Ein Sieg für fünf andere

Der Erstrundensieg von Aaron Fara bei der WM in Abu Dhabi über den Italiener Gennaro Pirelli in der Klasse bis 100 Kilo war nicht nur seine eigene fixe Olympia-Qualifikation, sondern mehr – es war ein Sieg für fünf andere. Denn, wie es derzeit aussieht, werden fünf rot-weiß-rote Judoka im Einzel auf die Tatami in Paris steigen, plus einem sechsten mit einer Art „Wild Card“ für den Mixed-Bewerb. Schon einmal, bei der EM 2019 in Minsk, durfte Österreichs Team als Dritter auf dem Podest jubeln, jetzt könnte der „Traum Olympia“ wahr werden. Und im „Fall Borchashvili“ brodelt es weiter. Durch seine Erstrunden-Niederlage bei der WM flog nämlich Wachid, der laut „Familienrat“ statt des qualifizierten Olympia-Dritten Shamil nach Paris sollte, aus dem Olympia-Ranking bis 81 Kilo …

Noch ist es inoffiziell, weil die Qualifikationsphase erst am 24. Juni endet – aber nach Herausgabe der neuesten Olympia-Rangliste, die sich kaum noch ändern wird, nehmen Michaela Polleres (-70/JC Sparkasse Wimpassing/NÖ – als Nummer 3 gesetzt), Lubjana Piovesana (-63/LZ Hohenems/V/Rang 10 im Olympiaranking), Shamil Borchashvili (-81/LZ Multikraft Wels/OÖ/Nummer 9) und Fara (-100/JC Sparkasse Wimpassing/NÖ/21) in ihren Gewichtsklassen jeweils direkte Qualifikationsplätze ein und gelten als fix. Darüber hinaus darf Katharina Tanzer (-48/SU Noricum Leibnitz/ST) mit einem europäischen Quotenplatz und Judo Austria mit einem einen zusätzlichen Startplatz in der Kategorie bis 73 kg und dem damit einhergehenden Mixed-Team-Fixplatz rechnen. „Wenn es tatsächlich dabei bleibt, gehören wir im Judo unter mehr als 100 teilnehmenden Nationen zu den Top-17, die für den Mixed-Team-Bewerb startberechtigt sind. Das hätten wir vor drei Jahren in Tokio noch nicht zu träumen gewagt. Wir haben ein sehr starkes Team“, zeigt sich ÖJV-Sportdirektor Markus Moser, übrigens ein Wiener, sichtlich erfreut.

Gespannt darf man sein, wie der „Familienrat Borchashvili“ darauf reagiert, dass nun der zu Olympia „entsandte“ Wachid derzeit doch nicht qualifiziert ist. Shamil ist als Neunter (aktuell 3.746 Punkte) „qualified“, Wachid als 19. (mit 3.240 Punkten) „not qualified“ – aber er ist nur einen Platz hinter dem notwendigen 18., und wenn der ÖJV Shamil NICHT nominiert, rückt Wachid in die Top 18 nach. Man darf sicher sein, dass diese Posse noch kein Ende hat.

Heißer Juni: Junioren, Veteranen, Kata

Nach der WM in den heißen Emiraten geht es im Juni auch in Europa heiß weiter. Schon am kommenden Wochenende steigt der Junioren-Europacup in Graz mit sieben Wiener Judoka, eine Woche später in Sarajevo die Veteranen- und anschließend die Kata-EM, für die die Staatsmeisterschaft im Rahmen der „Sport Austria Finals“ in Innsbruck an diesem Wochenende auch für das Wiener Paar Vanessa Wenzl / Matthias Heinrich (Judoklub Tantano) eine willkommene Generalprobe ist. Und Ende Juni steigt in Sofia die Kadetten-EM der Unter-18-Jährigen, für die mit Vardges Ghazaryan (SU Karuna Wien / über 90 Kilo, nur im Mixed-Bewerb) auch ein Wiener Judoka nominiert wurde. Dazu gibt es freilich auch noch eine Bundesliga-Runde (21./22. Juni).

Foto: Österreichs Mixed-Team jubelt - auch über die wahrscheinliche Olympia-Qualifikation - @Judo Austria / Oliver Sellner

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