Lissabon bleibt ein „goldener Boden“

Gleich am ersten Tag der Veteranen-WM in Lissabon gab es für Österreich einen vollen Medaillensatz – Gold, Silber und Bronze! Dort, wo 2008 Ludwig Paischer und Sabrina Filzmoser bei der EM innerhalb von nur einer Stunde für ein Gold-Double sorgten, krönte sich am Donnerstag der Niederösterreicher Karl „Charly“ Moser zum Veteranen-Weltmeister in seiner Alters- und Gewichtsklasse (bis 90 Kilo). Silber ging an den Tiroler Reinhold Kurz, Bronze an Karl Hufnagel. Lissabon bleibt also für Österreichs Judoka ein „goldenen Boden“ …

Schon vor gut zwanzig Jahren hatte es eine Art Veteranen-WM gegeben. Damals von Kanada aus und privat aufgezogen, holten sich die legendären Wiener Judoka Bondi Setzger und Leopold „Mini“ Korner mehrmals Gold, auch Adi Zeltner, der jetzige Trainer unserer Olympia-Zweiten Michaela Polleres, wurde Weltmeister. 2004 gastierte der Tross sogar in Wien und hielt die WM im Budo-Center ab. Doch die Zeiten haben sich gewaltig geändert. Konnte damals praktisch noch jeder Dan-Träger, der halbwegs gehen konnte und das Startgeld zahlte, mitmachen, geht heute alles streng nach Regeln der IJF. Was für Lissabon heißt: COVID-Bubble, blau-weiße Judogi, internationale Kampfrichter, Übertragung im Live-Stream. Was gleich blieb, sind die Protagonisten solch einer WM. Ergraute, weißhaarige Männer (in Lissabon 363 aus 43 Ländern, aber insgesamt nur 16 Frauen), die Spaß am Judo generell und am Wettkampf haben, zumeist aber eher unbekannt sind. Weltstars meiden diese Veteranen-Events – sie könnten sich gegen einen Nobody ja vielleicht blamieren.

Alles andere als blamiert hat sich der Erlauftaler „Charly“ Moser – bekannt auch als Musiker (Gitarrist und Sänger), trat und tritt auch in Corona-Zeiten auf, ist in der Szene bekannt und begehrt. Und hat sich akribisch auf diese WM vorbereitet. Mit unzähligen Bergläufen, Ausdauertrainings, in der Kraftkammer – der einstige 66er kämpft jetzt zwar in der Klasse bis 90 Kilo, aber der 55-Jährge ist nach wie vor muskelgestählt. Trainiert im Judozentrum Krems und sprüht vor Ehrgeiz. In Lissabon erntete „Charly“ den Lohn für seinen Aufwand – ein gelungener Uchi Mata gegen den Kroaten Simo Vlajic machte ihn zum Weltmeister der Veteranen und verhalf Österreich zum ersten WM-Gold . Übrigens ein offizieller IJF-Titel. Wir gratulieren herzlich!

Alle Ergebnisse aus Lissabon findet ihr hier.

Foto oben: "Charly" MOSER (blauer Judogi) im Finalkampf gegen den Kroaten Simo VLAJIC. - Foto unten: Das Podest mit Sieger Moser (2.v.li.). - @IJF Media (2)

Ähnliche Beiträge

  • Oje, Abe! Kein Double

    Oje, Abe! Bei der Judo-WM 2025 in Budapest gab es kein viertes Gold-Double für die Geschwister Uta und Hifumi Abe. Während Uta in der Frauen-Klasse bis 52 Kilo problemlos und durchwegs mit Ippon zu ihrem fünften WM-Titel stürmte, musste sich Bruder Hifumi im Viertelfinale der 66-Kilo-Klasse dem Tadschiken Obid Dzehbov mit Ippon geschlagen geben. Als…

  • Teddy! Da war der Bär los

    Die „Accor Arena“ in Paris-Bercy bis auf den letzten Platz gefüllt, die 15.000 wollten nur einen sehen: Teddy Riner (@IJF), den Superstar der Franzosen, der es im Juli bei den Olympischen Spielen noch einmal wissen will. Und immer, wenn der 2,04 Meter große Publikumsliebling auf die Matte stieg, war in der Halle der Bär los….

  • Zwei Titel für Wien

    In der oststeirischen Stadt Weiz fand am Samstag (01.10.) die diesjährige Staatsmeisterschaft in Judo statt. Insgesamt fighteten 128 Frauen und Männer aus 37 Vereinen um die begehrten Titel. Zwei davon gingen nach Wien. Die beiden Goldmedaillen holten sich Bernd Fasching (-81 kg) und Movli Borchashvilli (+100 kg), beide von Galaxy Judo Tigers. Fasching qualifizierte sich…

  • Der nächste „Sister Act“

    Im Judo gilt: Wer „A“ sagt, muss auch „B“ sagen und ein „E“ dranhängen – ABE … Hifumi und Uta, das japanische Geschwisterpaar, das Geschichte schrieb und ständig neu schreibt. Auch am zweiten Tag des letzten Grand Slam-Turniers des Jahres in ihrer Heimat Tokio. Dort sorgten die beiden für den nächsten „Sister Act“ und Japans…

  • Jawollll! Bronze!

    Der Bann für Österreichs Olympiateam in Paris ist gebrochen! Und sie hat ihre zweite Olympia-Medaille! Michaela Polleres holte am Mittwoch Nachmittag in der Champ-de-Mars-Arena nach Silber vor drei Jahren in Tokio Bronze bis 70 Kilo – mit einem Ippon-Sieg über die Spanierin Ai Tsunoda Roustand. Die Grundlage für die Medaille der 27-jährigen Niederösterreicherin vom JC…

  • Im neuen „Gwandl“ nach Oberwart

    Kleider machen Leute, sagt man. Auch im Judo. Und so werden sich Österreichs Judoka Samstag und Sonntag beim European Open in Oberwart, zumindest abseits der Matte, in einem neuen Outfit präsentieren. Die Sportartikelfirma „erima“ ist neuer Ausrüster für „Judo Austria“, für die Judogis ist weiter „IpponGear“ Ausstatter. Insgesamt 28 ÖJV-Judoka kämpfen am Wochenende in Oberwart,…