Ausgesperrt – Bronze

45 ÖJV-Judoka hätten an diesem Wochenende am ersten Kadetten-Europacup im slowakischen Samorin teilnehmen sollen, jetzt sind es um acht weniger. Weil für einige nicht-österreichische Staatsbürger die bei der IJF zu beantragende Sonderstartgenehmigungen nicht rechtzeitig eingetroffen sind. So müssen leider unter anderen die Wiener Sergios Samartzidis und Schwester Maria Samardzhidi vom Judoklub Ratiborets, die beide vor drei Wochen österreichische Unter-18-Meister geworden waren, beim ersten Qualifikationsturnier des neuen Jahres zuschauen. Sie sind ausgesperrt! Eigentlich ein handfester Skandal – dennoch ein Happy-End am Samstag: Helin Türk (Vienna Samurai) holte Bronze bis 52 Kilo.

Laut IJF-Reglement haben „young immigrants“ (Nachwuchs-Judoka mit einer anderen Staatsbürgerschaft als jenes Land, für das sie antreten wollen) in Verantwortung der Sportler:innen selbst bzw. ihrer Trainer eine Sonderstartgenehmigung zu beantragen, die ab Ausstellung ein Jahr gültig ist. Diese Startberechtigung wurde in den letzten Jahren immer recht schnell ausgestellt, kann aber bis zu sechs Wochen dauern. Die Anträge wurden nach der österreichischen U18-Meisterschaft vor drei Wochen gestellt, aber von der IJF nicht rechtzeitig für das Turnier in Samorin bearbeitet bzw. genehmigt. Somit kein Start bei diesem Turnier.

„Das ist sehr ärgerlich“, kommentiert Nachwuchs-Nationaltrainer Martin Grafl die Situation, die acht ÖJV-Judoka betrifft. „In der Vergangenheit hat es immer weit weniger als sechs Wochen gedauert. Das ist sehr schade für unsere betroffenen Judoka“, sagt ÖJV-Sportdirektor Markus Moser zu diesem Fall. Was Moser nicht nachvollziehen kann: „Bei Helin Türk kam die Startgenehmigung rechtzeitig, bei anderen nicht.“ Die Wienerin holte bis 52 Kilo nach einer Auftakt-Niederlage und fünf Siegen in der doppelten Trostrunde dBronze – das „kleine Finale“ gewann die Leopoldstädterin gegen Kateryna Kotova (UKR) mit 2:1 Yuko im Golden Score.

Neben Türks Bronze gab es noch Platz 5 fürIsabella Stögmann (ASKÖ Reichraming / bis 52 Kilo) sowie zwei siebente Plätze für die Wienerin Laura-Sophie Kunyik (Samurai / bis 48 Kilo – zwei Siege, zwei Niederlagen) und Jasmina Mantaeva (UJZ Mühlviertel / bis 48 kg). Das bedeutet in der Nationenwertung vorerst Platz 12 unter 22 Ländern (626 Judoka). Polen (4/1/0) war am Samstag überlegen, gefolgt von der Ukraine (1/1/5), Georgien (1/1/2), Russland (1/1/0) und Ungarn (1/0/1).

Aber zurück zum Starterlaubnis-Problem: Sergios, österreichischer Meister Unter 18 und Vizemeister Unter 23 vor drei Wochen in Linz, ist schockiert und schwer enttäuscht: „Ich hatte für Samorin so viel vor, wollte nach meinem Ausscheiden im Vorjahr eine Medaille.“ Doch die Bürokratie verhinderte sein Antreten, obwohl er griechischer und somit EU-Staatsbürger ist sowie sein und andere Profile auf der IJF-Seite mit der rot-weiß-roten Flagge und „AUT“ als Nation ausgestattet sind. Übrigens ist mit Anna eine weitere Schwester Sergios betroffen, und drei weitere Judoka aus Wien.

