Die Judo-WM in Baku ist zwar schon seit Sonntag im Gang, aber erst jetzt beginnt sie auch für das „Team Austria“ – als erste der sechs ÖJV-Judoka (plus zwei für den Mixed-Bewerb) ist am Mittwoch Lubjana Piovesana an der Reihe. Die 29-jährige Austro-Britin will in der Klasse bis 63 Kilo nach drei fünften Plätzen ihre erste „große“ Medaille. Auch wenn es bei diesem Klassefeld schwer werden wird – an Baku hat sie gute Erinnerungen. Hier hat Piovesana 2024 den Grand Slam gewonnen. Auf geht´s, „Lulu“!
Olympia-Fünfte 2024 in Paris, WM-Fünfte 2023 in Doha, EM-Fünfte 2024 in Zagreb – dreimal verlor Piovesana ihre Bronze-Kämpfe bei Großereignissen. Nun will sie endlich erstes Edelmetall. Auch wenn die Auslosung mit der relativ unerfahrenen Yeji Kim aus Korea günstig erscheint, sie muss danach weiter gewinnen, um ihre Chance zu wahren und ihren Traum zu leben. Aber schon in der zweiten Runde wartet mit Joanne Van Lieshout (NED) eine schwierig zu nehmende Hürde. Die Niederländerin ist Weltmeisterin 2024 und führt im Head-to-Head 3:2. Doch die beiden Siege gegen Joanne hat „Lulu“ bei den Grand Slam-Turnieren in – richtig! – Baku geschafft. Wenn das kein gutes Omen ist! Aber, Vorsicht – verliert Piovesana diesen Kampf, ist sie ausgeschieden und bleibt unplatziert.
„Es braucht sicher einen sehr guten Tag und die volle Konzentration, um gegen van Lieshout bestehen zu können. Aber Lulu kann, wenn sie so einen Tag hat, alle schlagen“, macht ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch ihrem Schützling Mut. „Und wenn sie diese Hürde packt, ist ihr eine Medaille zuzutrauen!“ Und sollte unsere Nummer 12 im Ranking tatsächlich die aktuelle Weltranglisten-Vierte schlagen können, müsste sie danach zumindest noch einen weiteren Sieg einfahren, um eine Platzierung zu fixieren. Das wird keine leichte Aufgabe, „Lulu“ – aber wir drücken dir alle verfügbaren Daumen …
Topgesetzt ist die japanische Titelverteidigerin Haruka Kaju, die heuer schon die Grand Slams in Tiflis und Ulaanbaatar gewonnen und 2025 drei Turniere auf der World Tour für sich entschieden hat. Gespannt darf man auch auf das Antreten der Französin Clarisse Agbegnenou sein. Die Olympiasiegerin von Tokio 2021 und sechsfache Weltmeisterin, mittlerweile 33 Jahre jung und im Ranking auf 38 abgerutscht, wurde im März zum zweiten Mal Mutter. Sie hat den Kleinen in Baku dabei – früh übt sich, wer einmal Judo-Champion werden will …
Der dritte Tag: Omori und Tanaka – Japan-Gold 4 und 5
Am Dienstag, dem dritten WM-Tag, holte Japan das vierte und fünfte Gold (von sechs möglichen) der Titelkämpfe in Baku. Akari Omori entthronte in einem umkämpften Finale bis 57 Kilo Titelverteidigerin Eteri Liparteliani (GEO) durch Osaekomi nach 2:01 Minuten im Golden Score und holte sich damit ihren ersten Weltmeistertitel. Und wenig später legte Ryuka Tanaka bis 73 Kilo nach – O-uchi-gari-Yuko im Golden Score gegen den starken Makhmadbek Makhmadbekov (UAE). Die WM in Baku wird, wie schon jene 2018 (damals 7 Gold), wieder zu japanischen Meisterschaften mit ausländischer Beteiligung …
Nur in einer Klasse siegte bisher ein Nicht-Japaner – Ahmad Yusifov (AZE) am Sonntag bis 60 Kilo. Ein zweites Gastgeber-Gold für Aserbaidschan blieb zwar aus, aber Rashid Mammadaliyev holte mit einem Golden Score-Sieg über Daniel Cargnin (BRA) wenigstens noch Bronze. Hingegen schied Paris-Olympiasieger Hidayat Heydarov (AZE) im Achtelfinale gegen Linz-Triumphator Giovanni Esposito (ITA) aus. Für das zweite bronzene Edelmetall sorgte Dayyam Boulemtafes (FRA) mit einem Ippon-Erfolg über den Israeli Yehonatan Elbaz.
Bei den Frauen konnte Omori (auf deren Gold übrigens unsere 57kg-Judoka Laura Kallinger gesetzt hatte) im Viertelfinale den Kampf gegen Momo Tamaoki nach Yuko-Rückstand noch mit Waza-ari drehen und dann im Semifinale Sarah Leonie Cysique mit Ippon bezwingen. Dabei verletzte sich die Französin leider, musste ins Spital und konnte nicht zum Bronze-Kampf antreten. So holte Ana Viktorija Puljiz (CRO) kampflos Bronze, Marica Perisic (SRB) die andere Bronzene. Nach Platz 5 am Montag für ihre Zwillingsschwester Mascha (erhielt 4 Sekunden vor Ende gegen Uta Abe bei Waza-ari-Führung die rote Karte) auch für Seija die nächste Enttäuschung im Hause Ballhaus (GER).
Nach drei Tagen führt Japan (5/0/2) die Medaillenwertung überlegen an, gefolgt von Aserbaidschan (1/0/1), Spanien (0/2/1) sowie Italien und Georgien (je 0/1/1). Mittwoch geht es ab 8.30 Uhr MESZ weiter …
Alle Ergebnisse aus Baku findet ihr hier.
Foto: "Lulu" Lubjana PIOVESANA (weißer Judogi) kämpft um ihre erste "große" Medaille - @Judo Austria / Oliver Sellner
