|

Sorgen um Teddy

Im Dezember 2024, beim Champions League-Finale mit Paris St. Germain in Montpellier, bestritt er seinen letzten internationalen Wettkampf. Jetzt wollte Judo-Superstar Teddy Riner zurück auf die IJF-World Tour. Doch der 37-jährige Franzose musste schon für den Grand Prix in Lima und jetzt für den Grand Slam am Wochenende in Lausanne absagen. Seine alte Schulterverletzung ist wieder akut! Wann werden wir Teddy wieder sehen? Die Judo-Welt macht sich Sorgen um den Größten ihrer Zunft …

Das ist Teddy Riner – 2,05 Meter groß, 140 Kilo schwer, abseits der Matte immer mit einem Lächeln auf den Lippen, ein sympathischer Zeitgenosse. Die Erfolgsbilanz des in Guadeloupe geborenen Schwergewichtlers ist schier endlos. Mit 18 Jahren, 2007 in Rio de Janeiro, holte er seinen ersten WM-Titel. Zehn weitere sollten folgen. Eine ganze Dekade, von 2010 bis 2020, war er in 154 Kämpfen ungeschlagen. Dreimal im Einzel und zweimal im Mixed-Bewerb wurden ihm olympische Goldmedaillen um den Hals gelegt. Bei den Spielen 2024 in „seinem Wohnzimmer“ begeisterte er (nicht nur) die judonarrischen Franzosen samt ihrem Präsidenten Emmanuel Macron, der in Paris der erste Gratulant war. Riners Vermögen wird auf 10 Millionen Euro geschätzt. Er hätte es längst nicht mehr notwendig, aber Teddy will es noch einmal wissen, will noch einmal zu Olympischen Spielen. Dann mit 39 Jahren …

Aber für Olympia muss sich jeder Athlet erst qualifizieren. Und im aktuellen IJF-Ranking der Klasse über 100 Kilo scheint unter den 342 Judoka der Name Riner nicht einmal auf. Klar, er hat seit Olympia 2024 an keinem Bewerb auf der IJF World Tour teilgenommen. Das wollte er jetzt ändern, doch dann die im Training zugezogene Verletzung an der gleichen Schulter wie 2013. Damals wurde Riner operiert, diesmal muss er nicht unters Messer. „Aber ich muss die Schulter schonen. Ich will nicht etwas riskieren, was ich danach bereuen würde. Deshalb habe ich für Lausanne leider absagen müssen.“ Fraglich, ob der fünfmalige Olympiasieger schon zwei Wochen später schon den Grand Slam in Budapest kämpfen kann – und dann gibt es nur noch die WM in Baku (4. bis 11. Oktober). Noch ist Zeit, aber schön langsam kommt Riner unter Druck. Und wie er damit umgehen kann, wird sich noch weisen …

Übrigens sind in Lausanne auch insgesamt zwölf ÖJV-Athleten dabei, unter ihnen drei Wiener Judoka. Jacqueline Springer (Vienna Samurai), die am vergangenen Wochenende bei der „EM der Uniformierten“ in Birmingham Silber geholt hatte, gibt nach 16 Monaten ihr Comeback auf der IJF-World Tour, dazu sind Laura Kallinger (Judoring Wien / bis 57 Kilo) und Stephan Hegyi (SC Hakoah / über 100 Kilo) im Einsatz. Der Schwergewichtler wird also sicher nicht gegen Teddy antreten müssen, was ihn möglicherweise weniger stört als die doch harte Konkurrenz bei der Grand Slam-Premiere in der französischen Schweiz, bei der es übrigens auch erstmals auch einen Adaptiv-Para-Bewerb geben wird.

Österreichs Team in Lausanne: Frauen -48 kg: Jacqueline SPRINGER (Vienna Samurai/W), -57: Laura KALLINGER (Judoring/W), -63: Lubjana Piovesana (LZ Hohenems/V), -78: Elena Dengg, +78: Maria Höllwart (beide JC Sanjindo Bischofshofen/S); Männer -81: Magamed Borchashvilli, Bernd Fasching (beide Sportzentrum Galaxy Judo Tigers/NÖ), -90: Issa Naschcho (LZ Multikraft Wels/OÖ), Thomas Scharfetter (JC Sanjindo Bischofshofen/S), +100: Movli Borchashvilli (Sporzentrum Galaxy Judo Tigers/NÖ), Stephan HEGYI (S.C. Hakoa/W); Adaptive Judo, Klasse 1, +90: Sven Füg (Askö Rottenmann/ST).

Foto: Teddy RINER (blau) im Finale der Olympischen Spiele 2024 - @IJF Media Team

Ähnliche Beiträge

  • WM in Taschkent als Höhepunkt 2022

    Mit dem Grand Grand Prix Ende Jänner in Odivelas (POR) startet die IJF-World Tour schon bald ins Jahr 2022. Im Mai beginnt bereits die Olympia-Qualifikation für Paris 2024, die im Juni des Olympiajahres enden wird. Judo macht – trotz der COVID-Pandemie – zumindest auf internationaler Bühne keine Pause. Der absolute Höhepunkt für unsere Olympia-Medaillengewinner Michaela…

  • Michis fünfter Knopf ging endlich auf

    Die dritte Judo-Dame, die für Österreich in Tokio um eine Medaille kämpfen wird (am 28. Jul), ist Michaela Polleres. Die 23-jährige Niederösterreicherin vom JC Wimpassing wird die einzige ÖJV-Athletin sein, die im Nippon Budokan gesetzt sein wird (als Nummer 5 in der Klasse bis 70 Kilo). Und die als WM-Fünfte von 2019 und frischgebackene WM-Dritte…

  • Wir trauern um Gerhard Bucina

    In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser langjähriger Sportkamerad, Funktionär, Trainer, Kampfrichter und Freund Gerhard Bucina am 28. Jänner 2019 unerwartet von uns gegangen ist. Die Nachricht über seinen Tod kam am frühen Abend und machte uns sehr betroffen. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie und seinen Angehörigen. Gerhard Bucina zählt zum Urgestein des österreichischen…

  • Sayonara – Teil 1

    In 10 Tagen beginnt die Judo-WM 2019 im Nippon Budokan zu Tokio – unter den 13 ÖJV-Athleten sind auch vier Wiener Judoka. Ab heute werden wir in unserer Serie „Sayonara“ täglich bis zum Ende der WM über News, Erinnerungen, Nebensächlichkeiten und auch – in separaten Artikeln – über die aktuellen Ereignisse auf der Matte berichten….

  • World Judo Day in Gedenken an Kano

    Der 28. Oktober ist für alle Judoka ein besonderes Datum – heute ist nämlich Weltjudotag. Der „World Judo Day“ wurde vom Weltverband IJF im Gedenken an den Begründer des modernen Judosports, Jigoro Kano, ausgerufen. Der Japaner soll heute vor 160 Jahren auf die Welt gekommen sein. Es gibt aber auch historische Aufzeichnungen, denen zufolge er…