Was Ende der Siebziger in Ellmau begann und später nach Rauris am Fuße des Sonnblicks kam, ist seit nunmehr vielen Jahren Mittersill. Und von einem eher überschaubaren Wintercamp mit ein paar Dutzend Judoka wuchs das Olympic Trainings Camp (OTC) im Salzburger Pinzgau zu einem Neujahrstreffen von 900 Top-Athleten aus 50 Ländern. Mattentraining im Schnee quasi.
Am Dreikönigstag wird die Tennishalle des Sporthotels Kogler auf 1.500 Quadratmetern mit Matten ausgelegt, bietet den Judoka aus aller Herren Länder genug Platz zum Training – das am Mittwoch beginnt und bis zum 14. Jänner 25 Trainingseinheiten bietet. Neben der ÖJV-Elite (allerdings ohne den am Ellbogen verletzten Welser Daniel Leutgeb) samt einigen Wienern sind internationale Stars in Mittersill. Etwa die Usbekin Diyora Keldiyorova, die 2024 in Paris in der Klasse bis 52 Kilo mit einem spektakulären Ippon den Traum der Japanerin Uta Abe abrupt beendete und sich selbst Olympia-Gold holte; oder die Schwergewichtlerin Romane Dicko, die mit Frankreichs Team Mixed-Olympiasiegerin wurde; oder die beiden Aserbaidschaner Hidayat Heydarov und Zelim Kotsoiev und der Georgier Lasha Shavdatuashvili, alle schon auf dem obersten olympischen Treppchen; und – last, but not least – mit Lukas Krpalek (CZE) fast ein Lokalmatador. Der Olympiasieger, Weltmeister und zweifache Grand Prix-Sieger von Linz, der sich in Österreich sehr wohl fühlt, war schon die Tage zuvor beim Neujahrs-Lehrgang in Linz.
Von den rot-weiß-roten Stars sind vor allem die zweifache Olympia-Medaillengewinnerin Michaela Polleres (JC Wimpassing / bis 70 Kilo) und die Olympia-Fünfte Lubjana Piovesana (LZ Hohenems / bis 63 Kilo) bzw. der WM-Siebente und U23-Bronzene Bernd Fasching (Galaxy / bis 81 Kilo) aus Wien zu nennen. Auch die Wienerin Magda Krssakova, Vize-Europameisterin 2020 in Prag (bis 63 Kilo), kehrt – zumindest zum Training – auf die Tatami zurück. Insgesamt sind in Mittersill 48 ÖJV-Judoka dabei, neun davon kommen von Wiener Vereinen. „Mittersill ist ein einzigartiges Trainingscamp. Nirgendwo sonst triffst du so viele Top-Judoka auf einem Fleck“, beteuert ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch, dass sie diese Meinung nicht deshalb hat, weil sie in Österreich arbeitet. „Das Flair ist unvergleichlich, nicht nur wegen der Berge und dem Schnee. Nach einer Weihnachtspause brennen alle schon aufs Judo“, weiß die Deutsche, die nach wie vor die einzige weibliche Judo-Olympiasiegerin (2004 in Athen) ihres Landes ist.
Mit den internationalen Trainern, sonstigen Coaches, Betreuern und Funktionären sind eine Woche lang rund 1.100 Personen bei diesem OTC. „Jedes Jahr wieder eine Herausforderung, aber wir haben alles im Griff“, sagt Albert Gmeiner, der seit Beginn dieses Trainingscamps für die Organisation verantwortlich zeichnet. Und genug Schnee für die Region „bestellt“ hat …
Foto: Auf 1.500 Quadratmetern trainieren 900 Judoka ab Mittwoch eine Woche lang in der Tennishalle des Mittersiller Sporthotels Kogler - @Judo Austria / Oliver Sellner