Auf dem Rücken der Judoka

Es ist klar, dass es im Sport Regeln und Reglements geben muss. Es erscheint auch klar, dass man gerade bei Immigranten genau hinschauen muss. Aber diese ominöse Sonderberechtigung der IJF ist in Wahrheit nur ein Formalakt. Unverständlich, dass sich die IJF im Zeitalter der Digitalisierung dafür bis zu sechs Wochen Zeit lassen darf und betroffene Judoka kein Anrecht darauf haben, dass es schneller geht. Goodwill, oder auch Bürokratie auf dem Rücken der jungen Sportler und Sportlerinnen. Die Unter-18-Jährigen haben gerade mal drei Turniere, um sich für ein Großereignis (EM/WM) zu qualifizieren. Die erste Chance wurde ihnen von Schreibtischtätern genommen. Sehr schade, und alles andere als im Sinne des Sports …… Joe Langer

Die Meinung des Autors muss nicht mit jener des Judo-Landesverbandes Wien übereinstimmen

Laibach: Wiener am Sonntag

Usbekistan (2/0/1) war am ersten Tag des European Open in Laibach die erfolgreichste Nation vor Gastgeber Slowenien (1/1/0) sowie Italien und Ungarn (je 1/0/1). Die ÖJV-Athleten am Samstag schieden aus. Am weitesten kam noch der für Klosterneuburg startende Wiener Phillip Aust (bis 73 Kilo), der nach zwei Siegen erst im Achtelfinale verlor. Die beiden Judoka von Wiener Vereinen sind am Sonntag an der Reihe: Laura Kallinger (Judoring Wien) bis 57 Kilo und Fabian Zellmann (Galaxy Tigers) bis 81 Kilo.

Foto: Bei der U18-Meisterschaft gingen die Daumen noch hoch, jetzt ist Sergios SAMARTZIDIS schwer enttäuscht - @Judo Austria / Oliver Sellner

Ähnliche Beiträge

  • Wien verteidigt zwei Titel

    Am Samstag (9.30 Uhr Vorrunden, 17 Uhr Finalblock) finden in der Sporthalle Eferding (OÖ) die diesjährigen Judo-Staatsmeisterschaften statt, bei denen Wien zwei Titel zu verteidigen hat. Bernd Fasching (bis 81 kg) und Movli Borchashvilli (über 100 kg/beide M+R Galaxy) werden auch diesmal um den Titel kämpfen. Während der dreifache EM-Medaillengewinner Stephan Hegyi (über 100 kg/SC Hakoah) wegen seines dritten Kreuzbandrisses ausfällt,…

  • Comeback in Linz

    Nach fast zwei Jahren nimmt das Comeback von Magdalena Krssakova Formen an – die Vize-Europameisterin von 2020 sollte schon beim European Open am Wochenende in Laibach auf die Tatami zurückkehren, nimmt aber in Slowenien nur am anschließenden Trainingslager teil. Ihr internationales Comeback gibt die 31-jährige Wienerin vom JC Sirvan dann in drei Wochen beim Grand…

  • Historische Stätte in gähnender Leere

    Als wir in der letzten August-Woche des Jahres 2019 diese ehrwürdige Stätte betraten und die Kämpfe der Judo-Weltmeisterschaften als Generalprobe für die Olympischen Spiele 2020 verfolgten, dachte wohl niemand, dass einerseits das größte Sportfest der Welt um ein Jahr verschoben und dann ohne Zuschauer stattfinden würde – aber die COVID-Pandemie hat den geplanten Ablauf verhindert….

  • Budapest, Baku, Kasachstan

    Osteuropa regiert die Judo-Welt, zumindest Weltmeisterschaften betreffend. Denn die nächsten drei Welttitelkämpfe sind durchwegs östlich von Österreich. 2025 in Budapest, 2026 in Baku und 2027 in Kasachstan. Am Montag gab die IJF bekannt, dass eine Woche nach der Fixierung der WM 2027 auch jene von 2026 vergeben wurde. An Aserbaidschan, wo es sehr erfolgreiche Judoka…

  • Sayonara – Teil 14

    Olympia-Zweiter, zwei WM-Medaillen, zweimal Europameister, insgesamt sieben EM-Medaillen – Ludwig „Lupo“ Paischer war Österreichs Top-Judoka der letzten 15 Jahre. Jetzt lebt er in Japan, arbeitet im Sportmarketing-Bereich – und traf bei der WM in Tokio viele Freunde aus der Heimat. Teil 14 unserer Serie „Sayonara“ befasst sich mit dem nun 37-jährigen Salzburger. LUPO – SEIN…

  • „Eines der besten Turniere“

    Eigenlob stinkt, sagt man. Aber es ist tatsächlich so, wie es ÖJV-Präsident Dr. Martin Poiger ausdrückt: „Linz ist zu einem der besten Turniere auf der World Tour geworden!“ Bei der dritten Auflage des „Upper Austria Grand Prix“ in der an allen drei Tagen gut gefüllten „TipsArena“ war es sportlich okay, aber nicht berauschend. Immerhin gab…