Springer auf Rang sieben

Am ersten Tag des Upper Austria Grand Prix in Linz gab es zwei siebente Plätze für Österreich durch Verena Hiden (SU Noricum Leibnitz / bis 57 Kilo) und Jacqueline Springer (Vienna Samurai / bis 48 Kilo). Die Wienerin musste sich nach zwei Vorrunden-Siegen im Viertelfinale der zweifachen WM-Dritten und späteren Siegerin Abiba Abuzhakynova (KAZ) durch Hansokumake (Disqualifikation) geschlagen geben und verlor in der Trostrunde gegen die Deutsche Sarah Ischt mit Waza-ari – damit Rang sieben unter 21 Judoka. Österreich hatte beim Heim-GP leider kein Losglück, vor allem in den schweren Gewichtsklassen. Die Wiener Movli Borchashvilli und Stephan Hegyi (beide über 100 Kilo) müssen am Sonntag gegen wohl übermächtige Gegner antreten. Ein schweres Los für unsere Schweren!

So bekommt es Borchashvilli mit dem Usbeken Muzaffarbek Turoboyev zu tun, seines Zeichens Olympia-Dritter von Paris, Weltmeister 2022 und regierender Europameister. Ein Sieg des Wieners von den Allianz Kukla Galaxy Tigers wäre schlichtweg eine Sensation. Nicht besser hat es Hegyi erwischt. Selbst wenn er den Ukrainer Iakav Khammo (zweifacher WM-Dritter) besiegen sollte, was ihm in fünf bisherigen Duellen nie gelang (zuletzt verlor Stephan das Finale der European Open in Warschau) – in der nächsten Runde würde auf den Judoka des SC Hakoah niemand Geringerer als Doppel-Olympiasieger Lukas Krpalek (CZE) warten, der seine beiden bisherigen Linz-Auftritte ebenso siegreich gestaltete wie 2019 im ehrwürdigen Budokan zu Tokio die Weltmeisterschaft. Damals holte der mittlerweile 34-jährige Tscheche mit einem Finalsieg über den Japaner Hisayoshi Harasawa seinen zweiten WM-Titel.

„Ein Heimvorteil sieht anders aus“, kommentierte ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch die freitägige Auslosung. „Ich hätte mir mehr Losglück erhofft. Machbare Gegner haben eigentlich nur die gesetzten Athleten Elena Dengg (bis 70 kg), Maria Höllwart (über 78 kg) und Thomas Scharfetter (bis 90 kg).“ Die drei, übrigens alle vom ESV Sanjindo Bischofshofen, sind – wie Hegyi und Movli Borchashvilli, am Sonntag an der Reihe. Schon am Samstag kämpft mit dem WM-Siebenten des Vorjahres, Bernd Fasching (Galaxy), bis 81 Kilo ein anderer Wiener um eine Medaille. Der „Mister Bundesliga 2023“ hat ein Freilos und muss auf seinen Gegner noch warten. In der nächsten Runde würde Vedul Albayrak warten – auch kein Kind von schlechten Eltern! Der 31-jährige Türke war zweimal Europameister (2021 und 2023) und einmal WM-Dritter (2018).

Am ersten Turniertag besiegte Springer zunächst die Britin Summer Shaw mit Ippon für Osaekomi (Festhalter) und dann die Belgierin Lois Petit mit Yuko. Gegen die routinierte Kasachin fand die Jus-Studentin nicht den nötigen Griff und konnte auch ihre Stärke, den Bodenkampf, nicht ausnutzen. So musste sie 22 Sekunden vor Schluss das dritte Shido und damit die „rote Karte“ hinnehmen. In der Trostrunde wurde sie dann von Ischt, der ein schnelles Waza-ari gelang, gestoppt. „Gegen die Kasachin ist es nicht leicht, aber gegen Sarah hätte ich gewinnen müssen“, war „Jacky“ nachher selbstkritisch. Heimtrainer Martin Grafl weiß aber: „Step by step – jetzt geht es nach Tiflis, dann zur EM und WM – und dann schauen wir, wie es in der Olympia-Qualifikation weitergeht.“ Immerhin: bei ihrem zweiten Turnier auf der IJF-World Tour nach Zagreb 2024 (Fünfte) holte die Samurai-Judoka die zweite Platzierung. „In der Früh hätte ich zwei siebente Plätze mit Handkuss genommen, jetzt sage ich: schade, da war mehr drin“, meinte Snir-Bönisch nach dem ersten Wettkampftag.

