Jetzt Angriff auf den Rekord!

Der zehnte Meistertitel ist geschafft, jetzt folgt der Angriff auf den Rekord – Bundesliga-Champion M&R Galaxy Judotigers würde bei einem weiteren Titel mit UJZ Mühlviertel gleichziehen und könnte sich dann auch Rekordmeister nennen. Die Freude nach dem 8:6 im Finale gegen die Mühlviertler war groß und ausgelassen, die Feier emotional. „Ich bin nicht müde, mit dieser Traumtruppe noch weitere Titel zu holen“, gibt sich Cheftrainer Thomas Haasmann kämpferisch. Der auch seinen Anteil am Erfolg hat – nicht nur als Coach, sondern auch und vor allem als Motivator und gefinkelter Taktiker …

Dass Haasmann nach dem 12:2 im Semifinale gegen PSV Salzburg, bei dem er nur Olympiasieger Lukas Krpalek als Legionär eingesetzt hatte, im Titelduell mit den Mühlviertlern auf den 33-jährigen Tschechen verzichtete und auf seine beiden anderen Gastkämpfer Tornike Tsjkadoea (60 kg) und Karamat Huseynov (66) setzte, war zugleich ein Vertrauensbeweis für den jungen Schwergewichtler Movli Borchashvilli. Der dem langjährigen ÖJV-Nationalteam-Judoka Daniel Allerstorfer den Abschied vom Leistungssport versaute. Haasmann weiß: „Movli hat ja schon vor drei Jahren, bei seinem ersten Staatsmeistertitel, Allerstorfer geschlagen. Ich war sicher, dass ihm das auch im Finale gelingen würde.“ Alle Jahre wieder – Taktik-Fuchs „Haasi“. „In 13 Jahren habe ich mich nur ein einziges Mal geirrt“, gibt er zu. Und blickt stolz auf diesen Zeitraum zurück. „Was sich da in unserem Verein entwickelt hat, ist enorm!“ Von Müdigkeit keine Spur beim 62-Jährigen, der das letzte Dreivierteljahr auch Präsident des Landesverbandes war. „Ich will nur nicht mehr Funktionär sein. Aber als Trainer macht es mir viel Spaß, und deshalb will ich noch mehr für die und aus den M&R Galaxy Judotigers herausholen.“ Der einzige Grund, der ihn am Samstag etwas traurig stimmte, war Mathias Czizsek, der alle seine Kämpfe (bis 73 Kilo) verlor. „Im Semifinale gegen Phillip Aust war er ganz schlecht, das habe ich ihm auch so gesagt. Aber im Finale gegen Samuel Gassner hat er sehr gut gekämpft. Leider hat er sich im zweiten Durchgang einen Bänderriss im Ellbogengelenk zugezogen, jetzt muss er wieder zwei, drei Monate pausieren.“

Das beste Beispiel der Tigers-Entwicklung, ja fast über eine Generation, sind die „Mister Bundesliga“, die alljährlich ausgezeichnet werden. Schon sechs Tigers haben sich diesen Titel geholt. Sohn Nick Haasmann, Manuel Reichmann, Julian Reichstein, Marcel Ott, Gabor Geier und heuer Bernd Fasching – der 20-Jährige brachte es in zwölf Kämpfen auf ebenso viele Siege. „Bernd ist eine Bank für uns, aber er hat noch viel Potenzial nach oben. Etwa im taktischen Bereich – körperlich ist er aber top“, urteilt Haasmann über den Fünften der Unter-23-EM (bis 81 kg). Der Galaxy-Chef setzt auf „seine Buam“ – Fasching eben, Movli, Magamed Borchashvilli und David Peritsch. Und mit dem Leichtgewichtler Niclas Schalk rückt ein erst 17-Jähriger mehr und mehr in den Blickpunkt. „Wir haben so viele Talente, da werden noch einige in den nächsten Jahren von sich reden machen“, prophezeit Haasmann. Der übrigens – irgendwie kurios – noch NIE „Trainer des Jahres“ wurde. Vielleicht 2024, nach zehn Titeln und bei einer neuerlichen Qualifikation fürs Final Four. „Dieser Event ist übrigens toll organisiert, ist DAS nationale Highlight des Jahres. Die Halle in Gmunden ist top, die Stimmung und das ganze Rundherum auch.“

Und die Stimmung bei den Judotigers war – verständlicherweise – auch ausgelassen. Die „Nacht danach“ war für den Mann, der sich auch den Titel „Mädchen für alles des Jahres“ verdienen würde, nur kurz. „Wir sind um 2 Uhr Früh heimgekommen, und schon um 5 Uhr habe ich meine Legionäre zum Flughafen gebracht“, erzählt „Haasi“, der mit seinen Jungs jetzt eine Woche zum Höhentraining ins Kühtai fährt. Als nationaler Meister könnte Galaxy auch an der EJU-Champions League teilnehmen, die am 9. Dezember in Belgrad stattfinden wird. „Wir haben dafür aber kein Budget, man müsste rund 15.000 Euro investieren“, sagt Haasmann. „Wir haben einmal in einer Dreiergruppe gegen Paris St. Germain 3:2 gewonnen und verloren gegen den russischen Meister 2:3, am Ende hatten alle die gleichen Punkte, wir sind nur wegen der Unterbewertung rausgeflogen. Und für eine Kurznotiz in der Zeitung können wir diese hohen Kosten nicht riskieren. Das steht in keiner Relation“, sagt der Olympiastarter von Los Angeles 1984.

Und so wird es 2024 wieder darum gehen, den Grunddurchgang zu gewinnen und dann im Final Four den elften Titel zu holen. So viele hat UJZ Mühlviertel schon. Und dann bekäme „M&R“ eine neue Bedeutung – nämlich „M-eister“ und „R-ekordchampion“ …

Foto: So ausgelassen feierten die M&R Galaxy Judotigers in Gmunden ihren zehnten Bundesliga-Titel - @zVg von M&R Galaxy

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