Menschen im Judo

Mathias Czizsek

Sehr erfreulich sind die Leistungen junger Wiener Judoka in den letzten Wochen und Monaten. Über Stephan Hegyi, der mit 17 Jahren in Wien erstmals Staatsmeister der Allgemeinen Klasse über 100 Kilo wurde, haben wir schon in dieser Serie berichtet – heute stellen wir den zweiten Youngster vor.

Er ist erst 16 Jahre alt (geboren am 28. Juli 1999), kämpft für die Volksbank Galaxy Tigers, war 2015 Zweiter der Unter-18-EM in Sofia, ist jetzt sogar Führender der IJF-Weltrangliste der Kadetten bis 66 Kilo, und wurde vorige Woche erstmals Dritter bei der Staatsmeisterschaft der Allgemeinen Klasse. Wir sprachen mit Mathias.

Mathias, danke dafür, dass du dir für unser Gespräch Zeit genommen hast. Jetzt bist du erstmals Dritter der Staatsmeisterschaft bei den „Großen“ – zufrieden?

Czizsek: Nicht ganz. Ich hab im Kampf um den Einzug ins Finale gegen Florian Doppelhammer blöd verloren, bin bei einem Angriff von ihm nicht mehr weggekommen und Yuko gefallen. Ich hab dann alles versucht, es ging sich aber nicht mehr aus. Ich wäre schon gern ins Finale gekommen …

Du bist ja erst 16 – diese Einstellung spricht aber für deinen Ehrgeiz. Was sind denn deine Stärken im Judo?

Das Bewegungstalent. Ich hab einfach das G´spür für den richtigen Moment. Ich bin Rechtskämpfer. Der Uchi Mata ist einer meiner Spezialwürfe, aber ich bin technisch sehr variabel und vielseitig.

Und deine Schwächen?

Ja, die hab ich auch – im Bodenkampf. Ich muss mich im Newaza-Bereich noch um einiges verbessern. Hebel gehen aber schon recht gut.

Was ist dein gößtes sportliches Ziel?

Mein großer Traum ist der Olympiasieg.

Na, das ist aber ein Ziel! Und dafür trainierst du auch sehr viel. Wie sieht so ein „normaler“ Judotag bei dir aus?

Früh aufstehen, mein Vater bringt mich dann zum BSZ Südstadt, 7.30 Uhr erstes Training, meist Kraft oder Laufen. Danach Frühstück, dann Schule. Die dauert im Regelfall bis 14.30 Uhr, in einer Pause gibt´s Mittagessen, und dann geht´s direkt zum Judotraining, so etwa bis 16 Uhr, wo viel Technik und Taktik trainiert wird. Und dann noch im Verein von 18 bis 20 Uhr, hauptsächlich Randori-Training. Dann heim, Abendessen, ein bissl lernen und ab ins Bett.

Da bleibt aber nicht viel für anderes übrig.

Ja, aber wenn man ein sportliches Ziel erreichen will, geht es nicht anders. Dann musst du 100 Prozent und mehr dafür tun.

Wie hat sich das eigentlich bei dir entwickelt – erzähl mal von deinen Anfängen.

Vor zehn Jahren, so mit 6, hab ich Judo begonnen. Da war eine Aktion und ich bin hingegangen. Ich hab ja auch gern Fußball gespielt, aber ich bin dann schon mit 7 in die Gruppe von Niki Kremer und mit 8 zu Thomas Haasmann gekommen. Dann hat mein Vater gesagt, ich müsse mich entscheiden – und besser wäre für mich Judo. Dann bin ich diesem Sport treu geblieben.

Weil sich schnell erste Erfolge einstellten?

Durch mein Bewegungstalent hab ich recht schnell die ersten Medaillen gemacht. Ich glaub, die erste war Bronze bei einer Schülermeisterschaft. Und das ist dann immer mehr geworden – bis jetzt, da kann ich schon recht zufrieden sein. Vize-Europameister U 18 in Sofia 2015; Siebenter bei den Europa-Jugendspielen EYOF, bei denen ich aber krank angetreten bin; zuletzt Fünfter beim Europacup der Allgemeinen Klasse in Bratislava, bei allen Meisterschaften U18, U21 und U23 und jetzt auch in der Allgemeinen Klasse auf dem Stockerl …

Das heißt aber auch: Du bist bisher von Verletzungen verschont geblieben.

Ja, Gott sei Dank – dabei bin ich eigentlich eh recht anfällig, vor allem was Stauchungen angeht.

Mathias, wir wünschen Dir auf deinem weiteren – hoffentlich verletzungsfreien – Weg Alles Gute und hoffen, dass dein großes Ziel einmal in Erfüllung geht.

Danke, und einen Gruß an alle Wiener Judoka!

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