Der Fasching hat auch im Juni Saison – zumindest im Judo. Denn Bernd Fasching (Judozentrum Galaxy) holte beim Grand Prix in Qingdao (CHN) in der Klasse bis 81 Kilo Silber! Der Schlüssel für seinen dritten Finalkampf auf der World Tour war der Semifinal-Erfolg über Paris-Olympiasieger Hidayat Heydarov (AZE). Gegen dessen Landsmann Zelim Tckaev, WM-Dritter und Fünfter der Weltrangliste, war Bernd letztlich chancenlos und verlor mit Ippon. Ausgeschieden sind unsere Top-Ladies Lubjana Piovesana (bis 63 kg) und Michaela Polleres (bis 70 kg).
Es war ein ereignisreicher Tag für den 22-jährigen WM-Siebenten von 2024. Zunächst bezwang Fasching den Mongolen Shinebayar Oyunchimeg mit 2:1 Yuko, wowei beide ein Waza-ari auf der Tafel stehen hatten. Denn schickte er den Türken Erman Gurgen mit zwei Waza-ari vorzeitig von der Matte. Im Viertelfinale gegen Eetu Ihanamaki (FIN) entschied ein Waza-ari, mit dem Fasching ins Semifinale gegen Heydarov stürmte.
Der Olympiasieger aus Aserbaidschan ist auch Welt- und vierfacher Europameister und übrigens der einzige kontinentale Champion, der in allen Altersklassen – von der Unter 18 bis zur Allgemeinen Klasse – Gold geholt hat (allerdings bis 73 Kilo). Und Fasching bot gegen Heydarov einen vor allem taktisch sensationellen Kampf, ging für einen Ko-uchi-Ansatz mit Yuko in Führung, steckte den Ausgleich weg, machte das zweite Yuko und am Ende noch ein drittes. Somit erreichte Bernd sein drittes Finale nach jeweils zweiten Plätzen in Zagreb 2026 (Grand Prix) und Dushanbe 2026 (Grand Slam).
Leider reichte es im Finale nicht zum ersten Turniersieg eines Österreichers seit Shamil Borchashvili 2023 in Linz – Tckaev kontrollierte den Kampf, war in allen Belangen stärker, machte etwa zur Halbzeit mit Uchi Mata ein Waza-ari und warf den Österreicher 12 Sekunden vor dem Ende entscheidend. Dennoch schrieb Fasching in der Olympia-Qualifikation erstmals an. „Bernd hatte gegen Tckaev wie schon im Finale in Dushanbe Anfang Mai Krämpfe, konnte nicht mehr so agieren wie in den Runden zuvor. Das werden wir uns in Ruhe anschauen – aber es war ein toller Tag für ihn, mit elf spektakulären Wertungen, viel Höhen, aber auch ein paar Tiefen“, meinte Headcoach Yvonne Snir-Bönisch. Zusatz: „Sein erster Sieg ist jedenfalls nur mehr eine Frage der Zeit.“
„Lulu“ Piovesana (LZ Hohenems) gewann bis 63 Kilo zwar ihren ersten Kampf gegen Shangyu Qiu (CHN) mit Ippon, unterlag dann aber der Weißrussin Yana Makretskaya mit Yuko. Das gleiche Schicksal ereilte Österreichs Olympia-Heldin Polleres, die nach einem Ippon-Sieg über Ingrid Nilsson (SWE) im Achtelfinale Nino Gulbani (GEO) mit Yuko unterlag, wobei beide Judoka je ein Waza-ari erreicht hatten. Am Sonntag sind mit den Salzburgern Elena Dengg (bis 78 Kilo) und Thomas Scharfetter (bis 90 Kilo) sowie dem Wiener Stephan Hegyi (SC Hakoah / über 100 Kilo) drei weitere rot-weiß-rote Judoka im Einsatz.
Nach zwei Tagen des Grand Prix in China führt Japan (5/0/1) mit zwei weiteren Goldenen am Samstag vor Aserbaidschan (1/0/2) und China (1/0/1). Dahinter folgen Kroatien und Turkmenistan mit je einmal Gold. Österreich liegt unter den 57 Nationen (500 Judoka) dank Fasching auf dem geteilten 9. Platz.
Alle Ergebnisse von Qingdao findet ihr hier.
Magda-Aus und Höllwart-Sieg
Beim European Open in Prag trat Magdalena Krssakova (JC Sirvan) zu ihrem letzten internationalen Turnier an und durfte zweimal auf die Matte. Die Wienerin, die vor sechs Jahren mit EM-Silber in Prag ihren größten Erfolg feiern durfte, siegte in der Klasse bis 70 Kilo zunächst gegen Shaked Amihai (ISR) mit Ippon, verlor aber im Achtelfinale gegen die Deutsche Tayla Gruber knapp mit Yuko. Maria Höllwart (Sanjindo Bischofshofen) gewann mit drei Siegen die Klasse über 78 Kilo. Am Sonntag gibt Jacqueline Springer (Vienna Samurai / bis 48 Kilo) nach einjähriger Verletzungspause ihr Comeback, mit Laura Kallinger (Judoring Wien / bis 57 Kilo) steigt eine weitere Wienerin auf die Matte. Deutschland (2/2/1) war am ersten Tag die erfolgreichste der 38 Nationen (412 Judoka), gefolgt von fünf Ländern (AZE, KAZ, POR, ITA, AUT) mit je einmal Gold.
Foto: Der entscheidende Wurf: So verlor Bernd FASCHING das Finale in Qingdao - @IJF / Emanuele di Feliciantonio
