|

Hegyi: „WM-Fahrplan passt“

Stephan Hegyi (ganz rechts) bei der Siegerehrung in Minsk – EM-Bronze Klasse über 100 Kilo

Bei der EM in Minsk holte der 20-jährige Wiener Judoka Stephan Hegyi schon seine zweite EM-Bronzemedaille. Im Interview für judo-vienna.at spricht der Schwergewichtler über die EM-Kämpfe, über Superstar Teddy RINER und über seine Pläne bis zur WM und Olympia 2020. Kernaussage: „Der WM-Fahrplan passt!“

Stephan, zunächst herzliche Gratulation zur zweiten EM-Medaille. Wie war vor allem der Kampf um Bronze, den wir ja wegen fehlender Rechte der EJU leider nicht am Livestream und auch sonst nirgendwo im Fernsehen verfolgen konnten?

Stephan Hegyi: „Danke für die vielen Glückwünsche! Mir ist gegen Vize-Weltmeister Kokauri gleich zu Beginn ein Waza-ari für einen Tai-Otoshi gelungen. Dann wollte ich eigentlich diese Wertung über die Zeit bringen, doch es ergab sich eine Bodensituation und ich habe ihn festgehalten. Es war natürlich super, mit diesem Sieg über den starken Aserbaidschaner die zweite EM-Medaille gewonnen zu haben.“

Und wie waren die übrigen Kämpfe?

„Im ersten Kampf gegen den Deutschen Sven HEINLE hab ich eine Zeit lang gebraucht, mich auf ihn einzustellen. Dann ist es aber besser geworden und ich habe ihn festgehalten. Gegen den Holländer Henk GROL habe ich einen Fehler gemacht, habe ihn zu nah an mich heran gelassen und er hat das sofort ausgenutzt. So ist das im Judo – ein Fehler, und du bist weg. In der Trostrunde habe ich, glaub ich, gegen den Polen Maciej SARNACKI sehr gut gekämpft, habe versucht, ihn mit meiner Schnelligkeit zu überraschen. Ist mir auch gelungen. Und um Bronze war die Leistung wirklich stark. Ich bin sehr glücklich darüber.“

Du hast auf die diversen World Tour-Turniere verzichtet und stattdessen in Japan trainiert. Hatte dieses Training schon einen Einfluss auf deine EM-Leistung und hat dich dieser Weg mit der Medaille bestätigt?

„Ja, ich habe zwei Monate in Japan trainiert. Das war für mich sehr wichtig, da ich dort gute Trainingspartner hatte, viel mehr als in Europa. Aber auf die EM-Leistung hat sich das noch nicht maßgeblich ausgewirkt. Ich glaube aber, dass der Fahrplan zur WM passt. Dort will ich vor allem durch verbesserte Technik, Taktik und meine Schnelligkeit versuchen, um die Medaillen zu kämpfen. Und das große Ziel ist natürlich dann 2020 Olympia in Tokio.“

Wirst du vor der WM wieder nach Japan gehen bzw. wie planst du die Zeit bis zur WM?

„Jetzt mache ich einmal Urlaub. Mittwoch komme ich heim, Donnerstag fliege ich mit meiner Freundin für eine Woche nach Toronto. Nach Japan gehe ich vor der WM nicht mehr. Das haben wir, mein Trainer Axel Eggenfellner und ich so besprochen. Axel hat mich in Minsk auch sehr gut betreut. Es ist sehr wichtig, dass er bei solchen Turnieren bei mir ist. Ich werde noch die Grand Prix-Bewerbe in Budapest und Zagreb bestreiten und mich mit intensivem Training in Europa auf die WM einstimmen.“

Apropos WM: In Minsk war Superstar Teddy Riner nicht dabei. Was weißt du über ihn?

