„Selina fehlte mir“

Natürlich war sie im ersten Moment enttäuscht, aber bald überwog die Freude über Silber – Bleona Rama, 17-jähriges Judo-Talent aus Oberösterreich, sorgte (nach unserer Zeit) in der Nacht von Freitag auf Samstag für Österreichs erstes Erfolgserlebnis bei der Kadetten-WM in Guayaquil (ECU). Sie musste sich nach vier Siegen erst im Finale der um ein Jahr jüngeren Deutschen Jolina Reinhold geschlagen geben. Und Bleona dachte an ihrem Erfolgstag auch an Teamkollegin und Aufwärmpartnerin Selina Wögerer, die als Nummer 2 der Welt wegen einer Ellbogen-Verletzung für die WM absagen musste. Leider gab es keine weitere Platzierung für Österreich.

„Siebzehn Jahr, blondes Haar, so stand sie vor mir“ – einer der Hits der Musiklegende Udo Jürgens. Siebzehn Jahr, blondes Haar, so stand sie auf dem Podest – und erhielt ihre Medaille von einer Olympiasiegerin überreicht. Von Tina Trstenjak, der 2016 in Rio in der selben Gewichtsklasse erfolgreichen Slowenin. Ehre und Ansporn zugleich für die junge Judokämpferin, die aus dem kleinen Ort Reichraming kommt und Sinnbild für die erfolgreiche Arbeit in diesem Klub ist.

„Ich hatte beim Aufstehen ein sehr gutes Gefühl, auch im ersten Kampf. Dann ist es zwar von Runde zu Runde schwerer geworden, am Ende hat’s aber immer gereicht. Bis zum Finale. Da ging dann leider der Plan nicht auf“, sagte Rama nachher. Die ihre gewohnte Trainingspartnerin vermisste: „Es war für mich sehr ungewohnt, nicht mit Selina aufwärmen zu können. Sie hat mir gefehlt. Aber meine Klubkollegin Isabella Stögmann ist eingesprungen, und das hat – wie man ja gesehen hat – funktioniert.“ Wögerer hatte sich im WM-Vorfeld bei einem Armhebel einen Bänderriss am Ellbogen zugezogen und musste für die WM im fernen Ecuador passen.

Dass es im Finale gegen Reinhold nicht geklappt hat, tut Bleona natürlich weh. „Ich hatte gegen Jolina noch eine Rechnung offen, weil ich in Bielsko-Biela gegen sie verloren hab. Ich wollte sie beschäftigen und zermürben, aber das ist leider nicht gelungen.“ Nach einem Waza-ari gab es aus dem anschließenden Kesa-gatame kein Entrinnen mehr. Ramas letzter Kampf in der Unter-18-Altersklasse ging verloren. „Die Deutsche hat verdient gewonnen“, anerkannte Nachwuchs-Nationaltrainer Martin Grafl, übrigens der einzige Wiener im Judo Austria-Team, den Sieg Reinholds. „Aber Bleona kann stolz sein – sie ist Vize-Weltmeisterin!“ Jetzt wechselt die Oberösterreicherin, die Ende Juni EM-Dritte in Las Palmas wurde, in die Junioren-Klasse.

Heute Samstag, erfüllten sich die Hoffnungen leider nicht. Michaela Höllwart (Sanjindo Bischofshofen), die Nummer 3 der Welt über 70 Kilo und nach dem Ausfall Wögerers Österreichs größte Medaillenchance, schied nach einem Freilos im Achtelfinale gegen Anna Zheleva (RUS) überraschend mit Hansokumake (Disqualifikation) ebenso aus wie Felix Scheiber bis 90 Kilo – der Judoka von PSV Salzburg gewann zwar gegen Yanis Fogam Kameni (FRA) mit Yuko im Golden Score, musste sich aber im Achtelfinale dem starken Omar Akhundov (AZE) mit Ippon geschlagen geben. Schon am Donnerstag war auch Ramas Klubkollegin Stögmann unplatziert geblieben. Dennoch: das Ziel von Judo Austria, eine Medaille, wurde erstmals seit drei Jahren erreicht …

Foto oben: Aus diesem Festhalter gab es für Bleona RAMA kein Entrinnen mehr. - Foto unten: Bleona auf dem Podest (links), neben ihr die slowenische Olympiasiegerin Tina TRSTENJAK, die ihr die Medaille überreichte - @IJF / Emanuele di Feliciantonio (2)

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