„Ich will Gold“, hatte Leonie Bayr im Vorfeld des Unter-21-Europacups in Graz als Ziel ausgegeben. Die 19-jährige Wienerin vom Judoclub Vienna Samurai hat ihr Ziel erreicht. Und jetzt Lust auf mehr: „Ich glaube, ich bin stark genug, Juniorinnen-Europameisterin zu werden“, lacht die Blondine. Aber ihr eigentliches, großes Ziel ist ein anderes: „Ich will spätestens im Herbst auch Ergebnisse in der Allgemeinen Klasse liefern und in die Spitzensport-Förderung aufgenommen werden.“ Am Sonntag gab es den zweiten Sieg für Rot-Weiß-Rot.
Gefeiert hat Leonie nach ihrem (ersten) Triumph beim Junioren-Europacup nicht viel. „Party ist nicht so mein Ding. Eine Cola mit den Trainern, bei denen ich mich eh bedanken wollte und muss.“ Zum einen bei Junioren-Nationaltrainer Jaromir Jezek, der voll des Lobes war: „Leonie ist eine harte Arbeiterin und setzt taktische Vorgaben perfekt um. Ich traue ihr jetzt eine Medaille bei der EM und sogar WM zu.“ Stolz war auch Bayrs Heimtrainer Norbert Stumpf, der tagtäglich mit der 19-Jährigen auf der Matte arbeitet. „Dieser Sieg von Leonie gibt mir die Gewissheit, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Erstaunlich, wie reif sie schon aufgetreten ist in ihren fünf Kämpfen, die sie alle letztlich souverän gewonnen hat.“
„Im ersten Kampf gegen die Montenegrinerin bin ich nach zwei Shidos schon mit dem Rücken zur Wand gestanden“, sagt Leonie. „Aber dann hab ich umgestellt, bin aktiver und aggressiver geworden und sie hat am Boden gleich aufgegeben.“ Gegen die Rumänin sei sie gut, gegen die Holländerin sehr gut gewesen. „Ich hab in beiden Kämpfen auf das dritte Shido hingearbeitet, aber mit jeweils einer Wertung ging´s dann auch“, lacht sie. Beide Kämpfe gewann sie mit Yuko. Gegen Camara hat es dann mit dem Hansokumake geklappt. „Ich hatte die Brasilianerin eigentlich stärker erwartet. Ich habe bei den Kadetten, wo sie Vize-Weltmeisterin war, einmal gegen sie verloren. Das war jetzt die Revanche!“ Und auch im Goldkampf gegen Diana Benkova (POL) drehte Leonie den Spieß um. „Ich hab in Posen gegen sie verloren, war diesmal taktisch besser eingestellt und hab mir vor dem Finale gesagt: „Das lass ich mir nicht nehmen, diesem Heimsieg hole ich mir. Und es hat auch geklappt.“
Jetzt heißt es aber, nach vorne zu schauen. Vor der EM Anfang September in Podgorica (MNE) gibt es noch Europacups (Berlin, Prag, Paks, Skopje). „Welche ich kämpfe, ist noch offen. Sicher nicht alle“, sagt Leonie. Und in Montenegro hat sie ein besonderes Ziel: „Ich will Europameisterin werden. Und dann im November in Taschkent auch eine WM-Medaille holen.“ Nebenbei aber kämpft sie auch um die Chance, in der Allgemeinen Klasse in den Leistungskader zu kommen. „Ich habe im Vorjahr maturiert, aber noch mit keinem Studium begonnen. Ich will zuerst im Spitzensport Fuß fassen.“ Im Juli wird Leonie 20, in sechs Jahren sind die Olympischen Spiele 2032 in Brisbane – mit 26 hätte sie dann das ideale Alter. „Step by step – natürlich wäre Olympia einmal ein großes Ziel. Ich weiß, der Weg dorthin ist lang und hart. Aber ich werde um meine Chancen kämpfen!“ Bayrs Lust auf mehr …
Auch Schinwald holte Gold!
