Superstar Riner – ein Teddy der anderen Art

Er ist der erfolgreichste Judoka aller Zeiten. Er ist mit 2,06 Metern auch körperlich einer der größten. Er hat angeblich 140 Kilo. Er ist zweimaliger Olympiasieger (2012 und 2016) und möchte am Freitag als erst zweiter Judoka in der Geschichte sein drittes olympisches Gold holen und so mit dem Japaner Tadahiro Nomura (dreimal Olympia-Gold von 1996 bis 2004, bis 60 kg) gleichziehen. Er war von 2010 bis 2020, also zehn Jahre (!), in 154 Kämpfen ungeschlagen – Teddy Riner, 32 Jahre alt, ist der absolute Superstar im Welt-Judo. In Tokio trifft er Freitag Früh unserer Zeit in der ersten Runde ausgerechnet auf den Wiener Stephan Hegyi, der nichts zu verlieren hat. Der Mann, der sich gerne rar macht, hat nur ein Ziel – Gold! Riner – ein Teddy der anderen Art …

Judo und die Franzosen, das ist eine lange Geschichte. Der erste Weltmeister war Jean-Luc Rouge bei der WM 1975 in der Wiener Stadthalle. Unvergessen das Finale des heutigen IJF-Generalsekretärs in der Klasse bis 93 Kilo gegen den Japaner Michinori Ishibashi, als beide Judoka völlig ausgepowert waren, ehe Rouge doch noch Gold gewann. Aber Olympia-Gold blieb ihm verwehrt. Das holten eher die Schwergewichtler. Etwa der im italienischen Frosinone geborene Angelo Parisi, der 1980 Olympia-Gold gewann. Oder David Douillet, der 1996 in Atlanta und 2000 in Sydney Olympiasieger für die Tricolores wurde. Und jetzt Teddy – 2008 in Peking noch Dritter, aber 2012 in London und 2016 in Rio ganz oben auf dem Podest. In Rio begann auch die große Karriere des in Guadeloupe geborenen Riner. Mit 18 Jahren wurde er dort 2007, also vor 14 Jahren, erstmals Weltmeister.

Von da an bis 2017 holte der Riese insgesamt zehn WM-Titel, fünfmal war er Europameister. Wo er antrat, legte er seine Gegner aufs Kreuz. Von der WM 2010 an, wo er in der Tokioter Yoyogi-Halle im Finale der Offenen Klasse dem Japaner Daiki Kamigawa unterlegen war, blieb er in zehn Jahren und 154 Kämpfen (!) ungeschlagen. Unfassbar! Erst im Februar 2020 riss diese Serie, ausgerechnet in Teddys Wohnzimmer Paris. Beim Grand Slam-Turnier bezwang der Superstar in Runde 1 unseren Stephan Hegyi, eher er dem Japaner Kokoro Kageura zum Entsetzen der 15.000 Zuschauer in Bercy Ippon unterlag. Und jetzt geht´s wieder zum Auftakt gegen Hegyi.

Der Franzose machte sich seit seinem zehnten WM-Titel allerdings rar. Zuerst fehlte er eineinhalb Jahre wegen Verletzung, dann machte er bei dem einen oder anderen Turnier und heuer im Jänner mit dem Masters-Sieg in Doha die Olympia-Qualifikation perfekt. Aber Europameisterschaften ließ er generell aus, Turniere auf der World Tour auch. In der französischen Liga verlor der Judoka von Paris St. Germain, der übrigens ein guter Freund des brasilianischen Fußballers Neymar ist, gegen einen Nobody. Und die Konkurrenz, die vereint nur das Ziel hat, den Riesen zu fällen, wird in ihren Aussagen kampflustiger. Selbst Hegyi behauptet: „Er ist nicht unschlagbar.“ Zweimal hat der Wiener gegen Riner gekämpft, zweimal verloren. 2017 beim Grand Prix in Zagreb, und in Paris.

