Der Wiener „Fan-Pakt“

Auch wenn das neue Format – Frauen UND Männer an einem Ort – nicht bei allen Anklang fand, so war das samstägige Bundesliga-Final Four in Gmunden abermals ein Erfolg in jeder Hinsicht. Und mit neuen Dimensionen, was die Fans betrifft. Denn die Anhänger des frischgebackenen Männer-Meisters Galaxy und die der „Frauen-WG“ Samurai/Stadlau schlossen einen Wiener „Fan-Pakt“ und feuerten auch die Judoka des jeweiligen anderen Wiener Teams an. Und da gab es genug zu schreien – denn Galaxy holte Gold und die „Samstads“ Silber …

Was hat Thomas Haasmann, Coach der Allianz Kukla Galaxy Tigers, im Vorfeld über die Reform (Frauen und Männer, nur noch ein Durchgang) geschimpft. Nachher war er sogar froh, „weil Adam in einem zweiten Durchgang wohl zerlegt worden wäre.“ Haasmann spricht den Schlüsselkampf beim 4:3-Finalsieg über Multikraft Wels an. Klasse bis 100 Kilo, Adam Borchashvilli gegen den georgischen Olympia-Zweiten Ilia Sulamanidze, der in Paris das Finale erst wenige Sekunden vor dem Ende aus der Hand gegeben hatte. Niemand hatte Adam auf der Rechnung. International kann er lediglich einen zweiten und einen dritten Platz bei European Open-Turnieren (beide in Prag) vorweisen, sein Gegner aber neben Olympia-Silber noch WM-Bronze, zweimal EM-Silber und sechs Siege auf der World Tour, zuletzt heuer beim Grand Slam in Baku. Aber dann staunten alle nicht schlecht, als Borchashvilli den um vier Jahre jüngeren Georgier zu Boden brachte und festhielt. Das war das vorentscheidende 3:1, weil als letzter Galaxy-Judoka mit dem Moldauer Denis Vieru (Olympia-Dritter und Ex-Europameister bis 66 Kilo) ein weiterer Star eine „Bank“ war, die letztlich auch hielt.

„Das Finale war eine Achterbahn der Gefühle“, schilderte Haasmann nachher. „Leider hat Magamed Borchashvilli diesmal nicht die erhoffte Leistung erbracht.“ Auch Bruder Movli verlor, aber er hat im Semifinale den Prestigekampf gegen Stephan Hegyi gewonnen. „Ich verstehe nicht, dass ein Wiener für Mühlviertel und gegen Wien kämpft“, so Haasmann, der neben Bernd Fasching (wurde übrigens „Österreichs Judosportler des Jahres“) auch mit Phillip Aust sehr zufrieden war. Der junge 73er wurde als erster Finalkampf ausgelost und hat gleich für die Führung gesorgt. „Er ist ein Kämpfer. Weniger der Ästhet, aber er macht vieles über seine Kampflust“, sagt Haasmann über den Gastkämpfer des JC Klosterneuburg. Bleibt Ahmed Yusifov, der im Finale Daniel Leutgeb (60 kg) unterlag, den aber der Galaxy-Coach in Schutz nimmt. „Er hat noch am Freitag bei der Meisterschaft in Aserbaidschan fünfmal gekämpft, ist Zweiter geworden, in der Nacht von Baku nach Salzburg geflogen – das war natürlich nicht optimal.“ Aber: Ende gut, alles gut für den nun elffachen Bundesliga-Meister Galaxy …

Zufrieden ist man auch bei der Frauen-Kampfgemeinschaft Vienna Samurai / Wiener ASKÖ Team Stadlau – Silber ist weit mehr als man sich vor Saisonbeginn erhofft hatte. „Ich habe schon geglaubt, dass wir im Semifinale gegen Leibnitz knapp gewinnen können. Aber 5:1 – das war sensationell, was unsere Mädchen da geleistet haben“, sagt Narges Mohseni, die im Finale gegen Mühlviertel (über 70 Kilo) selbst auf die Matte stieg und gegen Laura Sommer nach über zwei Minuten im Golden Score verlor. Dass die routinierte Jacqueline Springer ihren Finalkampf verlor, relativiert Mohseni: „Sie hat das ganze Jahr eine Klasse höher als sonst gekämpft und nur einen Kampf, den letzten, verloren. Wir sind stolz auf sie.“ Bei den Wienerinnen gibt es große Hoffnungen für die Zukunft. Mit Helin Türk, Leonie Bayr und Lisa Betz hat man echte Talente. Dass es in Gmunden im Finale (2:4) nicht ganz zum großen Coup gereicht hat, hat auch die Fans nicht verstimmt. Sie feierten Silber auch auf der Heimfahrt.

Foto oben: Sensation in Gmunden: Adam BORCHASHVILLI fixiert den Olympia-Zweiten Ilia SULAMANIDZE am Boden - @Judo Austria / Oliver Sellner - Foto unten: Die Fans der Samurai/Stadlau-Damen feuerten die Galaxy-Herren an und auch umgekehrt - @joe

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