EM als WM-Probe

„Eine Medaille ist das Ziel“, sagt ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch vor jedem Turnier, auch vor der EM von Mittwoch bis Sonntag in Podgorica (MNE). Aber wann gibt es endlich wieder eine Goldene? Der letzte EM-Titel für Österreich liegt schon 14 Jahre zurück – 2011 in Istanbul durch die Welserin Sabrina Filzmoser. Und die letzte Finalistin war 2020 in Prag die Wienerin Magda Krssakova. Aber: die EM in Montenegro ist für die 15 ÖJV-Judoka (davon sieben aus Wien) nur eine Probe für die WM, die im Juni in Budapest stattfindet.

Dazu kommt, dass die Medaillengewinner der letzten Jahre fehlen: Shamil Borchashvili, der nach Olympia- und WM-Bronze im Vorjahr in Zagreb mit einem weiteren dritten Platz endlich auch eine EM-Medaille (bis 81 Kilo) holte, aber seit einem Jahr nicht mehr aktiv ist und im Juni bei der WM sein Comeback bei einem Großevent geben will, auch Michaela Polleres, die zweifache Olympia-Medaillengewinnerin (Silber 2021 in Tokio, Bronze 2024 in Paris), die sich nach langer Pause noch nicht fit genug für einen EM-Auftritt fühlt, und auch Magda Krssakova, die 2020 in Prag Österreichs letzte EM-Finalistin war und sich nur im Gold-Kampf der Olympiasiegerin und sechsfachen Weltmeisterin Clarisse Agbegnenou (FRA) geschlagen geben musste, ist noch nicht bereit. Die 31-jährige Wienerin war im Vorjahr in der internen Olympia-Qualifikation bis 63 Kilo an Lubjana Piovesana gescheitert, die in Paris als Fünfte knapp an einer Olympia-Medaille vorbeischrammte.

„Lulu“, wie Freunde die ehemalige, in Vorarlberg ansässig gewordene Britin nennen, ist bei der EM als Nummer 3 übrigens die einzige gesetzte ÖJV-Judoka, hinter Weltmeisterin Joanne van Lieshout (NED) und Agbegnenou. Schon daran erkennt man, wie stark die Frauen-Klasse bis 63 Kilo besetzt ist. Piovesana hätte gerne nach fünften Plätzen bei Olympia (2024) und EM (2023) ihre erste große Medaille, aber es wird sich weisen, wie sie den privaten Schicksalsschlag (Tod ihres jüngeren Bruders) zu verkraften imstande ist. „Lulu“ fehlte deshalb auch beirn Intensiv-Training des ÖJV-Kaders in der Karwoche in Linz, durfte bis Ostern bei ihre Familie auf der Insel bleiben.

Aus Wiener Sicht ist sicher Bernd Fasching der größte Hoffnungsträger. Der Galaxy-Judoka hatte 2024 als WM-Siebenter in Abu Dhabi (bis 81 Kilo) für eine Überraschung gesorgt und heuer im März als Dritter beim Grand Prix in Linz seine erste Medaille auf der IJF-World Tour geholt. Der 21-jährige Wiener hat einen unglaublichen Kampf- und Siegeswillen, ist aber auch deshalb manchmal zu ungestüm. Auch der Borchashvilli-Clan mit den drei Brüdern Magamed (81 Kilo), Adam (bis 100) und Movli (über 100 Kilo / alle Allianz Kukla Galaxy Tigers) steigt in Montenegros Hauptstadt auf die Matte. Dazu Hakoah-Schwergewichtler Stephan Hegyi, der seit seinem Comeback schon drei Podestplätze bei European Open erreicht hat, aber auf der World Tour noch ohne Platzierung ist. Deshalb sollte man sich vom zweifachen EM-Bronzenen (2018 und 2019) nicht allzu viel erwarten. Bei den Frauen „eröffnet“ Jacqueline Springer (Vienna Samurai) am Mittwoch bis 48 Kilo die EM, auch Laura Kallinger (Judoring / bis 57 kg) steht im rot-weiß-roten EM-Team, das übrigens von „Erima“ neu eingekleidet wurde.