Die Überraschung am Freitag war das frühe Ausscheiden der italienischen Vize-Weltmeisterin Assunta Scutto, die in Runde zwei der erst 19-jährigen Sachiyo Yoshino (JPN / Vize-Weltmeisterin der Juniorinnen) unterlag. Auch Spaniens 60-Kilo-Olympiasieger Francisco Garrigos blieb als Siebenter ohne Medaille. Und die Final-Niederlage der kosovarischen 52-Kilo-Olympiasiegerin von Tokio, Distria Krasniqi, noch dazu gegen eine 19-Jährige, kam ebenso unerwartet.

Der Finalblock im Detail

Frauen, bis 48 Kilo: Routine (Springer-Bezwingerin Abuzhakynova) setzte sich im Finale gegen Talent (Yoshino) mit Waza-ari gegen Yuko durch – Bronze ging an Laziza Haydarova (UZB) und Maria Celia Laborde (USA).

Frauen, bis 52 Kilo: Hier war es umgekehrt: Die Junioren-Weltmeisterin Iroha Oi (JPN) schlug Olympiasiegerin Krasniqi mit einem sehenswerten Uchi Mata nach nur 43 Sekunden – Bronze für Ariane Toro Soler (ESP) und Mascha Ballhaus (GER).

Frauen, bis 57 Kilo: Favoritin Seija Ballhaus (GER) holte durch einen Ippon-Sieg (Shime waza nach nur 44 Sekunden) Gold vor der Slowenin Nika Tomc, die aber auch feiern durfte – ihren Geburtstag nämlich! Bronze gab´s für Shannon Van de Meeberg (NED) und Mariana Esteves (GUI).

Männer, bis 60 Kilo: Das rein japanische Finale entschied Yamato Fukuda gegen Yusei Adachi mit Hansokumake (drittes Shido) – Bronze holten Michel Augusto (BRA) und Luis Barroso Lopez (ESP).

Männer, bis 66 Kilo: Kein weiterer japanischer Sieg, denn Ronald Lima (BRA, 20 Jahre) bezwang Shuntaro Fukuchi (erst 18) mit Waza-ari für Osaekomi – Aufs Bronze-Podest schafften es Kairi Kentoku (JPN) und Guy Gutman (ISR).

Japan (2/3/1) führt nach dem ersten Tag den Medaillenspiegel vor Deutschland und Brasilien (je 1/0/1) sowie Kasachstan mit einmal Gold an. In der Nationenwertung, für die auch fünfte und siebente Plätze gewertet werden, scheint Österreich unter den 52 Länder auf dem 16. Platz auf.

Schon Tradition hat auf www.judotv.com (wo man den ganzen Tag die Kämpfe verfolgen kann) nach dem Finalblock der Interview-Teil „Golden Score“, wo Kommentator Sheldon Franco-Rooks mit einem „alten Bekannten“ auftritt: Neil Adams, Weltmeister 1981, zweimal Olympia-Zweiter und fünfmal Europameister, ist als Teil des sehr gelungenen IJF-Medienkonzepts beim Grand Prix in Linz. Schön wäre es, wenn bis Sonntag auch ein rot-weiß-roter Judoka Rede und Antwort stehen könnte …

Alle Ergebnisse aus Linz findet ihr hier. – Am Samstag geht es schon um 9.30 Uhr los (Frauen bis 63 und 70 kg (Leonie Bayr / Vienna Samurai), Männer bis 73 (mit dem für Klosterneuburg startenden Wiener Phillip Aust) und 81 Kilo – mit Fasching und dessen Galaxy-Kollegen Magamed Borchashvilli). Der Finalblock beginnt wieder um 17 Uhr (diesmal auch in voller Länge in ORF Sport+, übrigens mit Magda Krssakova als Co-Kommentatorin).

Foto: Jacqeline SPRINGER blieb in ihrem ersten Kampf gegen die Britin Summer SHAW obenauf, am Ende wurde es Rang sieben - @Judo Austria / Oliver Sellner

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