50 Jahre WM Wien

Judo-WM 1975 in Wien

Vor exakt 50 Jahren, am 23. Oktober 1975, wurde in der Wiener Stadthalle die neunte Judo-WM (der Männer) eröffnet. Es war eine großartige Weltmeisterschaft vor jeweils 6.000 Zuschauern an den drei Wettkampftagen – mit einer Platzierung für Österreich: der leider schon verstorbene Hans Pollak (JC Manner Wien) wurde in der Klasse bis 93 Kilo Siebenter. Wir blicken auf die ersten Welttitelkämpfe on Österreich zurück.

274 Judoka aus 45 Nationen hatten damals den Weg in die Wiener Stadthalle gefunden. Österreich stellte neun Athleten, nämlich bis 63 Kilo den Steirer Jürgen Radspieler und den Welser Willi Reizelsdorfer, der heute noch in seinem Klub aktiv ist. Bis 70 Kilo waren es die Salzburger Helmut Oberhuber und Gerhard Jungwirth (leider verstorben), dessen Bruder Gerold Jungwirth und der Wiener Eduard Aellig (JC Manner) traten bis 80 Kilo an. Jungwith wurde übrigens heuer beim Upper Austria Grand Prix in Linz für seine WM-Teilnahme geehrt. Bis 93 Kilo stieg neben Pollak auch Alfred Reichl auf die WM-Tatami. Im Schwergewicht und in der Offenen Klasse, in der sich auch Pollak versuchte, trat der Tiroler Riese Reinhold Gangl an.

Eine Platzierung – Rang 7 nämlich – gelang nur einem: Hans Pollak. Der damals 27-jährige Wiener, der zweimal Militär-Weltmeister geworden war, hatte eine denkbar schlechte Auslosung in der Klasse bis 93 Kilo. Er traf in seinem ersten Kampf auf den späteren Finalisten Michinori Ishibashi aus Japan, der vier Jahre jünger war als Pollak. Da Ishibashi seinen Pool gewann, kam Pollak in die Trostrunde, in der er zwei Siege – gegen den Jugoslawen Petrovic und Jens Nordestgard (DEN) – feierte, ehe er dem Briten Peter Donnelly unterlag, wodurch Pollak der Bronze-Kampf verwehrt blieb. Das Finale verlor Ishibashi übrigens gegen Jean-Luc Rouge, der damit für Frankreichs ersten Judo-WM-Titel in der Geschichte sorgte (siehe Bericht morgen).

Die WM stand zwar im Zeichen der Japaner, die vier von sechs Kategorien für sich entschieden, aber auch zwei schmerzliche Schlappen hinnehmen mussten. Die eine wegen Ishibashis Niederlage gegen Rouge, die andere in der Klasse bis 70 Kilo, in der es die Söhne Nippons nicht einmal ins Finale schafften. In dem standen zwei Judoka aus der Sowjetunion. Wladimir Nevzerov warf seinen Landsmann Verly Dvoinikov nach nur kurzer Kampfzeit mit einem herrlichen Uchi Mata Ippon. Für die beiden Japaner blieb nur Bronze.

Dafür aber bestachen andere aus dem Mutterland des Judo. Yoshiharu Minami gewann bis 63 Kilo ein rein japanisches Finale, Sumio Endo über 93 Kilo sowie Haruki Uemura in der Offenen Klasse. Und bis 80 Kilo siegte einer der größten Judoka der 70er-Jahre: Shozo Fuji, schon 1971 und 1973 Weltmeister, holte auch in Wien WM-Gold, und sogar noch vier Jahre später bei seinem letzten Turnier in Paris. Ein Hero auf der Matte!

Japan gewann mit 11 Medaillen (4/4/3) die Medaillenwertung souverän vor der Sowjetunion (1/2/3) und Frankreich (1/0/1). Die DDR holte damals zwei Bronzemedaillen, Italien, Polen und Nordkorea jeweils eine.

Morgen: Jean-Luc Rouge – der erste Judo-Weltmeister Frankreichs

Foto: Die Japaner waren auch vor 50 Jahren in Wien die Nummer 1 - @JLVW/Michael Zeiner

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