Olympiasiegerin neuer ÖJV-Headcoach

2004 war sie Judo-Olympiasiegerin, 2021 wird sie neuer ÖJV-Headcoach! Die Deutsche Yvonne Bönisch (Foto: privat) setzte sich unter 25 Kandidaten aus 16 Ländern durch und wird ab kommenden Jahr in Österreich arbeiten. Bönisch, eine der besten Freundinnen der unvergessenen Claudia Heill, wird ihre Tätigkeit im Olympia-Stützpunkt Linz aufnehmen. Derzeit ist die Potsdamerin noch Damen-Trainerin in Israel. Nachstehend die Presse-Aussendung des ÖJV mit allen Details.

Presse-Aussendung des ÖJV vom 24.11.2020

Yvonne Bönisch wird ÖJV-Headcoach, Arbeitsbeginn: 1. Jänner 2021

Das österreichische Judo-Nationalteam wird ab 1. Jänner 2021 von einer Frau trainiert. Der ÖJV ist bei der Suche nach einem international erfahrenen Headcoach bei Yvonne Bönisch fündig geworden, der erfolgreichsten deutschen Judoka aller Zeiten. Zuletzt war die 39-jährige Potsdamerin vier Jahre als Frauen-Nationaltrainerin in Israel tätig.

„Uns ist ein Sensations-Coup gelungen“, betont Judo-Austria-Präsident Martin Poiger. In seiner Stimme schwingt Erleichterung und Stolz mit. Yvonne Bönisch, erfolgreichste deutsche Judoka aller Zeiten, Olympiasiegerin 2004 in Athen, studierte Diplom-Trainerin, zuletzt vier Jahre lang als Frauen-Nationaltrainerin in Israel tätig, wird neuer Headcoach des ÖJV-Nationalteams. Arbeitsbeginn: 1. Jänner 2021. „Der Abschied aus Israel fällt mir alles andere als leicht. Aber der Job in Österreich ist für mich ein nächster, wichtiger Karriere-Schritt“, sagt die Potsdamerin. Insgesamt hatten sich für die Stelle 25 Coaches aus 16 Nationen beworben. Die 39-Jährige steht als Headcoach dem sechsköpfigen Judo Austria-Trainerteam vor und wird vorrangig mit dem Olympia- bzw. Elitekader der Frauen und Männer arbeiten. Patrick Rusch fungiert als „Nationaltrainer Elite“.

„Vor zwei Jahren wurde ich schon einmal kontaktiert. Als ich Anfang September die Ausschreibung gesehen habe, war für mich schnell klar, dass ich mich bewerben will. Auch wenn der Zeitpunkt ein schwieriger ist: Durch die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio um ein Jahr kann ich meine Arbeit in Israel nicht planmäßig zu Ende bringen. Das tut mir leid. Aber eine Chance wie das ÖJV-Angebot bietet sich nicht alle Tage“, erzählt die gebürtige Potsdamerin. Welche Erfahrungen sie mit Österreich verbindet? „Jede Menge. Es begann vor 25 Jahren, als ich bei einem Nachwuchsturnier in Wels im Unter-16-Finale gegen Sabrina Filzmoser den Kürzeren zog. Wir wurden enge Freundinnen, der Kontakt ist nie abgerissen.“

„Yvonne bringt als Olympiasiegerin bzw. 2-fache Vize-Weltmeisterin und langjährige Nationaltrainerin im Ausland alle notwendigen Voraussetzungen mit. Sie ist zielstrebig, analytisch, kommunikativ und leidenschaftlich“, betont Martin Poiger. Auch Sabrina Filzmoser streut ihrer neuen Chef-Trainerin Rosen: „Sie ist fachlich und menschlich top. Wir hätten es nicht besser treffen können, Yvonne ist eine Idealbesetzung.“ Sportdirektor Markus Moser hofft „Wir warten seit 2008 auf eine Olympia-, seit 2010 auf eine WM-Medaille. Yvonne soll den Unterschied ausmachen.“

Olympiasiegerin Yvonne Bönisch über…

… ihre Erfahrungen als Trainerin: „Ich habe seit 2009 als Vereins- und Landestrainerin in Potsdam mit Burschen und Mädchen gearbeitet. Seit 2017 bin ich in Israel als Frauen-Nationaltrainerin tätig. Der Sprung ins Ausland hat mir definitiv gutgetan. Man bekommt neue Impulse, ist gezwungen, seine persönliche Komfortzone zu verlassen. Die Olympia-Medaillen von Yarden Gerbi und Or Sasson in Rio haben in Israel einen richtigen Judo-Boom ausgelöst – die Budgets wurden drastisch erhöht, die Trainerteams schrittweise aufgestockt. Deshalb hat man auch mich geholt. Das Erfolgsgeheimnis der Israelis ist leicht erklärt: Das Nationalteam ist in Netanja bei Tel Aviv stationiert, man trainiert 2 x pro Tag. Der Erfolg gibt ihnen Recht: Israel zählt zum Kreis der Top-10-Judo-Nationen.“

… Parallelen zwischen Österreich und Israel: „Punkto Einwohnerzahl und Infrastruktur sind beide Länder gut vergleichbar. Der Schritt, im Olympiazentrum Oberösterreich in Linz einen Bundesstützpunkt zu etablieren und das Nationalteam von Dienstag bis Donnerstag zusammenzuziehen, ist sicher sinnvoll. Wie gesagt: In Israel trainieren alle A-Kader-AthletInnen gemeinsam – 6 Tage die Woche, 2 x am Tag… Ich würde sagen: Als kleine Nation muss man diesen Weg gehen und die Ressourcen bündeln. Da bin ich mit Martin Poiger (ÖJV-Präsident) und Markus Moser (Sportdirektor) komplett auf einer Linie.“

… ihre Selbsteinschätzung als Trainerin: „Ich bin eine, die klare Ansagen macht, aber gleichzeitig auch Verständnis zeigt und mit den Aktiven auf Augenhöhe arbeitet. Ich würde mich als sehr ehrgeizig und zielorientiert beschreiben.“

… ihre Ziele mit Judo Austria: „Der Österreichische Judoverband braucht zählbare Erfolge – sprich Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften.  Idealerweise schreiben wir schon in Tokio 2021 an, sonst drei Jahre später in Paris.“

… ihren Triumph 2004 in Athen: „Lange her: Für mich war es der schönste Tag meiner Karriere als Leistungssportlerin. Ich war am Ziel meiner Träume. Meine Erfahrungen als Athletin helfen mir auch im Trainerjob. Ich weiß was es braucht, um erfolgreich zu sein. Mein Fokus als Coach liegt definitiv auf Tokio 2021, ganz sicher nicht in der Vergangenheit.“

Wolfgang Eichler/Presse ÖJV
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