International ist die EM in Podgorica sehr stark besetzt, was normalerwiese im postolympischen Jahr nicht der Fall ist, weil es nach den Spielen oft einen Generationswechsel gibt. Aber: Mit Hidayat Heydorov (bis 73 kg), Zelym Kotsoiev (bis 100 kg / beide AZE) und Lasha Bekauri (bis 90 kg / GEO) sind drei Einzel-Olympiasieger von Paris dabei, dazu mehr als ein halbes Dutzend (französische) Mixed-Team-Olympiasieger sowie nicht weniger als 32 Asse, die allesamt zu den Top Fünf der IJF-Weltrangliste zählen. „Das Starterfeld hat es wirklich in sich“, weiß ÖJV-Sportdirektor Markus Moser. „Dennoch wollen wir das Minimalziel eine Medaille erreichen – aber es wird mit Sicherheit nicht leicht“, weiß der Stadlauer. Insgesamt wurden für diese EM (Einzel bis Samstag, Mixed am Sonntag) 427 Judoka aus 47 Ländern genannt.

Foto: Magda KRSSAKOVA (weißer Judogi) bei der EM 2020 in Prag - sie war Österreichs letzte EM-Finalistin - @EJU

Ähnliche Beiträge

  • Eine Halle für alle

    Dort, wo einst das Ferry Dusika-Stadion stand, entsteht derzeit eine neue Sporthalle, die „Sport Arena Wien“ – und es soll eine „Halle für alle“ werden, auch für den Judosport. Bei einem Medientermin am Donnerstag, bei dem auch Bürgermeister Dr. Michael Ludwig und Sportstadtrat Peter Hacker anwesend waren, gab es auch eine Judo-Demonstration von jungen Wiener…

  • 35 Prozent mehr um die Titel

    174 Judoka aus 40 Vereinen und acht Bundesländern (nur Kärnten fehlt) haben für die Staatsmeisterschaften am Wochenende in Eferding genannt – das sind um 35 Prozent mehr Judoka als 2022 bei den Titelkämpfen in Weiz. Einige Details rund um die Meisterschaft, bei der es um Gold, Silber und Bronze geht (@ÖJV/Oliver Sellner), sind nachstehend zusammengefasst….

  • Wir gratulieren

    Auch wenn es derzeit schwierig ist, gewisse Aktivitäten zu setzen (siehe Absage des Technik-Seminars), finden einige Judoka doch Wege, ihre Ziele zu erreichen. So nahm Vicotria Marhold von den Volksbank Galaxy Judo Tigers mit Einverständnis des JLV-Wien am Übungsleiterkurs des JLV-NÖ teil. Geleitet wurde der Kurs von Margit und Erwin Häring. Am Samstag (26.03.) fand…

  • Sanshirô Sugata

    Judo Saga – Die Legende vom großen Judo Der Film über Judo. eine frühe Regiearbeit des Meisters Akira Kurosawa aus dem Jahre 1943. Erzählt die Geschichte von Sanshirô Sugata (im echten Leben Shirô Saigo). Der Film basiert auf einer Novelle von Tsuneo Tomita, dem Sohn des ersten Schülers von Jigoro Kano, Tsunejiro Tomita. Im film…

  • Ein Aust ballt die Faust

    Er hat schon nationale Titel, kämpft für die Allianz Kukla Galaxy Tigers in der Bundesliga, aber heuer will er auch international erstmals auf ein Podest springen – Phillip Aust, der für den JC Klosterneuburg kämpfende Wiener, startet am Samstag beim European Open in Laibach (SLO) den ersten Versuch. Ein Aust ballt die Faust … Dass…

  • Prof. Karl Karner verstorben

    Die österreichische Judo-Familie trauert um Prof. Karl Karner, der am 9.11.2023 im 82. Lebensjahr verstorben ist. Der Diplomsportlehrer aus Oberwart verschrieb sich bereits sehr früh dem Judo-Sport und war bei der Gründung des Judolandesverbandes Burgenland im Jahr 1976 federführend tätig. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Sportlehrer an der Hauptschule (jetzt Mittelschule) in Oberwart war er…