Am Sonntag gab es den zweiten Triumph für eine Österreicherin! Marlene Schinwald (Raika Flachgau) gewann die Klasse bis 57 Kilo mit insgesamt fünf Siegen. Im Finale gegen die ein Jahr jüngere Giulia Sorelli (ITA), die schon drei Kadetten-Europacups und einen bei den Junioren (Podgorica 2025) gewonnen hat, setzte sie sich mit Yuko durch. Für die 19-jährige Salzburgerin, die heuer schon Zweite in Posen und 2025 Zweite in Maribor sowie Dritte in Prag war, ist es bereits die vierte Europacup-Medaille. Und die erste in Gold! Sie brachte sozusagen das gleiche Kunststück zuwege wie tags zuvor Leonie Bayr.
Auch wenn Junioren-Weltmeisterin Nicole Marques schon in Runde 2 bis 52 Kilo ausschied, war Brasilien (4/2/2) vor Frankreich (3/2/4) und Aserbaidschan (2/0/3) die erfolgreichste Nation. Aber schon dahinter ist Österreich dank Bayr und Schinwald mit zwei Goldenen auf Rang vier unter den 34 Nationen (617 Judoka) zu finden. Der erfolgreichste Heim-Europacup der Junioren im schmucken Grazer Raiffeisen-Sportpark! Je einen Klassensieg holten Georgien, Italien und Slowenien. Eine weitere Goldene haben sich mit Sicherheit die Organisatoren rund um ÖJV-Generalsekretärin Corina Korner verdient. Graz ist für höhere Herausforderungen bereit! Im Anschluss an das Turnier folgt nun noch ein Trainingslager.
Alle Ergebnisse aus Graz findet ihr hier.
Gümüskaya in Sarajevo Siebenter
Beim Europacup in Sarajevo erreichte Leon Gümüskaya (Vienna Samurai) in der Klasse bis 81 Kilo den siebenten Platz. Der Wiener gewann zunächst gegen den bosnischen Lokalmatador Bakir Sabic mit Ippon, verlor aber im Achtelfinale gegen den Slowenen Igor Tsurkan ebenso vorzeitig. In der Trostrunde bezwang der 23-Jährige Kuba Den Broeder (NED) und Muhammed Koc (TUR) jeweils mit Ippon, ehe er im Duell um den Einzug in den Bronze-Kampf Ante Ivan Begic (CRO) mit Ippon unterlag. Dennoch schaffte es eine Österreicherin aufs Podest: Lisa Peherstorfer (UJZ Mühlviertel) wurde bis 48 kg Zweite, verlor nur das Finale gegen Elena Guarducci (ITA) mit Ippon.
Schon am Samstag hatte es für Österreich durch Firas Ben Saad einen weiteren siebenten Platz (bis 73 kg) sowie für Mansur Abubakarov (bis 60 kg) und Phillip Aust (bis 73 kg) jeweils Rang 5 gegeben. Der in Wien lebende Aust (JC Klosterneuburg) feierte vier Siege, musste sich aber im Viertelfinale und dann im Kampf um Bronze (gegen Attila Uveges (HUN / mit Yuko) geschlagen geben.
Die Türkei (3/3/2) war vor Kroatien (3/1/3) und Russland (2/2/1) die erfolgreichste der 21 Nationen (249 Judoka). Sechs weitere Länder (BUL, GER, HUN, ITA, SLO, SRB) stellten je einen Klassensieg. Österreich wurde in der Nationenwertung mit einmal Silber sowie je zwei fünften und siebenten Plätzen Zwölfter.
Alle Ergebnisse aus Sarajaveo findet ihr hier.
Foto: Leonie BAYR (weißer Judogi) im Finale des U21-Europacups in Graz - @Judo Austria / Oliver Sellner
