somon Makhmadbekov chancenlos. Ippon durch Osaekomi nach 2:04 Minuten, nachdem sein Gegner (immerhin Nummer 6 der Welt) zuvor schon Waza-ari und Yuko auf der Tafel hatte. Faschings Klubkollege Magamed Borchashvilli (auch bis 81 kg) verlor gegen den 36-jährigen ungarischen Routinier Attila Ungvari nach 1:57 Minuten im Golden Score durch Shime waza (Würgegriff) und schied aus.

Am Sonntag steigen noch die Wiener Movli Borchashvilli (Galaxy) und Stephan Hegyi (SC Hakoah / beide über 100 Kilo) auf die Tatami von Baku. Borchashvilli trifft auf Joao Cesarino (BRA), Hegyis Gegner ist mit dem unter IJF-Flagge antretenden Russen Tamerlan Bashaev allerdings der Topstar dieser Kategorie (Olympia-Dritter von Tokio 2021 und WM-Dritter).

Fünfmal ertönte am Freitag die japanische Hymne, fünfmal wurde die weiße Fahne mit dem roten Punkt in der Mitte an oberster Position hochgezogen. Nur zweimal schaffte es ein nicht-japanischer Judoka in den Kampf um Gold – bei den Frauen bis 48 Kilo die Schwedin Tara Babulfath, die gegen die Paris-Olympiasiegerin Natsumi Tsunoda mit Hansokumake die „rote Karte“ erhielt. Und die Deutsche Mascha Ballhaus, die im Kampf um ihren ersten Grand Slam-Sieg von der Tokio-Olympiasiegerin Uta Abe mit Osaekomi (Festhalter) Ippon bezwungen wurde. Für die Japanerin, die mit 24 Jahren auch schon vierfache Weltmeisterin ist, war das erste Turnier seit den Olympischen Spielen ein Erfolg. Offenbar hat sie ihre Viertelfinal-Niederlage von Paris gegen die spätere Olympiasiegerin Diyora Keldyorova (UZB) jetzt endlich überwunden. Übrigens: Hifumi Abe, der im Gegensatz zu seiner Schwester in Paris Gold bis 66 Kilo geholt hatte und auch vierfacher Weltmeister ist, war in Baku nicht dabei. Dafür sorgten zwei andere Japaner in den beiden Männer-Klassen am Freitag für interne Gold-Duelle.

Am Samstag konnte man bei der Siegerehrung endlich auch andere Hymnen hören. Die kanadische für Piovesana-Bezwingerin Klimkait, die ungarische für Szofi Ozbas (bis 70 kg), zur Freude der Gastgeber die aserbaidschanische für Zelim Tckaev (bis 81 kg) und auch einmal die japanische. Japan (6/4/1) führt die Medaillenwertung nach zwei Tagen weiter klar an, gefolgt von Aserbaidschan (1/1/3), Kanada (1/1/0) und Ungarn (1/0/0). Österreich ist unter den 36 teilnehmenden Ländern dank „Lulu“ auf dem (geteilten) 12. Platz zu finden.

Foto: Lubjana PIOVESANA (weißer Judogi, hier gegen Silva) holte in Baku Bronze - @IJF / Emanuele Di Feliciantonio

Ähnliche Beiträge

  • Wachid Fünfter – Rest mau

    Der zweite Tag der Judo-EM in Montpellier (FRA) wurde fast zum „schwarzen Samstag“, da alle unsere Hoffnungen auf Medaillen ihre Erstrundenkämpfe verloren. Nur Wachid Borchashvili, der „kleine Bruder“ des Olympiadritten Shamil, schaffte mit Platz 5 in der Klasse bis 81 Kilo für ein achtbares Ergebnis. Der Welser startete mit drei Siegen, darunter einem 11-Minuten-Marathon gegen…

  • Japans „Luxus-Problem“

    Man stelle sich einmal vor: Der Olympiasieger und vierfache Weltmeister Hifumi Abe kam nicht zur WM nach Abu Dhabi, um für die Olympischen Spiele nichts zu riskieren, auch Joshiro Maruyama, der ihn 2019 schlug und selbst den Titel holte, ist nicht im Emirat – dann kommen die Nummer 3 und 4 und stehen beide im…

  • Kein Happy-End bei EM

    Leider kein Happy-End – Österreich blieb bei der Judo-EM in Montpellier (FRA), wie schon im Vorjahr in Sofia, ohne Medaille. Der fünfte Platz von Wachid Borchashvili am Samstag in der Klasse bis 81 Kilo war das beste ÖJV-Ergebnis. Am Sonntag belegte Aaron Fara (JC Wimpassing in der Klasse bis 100 Kilo nach zwei Siegen und…

  • Drei Wiener Medaillen

    Beim traditionellen „Internationalen BMW-Leipzig-Cup 2024“ der Nachwuchs-Judoka gab es drei Medaillen für Wien. Siege in ihren Klassen holten Oskar Salvi (Vienna Samurai) und Yann Ornik (Sportunion Karuna Wien), Silber gab es für dessen Klubkollegen Ismail Colak. Betreut wurden die Wiener Talente von Karuna-Trainer Henrik Schwam. Für Österreich gab es insgesamt fünfmal Gold. Alle drei erfolgreichen…

  • Sensation durch Samurai

    Vienna Samurai ist völlig überraschend und zum ersten Mal österreichischer Mixed-Meister 2024! Die Wiener Judoka verloren in Feldkirchen (K) am Sonntag zwar das Duell mit UJZ Mühlviertel 2:4, schlugen danach aber ESV Sanjindo (4:2-Sieger über Mühlviertel) 5:1 – damit hatten alle drei Teams je einen Kampfsieg, aber die Wiener um einen mehr erzielten Punkt. Für…

  • Wien verlor Finale knapp

    Wiens Judoka holten beim Unter-17-Bundesländercup in St. Johann/Pongau Silber. Im Finale gegen Oberösterreich1 gab es eine denkbar knappe Niederlage – beim 6:6 entschied nur die bessere Unterbewertung (60:57) gegen das Mixed-Team aus der Bundeshauptstadt. Wien hatte in der Vorrunde gegen die Steiermark 8:3 und gegen Oberösterreich2 mit 7:5 gewonnen, im Semifinale gab es ebenfalls einen…