Hegyi: „Ich gebe nicht auf!“

Wenn nächste Woche 15 ÖJV-Judoka bei der EM in Montpellier (FRA) um wichtige Punkte für die Olympia-Qualifikation kämpfen werden, muss einer zuschauen, der im Sommer 2024 in Paris sehr gerne dabei gewesen wäre – Stephan Hegyi. Der Schwergewichtler aus Wien (SC Hakoah) muss nach seiner dritten schweren Verletzung, die er sich im August zugezogen hatte, ein Jahr pausieren. „Aber ich gebe nicht auf, will es dann 2028 noch einmal bei Olympia probieren“, gibt sich der 25-Jährige kämpferisch. Dann wird wohl Frankreichs Superstar Teddy Riner nicht mehr dabei sein – dem Hegyi übrigens in seiner Heimat wieder olympisches Gold zutraut: „Ich glaube, er ist noch fit genug, um sich in Paris seinen Traum verwirklichen zu können.“

Die ersten Jahre in der Judo-Karriere von Stephan waren eine Erfolgsgeschichte. Als gerade 17-Jähriger durfte er sich in Tiflis über Gold bei den EYOF (European Youth Olympic Festival) freuen, 2018 (in Tel Aviv) und 2019 (in Minsk) holte er jeweils EM-Bronze, und stand 2019 auch noch mit dem Mixed-Team als Dritter auf dem EM-Podest. Aber dann kamen die Rückschläge. Bei seinem ersten olympischen Auftritt 2021 in Tokio bekam er ausgerechnet Riner zugelost – es war eine von drei Hegyi-Niederlagen gegen den Judo-König. Vor eineinhalb Jahren zog er sich den ersten Kreuzbandriss am linken Knie zu („da ist einer mit 150 Kilo auf mein Knie gedonnert“). Und als er nach neunmonatiger Pause drauf und dran war, erfolgreich auf die Matten dieser Welt zurückzukehren, rutschte Stephan auf einer Stiege aus – Achillessehnenriss rechts. Das war heuer im März, wodurch er die WM im Mai in Doha verpasste. Und dann kam der dritte schwere Rückschlag. „Beim letzten Training in Spanien bin ich beim letzten Randori gegen einen 90-Kilo-Mann hängen geblieben – und wieder war das Kreuzband, diesmal rechts, gerissen“, klagt Hegyi, der im Wiener Rudolfinerhaus von Dr. Andreas Kröner operiert wurde.

Derzeit, und noch bis Jänner, ist er bei seiner kanadischen Ehefrau in der Nähe von Toronto. Und sprüht vor Ehrgeiz. „Ich bin erst 25 Jahre, für einen Schwergewichts-Judoka noch eher jung“, sagt Hegyi. „Jetzt werde ich ein Jahr pausieren und sicher nicht wieder den Fehler machen, zu früh zu beginnen.“ Die Reha schreitet voran, in einen Monat darf er – wenn bei der Physiotherapie in Kanada alles gut geht – wieder mit dem Laufen beginnen. „ich schlafe viel und koche für meine Frau und mich“, erzählt Stephan im Gespräch mit „judo-vienna.at“. Und im nächsten Jahr will er, step by step, wieder zurückkommen. „Bis 2028 habe ich noch einige Welt- und Europameisterschaften, da will ich auch etwas holen.“ Und 2028, wenn es dann in Los Angeles um olympisches Edelmetall geht, ist er 30 und im besten Schwergewichts-Alter. An L.A. hat Österreichs Judo ja gute Erinnerungen …

Die EM in Montpellier wird Hegyi von Kanada aus im Internet verfolgen. Dort wird man übrigens den 34-jährigen Superstar Riner, der den ohnedies schon hünenhaften Hegyi noch um eine Kopflänge überragt (2.05 m Körpergröße) und mit 150 Kilo auch um 20 schwerer ist als der Wiener, nicht sehen. Teddy, der dreifache Olympiasieger und 11-fache Weltmeister, steht nämlich nicht im Aufgebot der gastgebenden Franzosen. „Er macht sich rar. Aber wo er auftritt, muss man ihn auf der Rechnung haben. Ich glaube, mit dem Heimpublikum in Paris kann er noch einmal olympisches Gold holen“, sagt der Judo-Pechvogel, der sicher auch mit Interesse das EM-Debüt von Movli Borchashvilli (M&R Galaxy) beobachten wird. „Ich kenne ihn nur vom Training, und das war vor einigen Jahren. Damals war er noch nicht so stark, aber er hat sich bestimmt weiter entwickelt“, so Hegyi, der nach dem international abgetretenen Daniel Allerstorfer (UJZ Mühlviertel) mit Movli in den nächsten Jahren einen anderen internen Konkurrenten im Schwergewicht haben wird. In Montpellier (3. bis 5. November) steigen übrigens drei Wiener Judoka auf die Matte: Neben Movli dessen Klubkollege Adam Borchashvilli (bis 90 Kilo) und bei den Frauen Magda Krssakova (JC Sirvan/bis 63 Kilo). —– joe

Österreichs EM-Team:

Frauen: Katharina TANZER (SU Noricum Leibnitz/bis 48 kg), Lubjana PIOVESANA (LZ Vorarlberg) und Magda KRSSAKOVA (JC Sirvan/beide bis 63 kg), Michaela POLLERES (JC Wimpassing) und Elena DENGG (ESV Sanjindo Bischofshofen/beide bis 70 kg), Maria HÖLLWARTH (Sanjindo/über 78 kg).

Männer: Daniel LEUTGEB (LZ Multikraft Wels/bis 60 kg), Florian DOPPELHAMMER (UJZ Mühlviertel/66), Shamil und Wachid BORCHASHVILI (Wels/beide bis 81 kg), Thomas SCHARFETTER (Sanjindo) und Adam BORCHASHVILLI (M&R Galaxy Judotigers/beide 90 kg), Laurin BÖHLER (LZ Vorarlberg) und Aaron FARA (Wimpassing/beide bis 100 kg), Movli BORCHSASHVILLI (Galaxy/über 100 kg). – Ersatz (bis 73 kg): Lukas REITER (Wimpassing).

Foto: Teddy RINER (links), der einen Kopf größer ist als der ohnehin schon hünenhafte Stephan HEGYI, ist für den Wiener auch in Paris 2024 ein Favorit auf Olympia-Gold. - @judoinside.com/Hans van Essen

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