„Ich weiß gar nichts. Ich hab ihn auch nicht als Zuschauer in der Halle gesehen. Keiner weiß was über Teddy. Irgendwie ist das alles sehr geheimnisvoll. Riner macht das ja schon einige Jahre so – veni, vidi, vici. Er kommt zur WM und Olympia, schaut sich um, und gewinnt alles. Ich denke, er wird das auch in Tokio so probieren. Aber wir Schwergewichtler hoffen natürlich, dass einer von uns ihn einmal schlagen kann.“

Interview: Josef Langer

Wieder daheim! Stephan Hegyi mit seinen zwei EM-Bronzemedaillen von Minsk, mit Trainer Axel Eggenfellner (links) und WLV-Präsident Ernst Raser, der einen Scheck über 1.000 Euro überreichte. – Foto: Langer

Ähnliche Beiträge

  • COVID verhindert japanisches Gold

    Eine Judo-Weltmeisterschaft ohne japanische Goldmedaillen? Eigentlich unvorstellbar – und dennoch möglich! Denn die Töchter und Söhne Nippons fehlen bei der derzeit laufenden Junioren-WM in Olbia auf Sardinien. Die COVID-Pandemie und die damit verbundenen Ein- und Ausreisebeschränkungen verhinderten die Teilnahme der starken japanischen Nachwuchs-Judoka. Nach Platz 7 von Lisa Grabner (JC Wimpassing/bis 57 kg) und dem…

  • Advent: Galaxy vor Samurai

    Die Galaxy Judo Tigers stellen nicht nur Österreichs Bundesliga-Meister, sondern sind auch im Nachwuchs Spitze! Beim traditionellen Advent-Turnier in der Kurt Kucera-Halle gewannen die jungen Burschen und Mädchen insgesamt zehn Titel und siegten somit in der Vereinswertung vor Vienna Samurai, das es auf sieben Klassensiege brachte. Dritter in der Medaillenwertung wurde der montenegrinische Verein Podgorica….

  • Bayrs Traum geplatzt

    Eine Medaille war der große Traum, doch der ist für Leonie Bayr leider geplatzt. Die einzige Wienerin, von Vienna Samurai, schied bei der Unter-21-EM in Bratislava mit einem Sieg und einer Niederlage in der Klasse bis 70 Kilo aus. Damit bleibt der fünfte Platz von Carina Klaus-Sternwieser (ASKÖ Reichraming / bis 57 Kilo) am Donnerstag…

  • Bronze für Dengg in Graz

    Das Daumendrücken der Fans hat sich gelohnt – am ersten Tag des Junioren-Europacups im Raiffeisen-Sportpark Graz holte Elena Dengg (ESV Sanjindo / bis 70 Kilo) Bronze. Die 19-jährige Salzburgerin, als Titelverteidigerin angetreten, gewann den Kampf ums Podest gegen Nadia Swinkels (NED) mit Ippon. Im ersten Kampf nach ihrer dreimonatigen Verletzungspause (Daumenverletzung) hatte sich die WM-Dritte…

  • Verhaltener Jubel

    Sie sind beide vom selben Verein (Galaxy Judo Tigers), sie sind fast gleich alt, in der selben Gewichtsklasse, sie teilen sogar das Zimmer, und nach EM-Bronze für Magamed Borchashvilli im Vorjahr schaffte es nun auch sein Team- und Trainingspartner Bernd Fasching. Der (noch) 21-Jährige holte bei der Unter-23-EM in Chisinau mit Bronze bis 81 Kilo…

  • WAT Stadlau: Stefan Moser Cheftrainer

    Der traditionsreiche Wiener Judoklub WAT Stadlau hat einen neuen Cheftrainer – Stefan Moser (Bild) tritt die Nachfolge von Martin Grafl an, der seit Beginn des Jahres 2021 – gemeinsam mit Samurai-Trainer Bernhard Weißsteiner – für den ÖJV als Unter-18-Nationaltrainer tätig ist. Der 29-jährige Moser war 2014 in Klagenfurt Staatsmeister und ist schon länger als Trainer…