Nach 16 Monaten Verletzungspause kehrt Jacqueline Springer (Vienna Samurai) am Freitag zum Auftakt des Grand Slam-Turniers in Lausanne in die IJF-World Tour zurück. Die 26-jährige Wienerin, die 2025 am Bizeps operiert werden musste, ist eine von insgesamt zwölf ÖJV-Judoka, die die vorletzte Chance vor der WM in Baku (4.bis 11. Oktober) nutzen wollen. Nicht zuletzt deshalb weist dieser Grand Slam eine Rekordteilnehmerzahl auf: 516 Judoka aus 78 (!) Ländern. So viele wie nie zuvor …
Mit ihrem 7. Platz bis 48 Kilo beim Heim-Grand Prix im März 2025 in Linz hatte sich Springer für die WM im Juni 2025 in Budapest qualifiziert. Doch nach ihrem Ausscheiden bei der EM in Podgorica und anschließend im Achtelfinale des European Open in Benidorm musste sie auf die WM verzichten. Ihr eingerissener Bizeps machte Wettkampf-Judo unmöglich, Jacqueline begab sich unters Messer und musste dann in eine monatelange Rehabilitation. Zudem erlitt sie im Herbst des Vorjahres einen privaten Schicksalsschlag. Das Comeback verzögerte sich. Zuletzt versuchte sie sich bei den European Open in Sarajevo (5.) und Prag (7.) und letztes Wochenende bei der „EM der Uniformierten“ in Birmingham, wo sie Silber holte. Exakt 444 Tage nach Benidorm 2025 feiert sie am Freitag beim Grand Slam in Lausanne ihr Comeback auf der IJF-World Tour.
Um sich für die WM im Oktober in Baku zu qualifizieren, benötigt Springer entweder in Lausanne oder zwei Wochen später beim Grand Slam in Budapest (11. bis 13. September) eine Top-7-Platzierung. „Klar, das ist mein Ziel. Aber ich will in erster Linie mein bestes Judo zeigen“, sagt die 26-Jährige. Und wenn es mit einer Platzierung nicht klappen sollte? „Dann liegt die WM-Nominierung allein in Händen von Headcoach Yvonne Snir-Bönisch„, weiß Springers persönlicher Coach Martin Grafl. Der Stadlauer Trainer will aber seinem Schützling keinen Druck auferlegen. „Wir müssen Schritt für Schritt gehen. Das Endziel ist die Olympia-Qualifikation für Los Angeles 2028. Diesem Ziel wird alles andere untergeordnet.“ Grafl wäre gerne in Lausanne dabei, aber nach seiner Südamerika-Reise zur Kadetten-WM als Nachwuchs-Nationaltrainer „kann ich nicht meine Kollegen in der Bank schon wieder im Stich lassen.“
Neben Springer sind, aus Wiener Sicht, mit Laura Kallinger (Judoring Wien / bis 57 Kilo / Freitag) und Stephan Hegyi (SC Hakoah / über 100 Kilo / Sonntag) zwei weitere Wiener Judoka in der Westschweiz dabei. Angeführt wird das rot-weiß-rote Team von der Olympia-Fünften Lubjana Piovesana (LZ Hohenems / bis 63 Kilo / Samstag), hingegen lässt Michaela Polleres (JC Wimpassing), unsere zweifache Olympia-Medaillengewinnerin bis 70 Kilo, Lausanne aus. Samstag kämpfen Bernd Fasching und Magamed Borchashvilli (beide bis 81 kg / beide Judozentrum Galaxy/NÖ), am Sonntag die restlichen ÖJV-Athleten: Elena Dengg (bis 78 kg) und Maria Höllwart (über 78 Kilo) bzw. Thomas Scharfetter (bis 90 kg / alle Sanjindo Bischofshofen), Isso Naschcho (LZ Multikraft Wels / bis 90 kg) und Movli Borchashvilli (über 100 kg / Galaxy). Im erstmals ausgetragenen Adaptiv-Bewerb ist der Steirer Sven Füg (ASKÖ Rottenmann) dabei.
International ist dieses Turnier topbesetzt. Nicht weniger als 62 der insgesamt 516 gemeldeten Judoka sind im aktuellen IJF-Ranking unter den Top Ten in ihren Gewichtsklassen, 14 von ihnen sind in den Top 3 und fünf sogar Weltranglisten-Erste. Während Superstar Teddy Riner fehlt, schickt Frankreich einen anderen Star in die französische Schweiz: Clarisse Agbegnenou, die sechsfache Weltmeisterin, könnte bis 63 Kilo Gegnerin auch unserer „Lulu“ sein.
Foto: Jacqueline SPRINGER (weißer Judogi) will in Lausanne ihr „bestes Judo zeigen“ – @IJF / Emanuele di Feliciantonio
