„Sister-Act 4.0“?

Wer „A“ sagt, muss auch „BE“ sagen, „ABE“ sozusagen – am Montag steht das erste echte Highlight dieser 39. Judo-Weltmeisterschaften in Baku ins Haus. Uta (bis 52 Kilo) und Hifumi Abe (bis 66 Kilo), fünffache und vierfacher Weltmeister, starten den Angriff auf ihr viertes Double: Gemeinsam haben sie neun WM-Goldene daheim hängen. Dreimal schon haben die beiden Geschwister am selben Tag WM-Gold geholt. Gibt es den „Sister-Act 4.0“?

Kurioserweise war es in der „National Gymnastics Arena“ von Baku, als sie und er 2018 als erstes Geschwisterpaar im Judo überhaupt am selben Tag Weltmeister wurden. Der um drei Jahre ältere Hifumi hatte schon 2017 in Budapest WM-Gold geholt, für Uta war es die Premiere. Zwei weitere WM-Titel am selben Tag sollten folgen – 2022 in Taschkent und 2023 in Doha (siehe Statistik unten). Auch wenn beide, weil nicht oft auf der IJF World Tour zu Gast, nicht die aktuelle Nummer 1 im IJF-Ranking sind – so haben beide das Zeug dazu, auch in Baku 2026 wieder die Krone zu holen. Uta wird wohl die Titelverteidigerin Assunta Scutto (ITA) als größte Konkurrentin haben, Hifumi muss die höchste Hürde wohl im eigenen Lager nehmen: Takeshi Takeoka ist Titelverteidiger und Nummer 1 der Welt bis 66 Kilo.

So großartig die beiden Abe´s auch sind, so schön ihr erster gemeinsamer Olympiasieg am selben Tag bei den Spielen im eigenen Land (2021 in Tokio) war – beide hatten auch schwere Rückschläge und Enttäuschungen hinnehmen müssen. Uta 2024 in Paris, als sie im Olympia-Viertelfinale von der damaligen Weltranglisten-Ersten Diyora Keldiyorova (UZB) mit Ippon auf die Matte geworfen wurde, in Panik einen Schreikampf erlitt und minutenlang wie ein Schlosshund heulte. Und Hifumi 2019 im Wohnzimmer namens Budokan, als er im Semifinale der WM in Tokio seinem Team-Kollegen Joshiro Maruyama, dem „King of Uchi Mata“, nach 7:48 Minuten Kampfzeit mit Waza-ari (Sumi gaeshi) unterlag und dann „nur“ Dritter wurde.

Doch über allem steht bei beiden die Olympia-Blamage im Mixed-Bewerb – sowohl 2021 in Tokio als auch 2024 in Paris wurden die Töchter und Söhne Nippons mit Finale von Frankreich geschlagen. Diese beiden Stachel saßen am tiefsten. Jetzt in Baku geht es „nur“ um den „Sister-Act 4.0“ – das große und wohl letzte Ziel für beide sind die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Vielleicht wieder mit einem „Sister-Act“, aber ganz sicher mit der Revanche-Ansage an die Franzosen …

WM-Titel von Uta (26) und Hifumi Abe (29) und jene am selben Tag

29.08.2017

Budapest

Hifumi Abe

Uta Abe

21.09.2018

Baku

Hifumi Abe

Uta Abe

26.08.2019

Tokio

Uta Abe

07.10.2022

Taschkent

Hifumi Abe

Uta Abe

08.05.2023

Doha

Hifumi Abe

Uta Abe

14.06.2025

Budapest

Erster Tag: Scutto-Koga, Yusifov-Davlatov

Gleich am ersten WM-Tag gab es die eine oder andere Überraschung. Bei den Männern verlor am Sonntag bis 60 Kilo Titelverteidiger Ryuju Nagayama das Semifinale im Golden Score gegen Sherzod Davlatov (KAZ), der im Finale auf Lokalmatador Ahmad Yusifov (AZE) trifft. Bis 48 Kilo bei den Frauen war für die Weltranglisten-Erste Xinran Hui (CHN) die WM schnell vorbei – sie verlor gegen Titelverteidigerin Assunta Scutto. Die Italienerin steht nach starker Vorstellung wieder im WM-Finale gegen Wakana Koga (JPN). Der Finalblock beginnt um 16 Uhr MESZ (ab 16.50 in ORF Sport+).

Foto: Dreimal bei Weltmeisterschaften, und auch bei Olympia, feierten sie schon das "Double am selben Tag" : Uta und Hifumi Abe - @IJF / Tamara Kulumbegashvili

xxx

xxx

Ähnliche Beiträge

  • 8 neue Dan-Träger

    Vergangenen Sonntag (15.12.) fand in Wimpassing (NÖ) die letzte Dan-Prüfung des heurigen Jahres statt. Insgesamt waren 40 Kandidatinnen und Kandidaten angereist, um entweder ihren ersten, oder den nächst höheren Grad zu erwerben. Unter den strengen Blicken der Kommission, darunter Vanessa Wenzl, Brigitte Tiefnig, Matthias Heinrich und Kurt Molik-Haibl, waren auch einige Judoka aus Wien. Acht…

  • WM der Superlativen

    Sieben der 14 Olympia-Champions von Paris, elf Weltranglisten-Erste, 111 Judoka aus den Top Ten – die am Freitag in Budapest beginnende WM könnte eine der Superlativen werden. Ungewöhnlich im nacholympischen Jahr, zudem beginnt der Qualifikations-Zyklus für die Spiele 2028 erst im nächsten Jahr. Als erster der zehn ÖJV-Judoka tritt am Eröffnungstag Daniel Leutgeb (LZ Multikraft…

  • Sayonara – Teil 5

    866 Judoka aus 149 Ländern wurden für die Judo-WM 2019 in Tokio (25. August bis 1. September) registriert. Einige von ihnen sind absolute Weltstars. Wir beurteilen im heutigen fünften Teil unserer Serie „Sayonara“ die Chancen der Favorits in den einzelnen Gewichtsklassen. DIE STARS DIESER WM – Konichiwa … Mag sein, dass bei der WM auch…

  • Von einstimmig bis zur Quoten-Rechnerei

    Während am Fronleichnams-Tag der seit 2007 im Amt befindliche Marius Vizer (Bild/@Gabriela Sabau) als IJF-Präsident einstimmig wiedergewählt wurde, bereiten sich acht ÖJV-Judoka auf die am Sonntag beginnende WM in Budapest vor. Für drei von ihnen könnte es für die Olympia-Qualifikation noch eine Rechnerei werden. Dabei stehen eine direkte Qualifikation, eine über die Kontinental-Quote und ein…

  • Magda als Nr. 1 in den Pariser Kulttempel

    Was Wimbledon für die Tennis-Asse ist oder Monte Carlo für die Formel-1-Piloten, das ist Paris für alle Judoka. Die Accor-Arena, besser bekannt als „Omnisport de Bercy“, ist am Wochenende wieder einmal Schauplatz des traditionsreichen Grand Slam-Turniers. Und eine Wienerin ist in diesem Judo-Kulttempel als Nummer 1 gesetzt – Magda Krssakova (JC Sirvan/@IJF) in der Klasse…

  • Sayonara – Teil 12

    Was wäre der Sport, egal welcher, ohne seine Fans? Auch im Judo gibt es sie, und in Japan sehr viele sogar. Aber auch die Österreicher, die überall hin mitreisen – im Teil 12 unserer Serie „Sayonara“ beleuchten wir heute einmal die Seite der Judo-Fanatiker. DIE BESTEN FANS – Dass die Japaner nicht gern und nicht…