Kein Abenteuer

Organisatorisch top, sportlich – ausgenommen Michaela Polleres und die Jungen – flop. So kann man den vierten Linzer Grand Prix 2026 am vergangenen Wochenende in einem Satz beschreiben. Daher gab es von ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch ungewohnt harsche Kritik. Zur Zukunft des Heim-Turniers auf der IJF World Tour hofft ÖJV-Präsident Martin Poiger, den Vertrag bis Ende Juni für weitere vier Jahre verlängert zu haben. „Aber wir lassen uns sicher auf kein Abenteuer ein!“

Bei den drei Grand Prix-Turnieren davor hat es seit 2023 immer mehr als eine Platzierung für das rot-weiß-rote Team gegeben. 2023 sogar Gold für Shamil Borchashvili (bis 81 Kilo) und Bronze für Thomas Scharfetter (bis 90), 2024 Bronze für Polleres (70) und Laurin Böhler (bis 100 Kilo), der am Sonntag seine internationale Karriere beendete, und im Vorjahr Bronze durch Bernd Fasching (bis 81 kg), dazu Platz 5 durch Samuel Gassner (73) und Rang 7 für die immer noch verletzte Wienerin Jacqueline Springer (48). Heuer nur Gold durch Polleres – ALLE anderen 40 Judoka schieden aus.

Sosehr der Sieg der stark verkühlten Niederösterreicherin alle freute, so enttäuscht war man beim Heimturnier von den anderen. „Der eine oder andere Umfaller ist verkraftbar, aber dass aus dem Nationalteam-Kreis so gut wie alle auslassen, das ist schwer zu akzeptieren“, resümierte die sichtlich angefressene Snir-Bönisch. Von der Kritik ausgenommen sind explizit alle Unter-21-Judoka. „Für die galten andere Maßstäbe – die Jungen sollen Erfahrungen sammeln und sich in Ruhe weiter entwickeln. Aber von unseren Top-Assen erwarten wir uns andere Auftritte und zählbare Resultate.“

Freilich waren einige – wie die Olympia-Fünfte Lubjana Piovesana (63 kg) oder auch die Junioren-Weltmeisterin Elena Dengg (70) wegen Verletzungen nicht dabei, und der nicht fitte Scharfetter konnte gar nicht antreten, dazu kamen auch noch Fehler mangels Routine. So führte etwa der Steirer Marcus Auer bis 66 Kilo gegen den Olympia-Dritten Denis Vieru (MDA) bis neun Sekunden vor dem Ende mit drei Yuko-Wertungen und verlor dennoch. Und auch der Wiener Adam Borchashvilli (bis 100 kg) sollte von zu harter Kritik ausgenommen sein. Er lieferte dem Kasachen Marat Baikamurov einen heroischen Kampf, den er erst im Golden Score mit 2:3 Yuko verlor.

Seit heute sind 18 ÖJV-Judoka zum fünftägigen Training im tschechischen Nymburk, wo 800 Judoka aus 50 Nationen als Partner zur Verfügung stehen. Jetzt heißt es, die Lehren aus dem Abschneiden in Linz zu ziehen und neue Ziele zu setzen. Denn die EM Mitte April in Tiflis naht, im Juni beginnt die Olympia-Qualifikation für Los Angeles 2028 und im Oktober steht die WM in Baku an.

Nach dem Grand Prix in Linz ist vor dem Grand Prix im nächsten Jahr. Aber OK-Chef Manfred Reisinger, der normalerweise immer kurz nach dem Event seine Mannschaft zusammenholt und schon das nächstjährige Turnier bespricht, muss diesmal warten. Denn der Vertrag ist heuer ausgelaufen, soll möglichst bis Ende Juni verlängert sein. „Wir haben den Termin 12. bis 14. März 2027 schon fixiert, aber es sind noch Gespräche offen. Ich bin guter Dinge, dass es auch 2027 einen Grand Prix in Linz geben wird“, sagt Poiger. „Bis auf ein paar Kleinigkeiten hat alles bestens funktioniert. Mein Dank gilt auch unserer Generalsekretärin Corina Korner, die seit Monaten alles vorbereitet hat.“

Dass heuer fast 500 Judoka aus 59 Ländern in die Tips-Arena kamen, sich alle in Oberösterreich wohl fühlten, spiegelt sich auch in der offiziellen Presse-Aussendung der IJF zum Grand Prix wider. „Es war ein Wirbelsturm von einem Turnier in Linz! Drei Tage hochkarätige Konkurrenz in der Tips Arena haben uns unvergessliche Erinnerungen an diese vierte Ausgabe des Upper Austria Grand Prix beschert“, heißt es da. Ein größeres Lob aus der großen Judo-Welt könnte es kaum geben.

Deshalb wäre es schade, gäbe es keinen fünften Grand Prix auf der Gugl. „Sollten wir den Vertrag nicht verlängern können, müssen wir uns etwas anderes überlegen. Aber ich glaube schon daran, dass wir uns 2027 in Linz alle wiedersehen“, sagt Poiger. Das hoffen die Judo-Fans natürlich auch …

Alle Ergebnisse aus Linz findet ihr hier.

Foto oben: ÖJV-Headcoach Yvonne SNIR-BÖNISCH (hier mit Marcus AUER) war in Linz "not amused" - Foto unten: Das Siegerbild der 70-Kilo-Klasse mit Michaela POLLERES (Zweite von links) - @Judo Austria / Oliver Sellner (2)

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