Geschwister-Bund

Dass Geschwister im heimischen Judo für Erfolge sorgen, ist nichts Neues. Die „ein l“-Borchashvilis aus Wels und die „zwei ll“-Borchashvillis aus Wien, jeweils zu dritt, sind ein Beweis. Nun stürmt ein neuer Geschwister-Bund die Podeste – nämlich die Samardzhidi`s. Die drei vom Judoklub „Ratiborets“ sind noch sehr jung, haben aber am Wochenende in Linz bei Österreichs Meisterschaften der Unter-18 und Unter-23-Jährigen zweimal Gold und zweimal Silber geholt. Ein Versprechen für die Zukunft!

Kimran, Wachid und Shamil Borchashvili haben für Multikraft Wels und Österreich für schöne Erfolge gesorgt – vor allem Shamil mit Bronzemedaillen bei Olympia, WM und EM. Die Wiener Adam, Magamed und Movli Borchashvilli von den Galaxy Tigers haben noch die Chance, sich international zu entwickeln. Und jetzt kommen die Zwillingsschwestern Maria und Anna (beide 14) sowie Bruder Sergey Samardzhidi (16) dazu. Sergey wurde zum zweiten Mal österreichischer U18-Meister und Zweiter bei der U23, Maria und Anna holten Gold und Silber bei den Unter-18-Jährigen. Das erfolgreichste Wochenende ever für Ratiborets Wien …

Die drei Geschwister sind griechische Staatsbürger, weil der Vater Grieche und die Mutter Russin ist. Mit einer IJF-Genehmigung dürfen sie aber für Österreich antreten und wollen möglichst bald die rot-weiß-rote Staatsbürgerschaft. „Ich habe zwei Träume“, sagt Sergey, „der eine ist, bei den Europa- und Weltmeisterschaften der Kadetten Medaillen für Österreich zu holen; der andere ist, möglichst bald die österreichische Staatsbürgerschaft zu bekommen.“ Die drei, die vor Jahren mit ihren Eltern nach Österreich zogen, früher Akrobatik (Sergey) und Gymnastik (Maria und Anna) gemacht und erst im Judo ihre sportliche Liebe entdeckt haben, leben in Oberwaltersdorf, gehen in die Liese-Prokop-Schule in der Südstadt und trainieren dort auch zweimal täglich Judo und Kraft. Nur am Freitag sind sie bei ihrem (kleinen) Wiener Verein Ratiborets (Rati = für, borets = Kämpfen für etwas Gutes) in der Schlachthausgasse, wo der russische Trainer Viktor Pawlow ihr Entdecker war.

Sergey hat kein leichtes Jahr hinter sich. Nach seinem vorjährigen (ersten) Unter-18-Titel, den er mit einem kaputten Ellbogen geholt hatte, musste er insgesamt vier Operationen über sich ergehen lassen. „Ein halbes Jahr Pause, damit habe ich die EM, WM und die EYOF-Spiele verpasst“, trauert er diesen Chancen nach. Erst im September begann er wieder mit dem Training, im November sein erstes Turnier, seit Dezember wieder voll dabei „und endlich mit dem Gefühl der Befreiung und Ruhe, nicht wieder an die Schmerzen denken zu müssen.“ Und er freut sich, wenn er seine Gegner reihenweise besiegt. „Ich bin am Boden stark und liebe Seoi Nage und Sode“, sagt der 16-Jährige Leichtgewichtler, der sich später einmal als 66er (oder 73er) sieht. Seine Schwestern, übrigens zweieiige Zwillinge und daher gut voneinander zu unterscheiden, schwören auf Seoi und Kata Guruma. Im Finale bei der U-18-Meisterschaft gewann Maria gegen Anna mit Ippon. „Aber es ist einmal so und einmal so“, lachen beide.

Jetzt wollen die Samardzhidis (oder, wie es auf ihren Judogis in griechischer Sprache steht, Samarthidis) auch international anschreiben. Sergey forciert natürlich die Unter-18-Turniere, könnte aber auch schon bei der Unter 21 starten. Das hängt wohl von den Entscheidungen seiner Trainer ab. Axel Eggenfellner, der schon aus Stephan Hegyi einen EM-Medaillengewinner geformt hat, betreut die Talente gemeinsam mit ÖJV-Stützpunkttrainer Josef Krnac – der Slowake war 2004 in Athen Olympia-Zweiter. An solche Erfolge denken die Samardzhidi´s, die übrigens später einmal Juristen werden wollen, noch nicht – aber davon träumen wird man ja noch dürfen …

Foto: Die drei Samardzhidi-Geschwister Maria und Anna mit Bruder Sergey - @JLVW/zVg

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