Kein Happy End für Bernd

Der Wiener Bernd Fasching (M&R Galaxy Judotigers) knabberte bei der Unter-23-EM in Potsdam an der Bronzemedaille bis 81 Kilo, wurde am Ende aber – wie tags zuvor seine Wiener Teamkollegin Laura Kallinger (Judoring / bis 57 kg) – „nur“ Fünfter. Dabei schlug der Staatsmeister am zweiten EM-Tag den aktuellen Junioren-Weltmeister Mihail Latisev (MDA) nach 2:25 Minuten mit Ippon, nachdem er wenige Sekunden davor schon für sich ein Waza-ari für eine Beintechnik verbucht hatte. Aber Fasching unterlag im Viertelfinale dem Belgier Jarne Duyck, arbeitete sich über die Trostrunde zum „kleinen Finale“ gegen Magerram Imamverdiev (AZE) vor, das Bernd bei 1:1 Waza-ari Sekunden vor dem Ende verlor – kein Happy End für den Wiener, der vier Tage davor 20 Jahre wurde. Die anderen ÖJV-Athleten, darunter zwei Wiener, schieden am Samstag aus. Somit blieb Bronze für Lisa Grabner (JC Wimpassing / bis 57 kg) am Freitag Österreichs einzige Medaille dieser Titelkämpfe in der Berliner Vorstadt.

Fasching startete mit zwei Ippon-Siegen ins EM-Turnier – zuerst ließ er dem Mazedonier Edi Sherifovski keine Chance und beendete den Kampf nach 2:58 Minuten mit dem zweiten Waza-ari. Dann sorgte er mit dem Sieg über Latisev für eine Überraschung, die ihm das Viertelfinale bescherte. Doch da war gegen Duyck Endstation – in einem ausgeglichenen Kampf war die erste Wertung nach 3:34 Minuten im Golden Score auch die entscheidende zugunsten des starken Belgiers. Der Galaxy-Judoka kam in die Trostrunde, in der er mit einem Ippon-Sieg über den Schweizer Loic Gerosa (nach 1:05 Minuten mit Ura-Nage) die Chance auf Bronze wahrte. Doch geriet er im „kleinen Finale“ gegen den Aserbaidschaner schnell mit Waza-ari (Tai-otoshi) in Rückstand, konnte mit Ura-Nage ausgleichen, schien im Finish der besserer Judoka zu sein – aber Sekunden vor dem Ende der Kampfzeit flog er entscheidend. Aus der Traum von EM-Edelmetall, echt schade! Aber Bernd beeindruckte mit seiner vielfältigen Judo-Technik nicht nur die Zuschauer, sondern auch die (deutschen) JudoTV-Kommentatoren Annett Böhm (Olympia- und WM-Dritte) und Ole Bischof (Olympiasieger 2012) …

Ausgeschieden sind mit Erstrunden-Niederlagen Faschings Galaxy-Klubkollegen Magamed (bis 81 kg) und Movli Borchashvilli (über 100 kg). Magamed zog gegen Fabrycjusz Tarkowski (POL) mit Waza-ari den kürzeren, Movli unterlag Darius Georgescu /RUM) nach 2:05 Minuten im Golden Score mit Seoi-Nage. Am Freitag hatte es für Österreich eine Bronzemedaille für Lisa Grabner (Wimpassing / bis 57 kg) gegeben – es blieb die einzige ÖJV-Medaille. „Wir waren hier mit insgesamt 13 Talenten am Start. Da hätten wir uns – ehrlich gesagt – am Ende schon mehr als eine Bronzemedaille erwartet“, bilanzierte ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch. „Rein vom Talent her haben wir ein starkes Team, aber es unterlaufen allen noch zu viele kleine Fehler oder Unachtsamkeiten. Wahrscheinlich werden wir unsere Youngsters künftig verstärkt zu Turnieren schicken, damit sie Wettkampferfahrung sammeln können“, so die 42-Jährige „Hausherrin“ in ihrer Potsdamer Heimat.

Am zweiten und letzten Tag der Einzelbewerbe waren Georgien und Italien mit je zweimal Gold am erfolgreichsten, auch die deutschen Gastgeber kamen zu einem Titel. In der Medaillenwertung blieben aber die Niederlande (3/1/2) vorn, gefolgt von Georgien (2/2/1) und der Ukraine (2/2/0). Auch Ungarn und Italien holten je zweimal Gold, Spanien, Deutschland und die Republik Moldau verbuchen je einen Klassensieg. Unter den 36 Nationen (plus ein Refuge-Team) scheint Österreich an 16. Stelle auf (einmal Bronze, zweimal Fünfte, einmal Siebenter). Sonntag gibt es noch den Mixed-Bewerb mit neun Teams – Österreich trifft dabei zum Auftakt auf Polen.

Foto: Bernd Fasching (weiß, hier gegen den Belgier Duyck) verpasste Bronze knapp - @EJU / Carlos Ferreira

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