Rückkehr ins Judo-Mekka

Am Wochenende startet die IJF-World Tour mit dem Grand Slam in Bercy, dem einstigen „Tournoi de Paris“, ins neue Jahr. Das aber doch, leider, an Glanz und dem Status des größten Turniers nach Olympia und WM, verloren hat. Kein einziger aktueller Führender im IJF-Ranking wird dabei sein, auch Österreichs Asse reisen nur zum anschließenden Trainingscamp an. Aber zumindest die Location ist, nach dem Olympia-Ausflug in die Halle „Champ de Mars“, wieder das – traditionelle – „Omnisport de Bercy“ …

Die olympischen Judobewerbe wurden in der temporär errichteten Halle nahe des Eiffelturms ausgetragen. Zwar hätten die judonarrischen Franzosen die 14 Einzelklassen und den Mixed-Bewerb gerne in Bercy gesehen, doch das IOC war dagegen – in Bercy wurde eine Woche Turnen und die andere Basketball ausgetragen. So konnten nur 8.000 Judo-Fans das „Champ de Mars“ füllen, in Bercy wären es 15.000 gewesen. Die kehren aber am Wochenende ins Judo-Mekka, das jetzt „Accor Arena“ heißt, zurück. Und auch wenn ihr geliebter und bewunderter Super-Star Teddy Riner ebenso fehlen wird die allerbesten Japaner, etwa die Sisters Uta und Hifumi Abe, die Stimmung wird wieder grandios sein.

Immerhin sind unter den 316 gemeldeten Judoka aus 54 Ländern mit Manuel Lombardo (ITA / bis 73 kg), Matthias Casse (BEL / bis 81 kg) und Joanne Van Lieshout (NED / bis 63 kg) drei Judoka in Paris, die aktuell Nummer 2 im IJF-Ranking sind. Dazu kommen mit Distria Krasniqi (KOS / bis 52 kg) und Inbar Lanir (ISR / bis 78 kg) noch zwei Drittplatzierte der derzeitigen Weltrangliste. Und insgesamt 56 Franzosen (vier in jeder Kategorie), die sich bestimmt großer Anfeuerungen erfreuen dürfen. Da werden die französischen Judo-Fans das Fehlen ihres „Riesenbabys“, das bald 36 wird, wohl verschmerzen. Für Riner ist Bercy auch ein besonderer Ort. Hier wurde der Triumphzug des fünffachen Olympiasiegers und elfmaligen Weltmeisters im Jahr 2020 gestoppt – der Japaner Kokoro Kageura hatte es gewagt, den bis dahin zehn Jahre (seit 2010) und 154 Kämpfe ungeschlagenen „Teddy-Bär“ in dessen Wohnzimmer – im Achtelfinale-Golden Score – zu bezwingen.

Wären Österreichs Asse in Paris dabei, wäre unsere zweifache Olympia-Medaillengewinnerin Michaela Polleres (Wimpassing) in der Klasse bis 70 Kilo topgesetzt. Denn „Michi“ ist aktuell Dritte im IJF-Ranking, und die Topgesetzte in ihrer Gewichtsklasse, Lokalmatadorin Eve Marie Gahie, ist „nur“ Nummer 6. Warum unsere Top-Athleten (und andere) nicht an diesem Turnier teilnehmen? Weil man sich auf den nächsten Grand Slam in zwei Wochen in Baku und den Upper Austria-Grand Prix im März in Linz vorbereiten will. Und in Baku gibt´s die gleichen (heuer noch nicht so wichtigen) Weltranglistenpunkte wie in Paris So können wir uns als neutrale Beobachter zurücklehnen und den Livestream aus Paris genießen …

Foto: Vor fünf Jahren sorgte Kokoro KAGEURA (weiß) in Bercy für eine Sensation - @IJF Media

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