EM der „jungen Wilden“

Mit einer, so scheint´s, guten Mischung von Routiniers und Talenten geht Österreichs Judo-Team in die EM ab Donnerstag in Zagreb. Es könnte einen Aufstand der „jungen Wilden“ geben, von denen auch drei aus Wien kommen. Zwar ist die 30-jährige Magdalena Krssakova (JC Sirvan / kämpft Freitag bis 63 Kilo) nicht zu dieser Talenteschmiede zu rechnen, aber die anderen haben gerade erst die Schwelle zum Twen überschritten. Den Anfang macht schon am Donnerstag Laura Kallinger (Judoring Wien) bis 57 Kilo, Magda ist Freitag dran, Movli Borchashvilli (M&R Galaxy Judo Tigers) am Samstag über 100 Kilo, und erst am Sonntag kämpft Movlis Klubkollege Bernd Fasching (übrigens bis 90 Kilo) im Mixed-Bewerb. Was erhoffen sich die „Greenhorns“ von dieser EM?

Laura, die am Donnerstag in ihrer Klasse zunächst auf Thailien Castillo-Garcia (ROU) trifft, hat zuletzt beim Grand Slam in Antalya zwar in ihrem ersten Kampf verloren, schlug sich aber gegen die Nummer 1 der Welt, Christa Deguchi (Kanada) mehr als tapfer. „Ich habe gesehen, dass ich mit der absoluten Weltspitze mithalten kann“, sagt die 21-jährige Architektur-Studentin, die heuer schon Zweite bei den European Open in Györ gewesen war. „Und, was mich besonders gefreut hat: Meine Eltern waren auch da. Sie sind noch, während wir trainiert haben, ein paar Tage in Belek geblieben und haben die Sonne genossen.“ Auch in Zagreb ist Mama Sandra Kallinger, die einst selbst im Nationalteam gekämpft hatte, wieder mit von der Partie und wird Laura die Daumen drücken.

Movli, mit 22 der „älteste Wilde“, war schon bei einer EM, schied 2023 in Montpellier in seinem Auftaktkampf aus, nahm aber viel mit. „Diese Atmosphäre, noch dazu im judoverrückten Frankreich, das war schon was“, sagt der dreifache Schwergewichts-Staatsmeister, der heuer bei den European Open sogar zweimal Zweiter war (Györ und Warschau). Im Vorjahr war er mehr oder minder ins kalte Wasser oder, besser gesagt: auf die Tatami, gestoßen worden, da er einerseits gute Leistungen erbrachte, aber andererseits auch die Lücke schließen musste, die der verletzte Stephan Hegyi und der abgetretene Daniel Allerstorfer aufgemacht haben. „Ich will es diesmal besser machen als in Montpellier“, hofft Movli.

Und Bernd, der mit 20 der jüngste im Bunde ist, war – wie Laura – zwar noch nie bei einer EM in der Allgemeinen Klasse, aber der „Mister Bundesliga“ hat schon WM-Erfahrung. Im Vorjahr durfte der Schützling von Thomas Haasmann bei der WM in Doha im Mixed-Bewerb ran und kämpfte da, wie jetzt in Zagreb, bis 90 Kilo. Eine Gewichtsklasse, die für den Fünften der Unter-23-EM des Vorjahres wohl die Zukunft sein wird. „Ich muss schon ziemlich Gewicht machen, wenn ich bis 81 Kilo kämpfe. Drum bin ich froh, jetzt in Zagreb bis 90 antreten zu können. Und ich glaube, das ich überhaupt bald in die höhere Klasse wechseln muss.“ Fasching könnte mit einem Wechsel der Kategorie auch den beiden Top-Judoka bis 81 Kilo, Shamil und Wachid Borchashvili ausweichen.

Bleibt Magda, sozusagen die „Mama der jungen Wilden“ – sie muss Freitag bis 63 Kilo zumindest eine Medaille holen, wenn nicht sogar Gold, will sie ihre Chance auf ein Olympia-Ticket wahren. Die Vize-Europameisterin von 2020 hatte sich in Antalya in einer Form gezeigt, die man von ihr lange nicht gesehen hat. Platz 5 war aber nicht der verdiente Lohn – vielleicht kommt das Glück gerade bei der EM für die routinierte Wienerin zurück. Sie muss zunächst gegen Florentina Ivanescu auf die Matte – beim Grand Slam zu Ostern in Antalya hatte Magda gegen die starke Rumänin im vierten Duell erstmals gewonnen. Wenn das kein gutes Omen ist!

Foto: Das ÖJV-Team bei der EM in Zagreb, mit den "jungen Wilden" aus Wien: Kallinger (1. Reihe, Dritte von rechts, links von ihr Krssakova), Fasching (3. Reihe, ganz links) und Borchashvilli (3. Reihe, Zweiter von rechts) - @Judo Austria / Manuel Rampl

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