Nach der Ankunft in Tokio lüftete Teddy ein Geheimnis: seine Olympia-Teilnahme hing am seidenen Faden! Nach dem Doha-Masters habe er sich einen Kreuzbandriss zugezogen, wurde in Marokko von Spezialisten behandelt. „Vier bis sechs Monate Pause, sagten sie“, erzählt der Franzose. „Aber ich war nach zwei Monaten wieder fit. Ich habe allerdings an keinen Turnieren mehr teilgenommen, weil ich für Tokio fix qualifiziert war und nichts riskieren wollte.“ Jetzt rätseln alle: Wie ist Teddy Riner wirklich in Form? War die Verletzung wirklich so schwer? Oder ist alles nur ein Werbegag? Oder eine prophylaktische Erklärung, wenn es mit dem dritten Olympia-Gold doch nicht klappen sollte? Hegyi ist sein erster Prüfstein. der Israeli Or Sasson, immerhin Olympiadritter von Rio 2016, wäre der zweite. Und dann würde wohl der topgesetzte russische Europameister Tamerlan Baschajew warten. Also, leicht wird es für den Schwergewichtler mit Sicherheit nicht.

Man darf gespannt sein, wie sich der Judo-Star im ehrwürdigen Budokan zu Tokio präsentieren wird. Ob wir einen Riner wie immer sehen werden, oder einen unsicheren, nicht mehr so dominanten? Riner – ein Teddy der anderen Art …

Foto oben: Teddy RINER im Flieger auf dem Weg nach Tokio. Hier will er als erst zweiter Judoka der Welt zum dritten Mal (in Serie) Olympiasieger werden. - @privat

Ähnliche Beiträge

  • Lotte Herzog beigesetzt

    Wie wir erst vor Kurzem erfahren haben, ist die Gattin des ehemaligen Präsidenten des Österreichischen Judo Verbandes und des langjährigen Präsidenten des Judo-Landesverbandes Wien Brigadier i.R. Josef Herzog, Lotte Herzog, vor einigen Tagen verstorben und am 24. Juni an der Seite ihres Gatten (verstorben 2016) am Waldfriedhof Purkersdorf beigesetzt worden. Diese Nachricht kam für uns…

  • 8 neue Dan-Träger

    Vergangenen Sonntag (15.12.) fand in Wimpassing (NÖ) die letzte Dan-Prüfung des heurigen Jahres statt. Insgesamt waren 40 Kandidatinnen und Kandidaten angereist, um entweder ihren ersten, oder den nächst höheren Grad zu erwerben. Unter den strengen Blicken der Kommission, darunter Vanessa Wenzl, Brigitte Tiefnig, Matthias Heinrich und Kurt Molik-Haibl, waren auch einige Judoka aus Wien. Acht…

  • Magda als Nr. 1 in den Pariser Kulttempel

    Was Wimbledon für die Tennis-Asse ist oder Monte Carlo für die Formel-1-Piloten, das ist Paris für alle Judoka. Die Accor-Arena, besser bekannt als „Omnisport de Bercy“, ist am Wochenende wieder einmal Schauplatz des traditionsreichen Grand Slam-Turniers. Und eine Wienerin ist in diesem Judo-Kulttempel als Nummer 1 gesetzt – Magda Krssakova (JC Sirvan/@IJF) in der Klasse…

  • „Wir rocken den Heim-GP“

    Nach Silber für Shamil Borchashvili (LZ Multikraft Wels / bis 81 kg) am Samstag schied der zweite rot-weiß-rote Judoka beim Grand Slam-Turnier in Taschkent am Sonntag aus. Der Salzburger Thomas Scharfetter (ESV Sanjindo) unterlag in seinem Auftaktkampf der Klasse bis 90 Kilo dem zweifachen russischen Europameister Mikhail Igolnikow (AIN) mit Ippon. Im Vorjahr war der…

  • Dojo ReOpening in Stadlau

    Am Montagabend wurde die Rundhalle Steigenteschgasse und Trainingsstätte des WAT Stadlau nach längerem Umbau mit einem zahlreich besuchten Randoritraining wiedereröffnet. Unter den Augen von Neo-Landesverbandspräsident und ehemaligem Stadlauer Horst Felzl schwitzten viele Wiener Judoka in der Donaustadt. „Es ist schön zu sehen, dass so zahlreich und auf so hohem Niveau hier trainiert wird“, so Felzl….

  • Latte für Wien liegt hoch

    Sieben Titel, die Hälfte aller möglichen, hatte es für Wiens Judoka 2018 bei der Staatsmeisterschaft in Krems gegeben – am Samstag in Kufstein liegt daher die Latte bei den diesjährigen Titelkämpfen hoch. Die ÖJV-Elite wird fehlen, da die Judoka nach dem Grand Slam in Osaka zum Masters nach Qingdao (ab 12. Dezember) weiterreisten. Daher haben…